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Hans Peter Haselsteiner: „Gewisser Lästigkeitswert“

von andreas.wildhagen@wiwo.de

Hans Peter Haselsteiner, Chef des Baukonzerns, über Börsenpläne und den Machtkampf um das Stuttgarter Unternehmen Züblin.

Hans Peter Haselsteiner auf Pressekonferenz,  dpa
Hans Peter Haselsteiner, Chef des Baukonzerns Strabag mit Sitz in Wien, Foto: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Haselsteiner, Sie haben zurzeit ziemlich viel Stress. Haselsteiner: Wieso? Vor einem Jahr haben Sie mit der insolventen Walter Bau auch 57 Prozent am profi-tablen Bauunternehmen Züblin erworben. Die Familie von Eberhard Lenz, Ihr Mitaktionär bei Züblin, attackiert Sie jedoch unverblümt. Ein regelrechter Machtkampf ist entbrannt. Warum der Ärger? Herr Lenz ist der irrigen Meinung, ich benachteilige Züblin rücksichtslos zum eigenen Vorteil, wie er behauptet. Das ist natürlich nicht wahr. Was ist dann der Grund für die Angriffe? Herr Lenz möchte einen gewissen Lästigkeitswert gegen uns als Mehrheitsaktionär aufbauen. Dahinter mögen Verkaufsabsichten und Vorstellungen über einen bestimmten Verkaufspreis für seine Anteile stecken. Die Familie Lenz beklagt, sie solle aus dem Unternehmen hinausgedrängt werden. Ich habe der Familie Lenz schon viele Angebote gemacht. Das allererste war, Strabag und Züblin zur Züblin Strabag Bauaktiengesellschaft mit Sitz in Stuttgart zusammen- zuführen. Im zweiten Schritt wäre auch eine Verschmelzung über die Grenze möglich gewesen – mit unserer österreichischen Muttergesellschaft. Die wollen wir an die Börse bringen. Und wenn das passiert, hätte die Familie Lenz ein börsennotiertes Papier erhalten, ein Paket an der Obergesellschaft in Österreich. Das ist das Gegenteil von Hinausdrängen. Doch die Familie hat diesen Plan abgelehnt. Dann haben wir der Familie Lenz einen schrittweisen Ausstieg aus ihrer Züblin-Beteiligung angeboten – jedes Jahr zehn Prozent. Auch das wurde abgeschmettert. Das scheinen mir durchsichtige Manöver zu sein. Vielleicht ein Pokerspiel. Es gab Gerüchte, die Familie wolle für ihr 43-Prozent-Paket 100 Millionen Euro haben, um sich dann für immer zu verabschieden. Realistisch? In bin mit meinen Miteigentümern – der österreichischen Bankengruppe Raiffeisen – verpflichtet, einen realistischen Kaufpreis zu bieten. Dieser liegt bei 64 Millionen Euro für das Paket der Familie Lenz. Sie wollen mit der österreichischen Muttergesellschaft Strabag im kommenden Jahr an die Börse. Können Sie den Termin noch halten angesichts der Stornos bei Börsengängen – gerade auch im Bausegment? Wir planen unverändert, 2007 mit der Obergesellschaft an die Wiener Börse zu gehen. Wir wollen zunächst über eine Kapitalerhöhung die Alteigentümer, also die Raiffeisenbank und ich, auf 70 Prozent verwässern. In einem zweiten Schritt wollen wir später weitere 30 Prozent an den Markt abgeben. Bis zum Börsengang müssen Sie den Streit mit der Familie Lenz beigelegt haben. Aktionäre scheuen Zank bei Gesellschaftern. Die Querschüsse der Familie Lenz sind bedauerlich, aber nicht zu vermeiden – und bis 2007 wahrscheinlich nicht aus der Welt zu schaffen. Das kratzt mich nicht. Was hat Strabag in Deutschland zu bieten? Wir haben zwei Säulen: den Hoch- und Tiefbau, der bei unserer Beteiligung Züblin in Stuttgart angesiedelt ist, und den Straßenbau, der von der Strabag in Köln betrieben wird. In beiden Geschäften machen wir je zwei Milliarden Euro Umsatz. An Züblin halten wir 57 Prozent und an Strabag zurzeit gut 65 Prozent. Beide Unternehmen steuern wir von Wien, von der österreichischen Strabag aus. Der DIHK verkündete bereits das Ende der Talfahrt im Baugewerbe. Können Sie das bestätigen? Oh ja, ein bescheidenes Lüftchen ist ja schon zu spüren. Aber jeglicher Optimismus braucht in unserer Branche nun einmal seine Zeit, bis er bauwirksam wird. Dasselbe gilt übrigens für den Pessimismus. Diese Zeitverschiebung liegt an der zum Teil extrem langen Vorbereitungszeit von Bauprojekten. Bei uns kann man bei wachsender Zuversicht in die Konjunktur nicht einfach den Schalter umlegen oder in ein Geschäft gehen und etwas kaufen. Wieso haben Sie denn jetzt gerade das Gefühl, dass sich etwas bewegt? Ach Gott, schlechter wird’s wohl nicht mehr. Wir haben in all den Jahren unsere Ziffern und Prognosen immer wieder nach unten korrigieren müssen. Damit ist allem Anschein nach jetzt Schluss. Die Budgets der öffentlichen Hand bekommen wieder größere Spielräume. Es muss in der Infrastruktur dringend etwas getan werden, besonders in den alten Bundesländern lag lange Jahre vieles brach. Wo etwa? Im Straßenbau, bei Autobahnen, bei Flughafenprojekten. Auch bei Häfen und Schleusen muss viel erweitert oder erneuert werden. Und die Bahn muss dringend investieren. Überall herrscht die Meinung, es ist höchste Zeit, dass etwas passiert. Den ersten Aufschwung in der deutschen Bauindustrie erwarte ich für 2007 – dann geht es auch mit uns los – mit entscheidendem Durchbruch in 2008.

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