Hapag-Lloyd: Finanzielle Fesseln bremsen TUI aus

KommentarHapag-Lloyd: Finanzielle Fesseln bremsen TUI aus

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Tui-Kataloge

von Christian Schlesiger

Die Hauptversammlung von TUI in Hannover zeigt das Dilemma des Touristikkonzerns: Das Unternehmen möchte durchstarten, doch es kann nicht, weil das Geld fehlt.

Die Horrormeldung verkündet Horst Baier ganz zum Schluss. Kurz vor dem Ende seiner ersten Rede als Finanzvorstand weist der TUI-Manager auf der Hauptversammlung in Hannover auf „die Nettoverschuldung inklusive der aufgegebenen Geschäftsbereiche" hin. Mit 3,7 Milliarden Euro steht der Touristikkonzern in der Kreide. Er sagt dies emotionslos, so wie er das gesamte Zahlenwerk knochentrocken vorträgt.

Es ist wohl kein Zufall, dass Baier und nicht Vorstandschef Michael Frenzel das dicke Minus in den Bilanzen verkündet. Und wohl auch nicht, dass die Worte am Ende seiner Rede fallen. Am liebsten würde der Konzern die Zahl verschweigen, weil sie alles in Frage stellt, was Baier und Frenzel in der vergangenen Stunde über die positive Zukunft des Touristikgeschäfts referiert haben. Die Zahl bremst alle Visionen aus, Europas führenden Touristikkonzern auch zu einem Global Player zu formen.

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Die Hapag-Lloyd-Beteiligung bremst TUI aus

Der Grund für die Krise liegt in Hamburg. Mit 43 Prozent ist TUI weiterhin an der kriselnden Containerreederei Hapag-Lloyd beteiligt. Eigentlich wollte TUI die Schifffahrtslinie abstoßen, doch die Finanzkrise war schneller. Um die Reederei nicht untergehen zu lassen, hat sich TUI auch als Bank angedient, gewährte Kredite und ist nun mit 2,5 Milliarden Euro weiterhin an Hapag-Lloyd gebunden. Frenzel sieht das als „Scheck für die Zukunft". Der Betrag werde „später in Liquidität umgesetzt".

Das ist purer Euphemismus. Die finanziellen Fesseln bremsen das Wachstum des Konzerns derzeit vollständig aus. Eigentlich will Frenzel den Konzern auf neue Märkte ausrichten. Im März startet das Unternehmen mit der Marke, dem „TUI Smile", in Russland. Für weitere Akquisitionen und Investitionen im Osten bräuchte der Konzern aber dringend Geld.

Ebenso fehlen dem Konzern Mittel für eine geplante Erweiterung der Kreuzfahrten-Flotte und mutige Investitionen in neue Hotels und Resorts. An eine vollständige Übernahme des in London gelisteten Unternehmens TUI Travel, an dem die Hannoveraner Holding mit knapper Mehrheit beteiligt ist, ist derzeit gar nicht zu denken.

Zwar kündigt Frenzel die geplanten Investitionen an. Doch das Wachstum kann er allein auf Sparflamme fortsetzen. Frenzel selbst gibt zu, dass „die umfangreichen Maßnahmen zur Stabilisierung der Hapag-Lloyd" den finanziellen Spielraum bei TUI „vermindert hat". Die Finanzierung des Konzerns habe daher „oberste Priorität".

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