Hapag-Lloyd-Verkauf: TUI setzt zum Befreiungsschlag an

Hapag-Lloyd-Verkauf: TUI setzt zum Befreiungsschlag an

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Ergebnisse der TUI-Konzerntöchter

von Christian Schlesiger

TUI schreibt dank seiner Beteiligung an Hapag-Lloyd Gewinne. Nun plant Vorstandschef Michael Frenzel die Neuordnung des Touristikkonzerns. Neue Hotels und Schiffe sollen Kunden begeistern.

Es war ruhig geworden um Michael Frenzel. Der stets gut gebräunte Vorstandschef des Touristik- und Schifffahrtskonzerns TUI, einst als „Manager des Jahres“ und weitsichtigster Stratege unter den Dax-Konzernen gepriesen, mied in den vergangenen Jahren das öffentliche Licht, soweit es nur ging. Gescholten, weil der Aktienkurs von TUI von mehr als 20 Euro im Jahr 2007 auf unter fünf Euro 2009 einbrach, lehnte er auch Interviewanfragen ab. Zu groß war offenbar die Befürchtung vor Kritik an seiner Person. Beobachter hatten ihn längst abgeschrieben.

Doch nun bekommt er wieder Oberwasser. Frenzel, der heute die Bilanzzahlen des Geschäftsjahres 2010 (zum 30. September) präsentierte, hat gute Nachrichten im Gepäck. Der angeschlagenen Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd geht es wieder gut, die Krise in der Touristik scheint überwunden — unterm Strich verbuchte der Konzern einen Gewinn in Höhe von 114 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor war die Bilanz tiefrot. Nun kann sich der Konzernchef wieder der Zukunft widmen: dem Ausbau des Kerngeschäfts. Mit neuen Hotels und Schiffen will der TUI-Chef auf Kundenfang gehen und den Konzern dafür einer Radikalkur unterziehen.

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Nur noch Touristik

Den Wendepunkt bei TUI soll der Verkauf von Hapag-Lloyd markieren. An der Hamburger Reederei ist TUI mit 43 Prozent beteiligt. Frenzel will die Anteile noch 2011 an die Börse bringen oder an einen Investor verkaufen. Nach all den Querelen, die ihm die Reederei einbrachte, wäre das ein Befreiungsschlag, der dem Konzern ein bis zwei Milliarden Euro einbringen könnte (siehe Kasten).

Das Geld kann Frenzel gut brauchen. Allein die Nettoverschuldung von TUI liegt bei 2,3 Milliarden Euro — ein Teil der Schulden soll mit dem Hapag-Erlös getilgt werden. Zugleich peilt Frenzel an, die an der Londoner Börse notierte Tochter TUI Travel vollständig zu übernehmen. 43 Prozent befinden sich in Streubesitz. Die könnte Frenzel nach dem Hapag-Verkauf mit einem öffentlichen Übernahmeangebot einsammeln. Damit könnte er das operative Touristikgeschäft komplett nach Hannover zurückholen.

Das wäre ein kluger Schachzug. Die Reibungsverluste zwischen dem Sitz von TUI Travel in London und der Konzernzentrale in Niedersachsen sind beträchtlich. So belasten Bilanzfehler in London noch heute das Verhältnis. Weil Rabatte und Stornos falsch verbucht wurden, musste London vor wenigen Wochen 120 Millionen Euro abschreiben. Wegen der Schlamperei müssen Controller nun die Geschäftsabschlüsse der letzten drei Jahre anpassen und einige Manager ihre falsch berechneten Tantiemen zurückzahlen.

Auch anderswo ist dicke Luft: Die Briten buchen ihre Kunden wegen höherer Margen auch gerne mal bei Hotels, die nicht zum Portfolio des hannoverschen Mutterhauses gehören. Frenzel will das abstellen und den „Durchgriff auf TUI Travel erhöhen“, sagt ein Manager, der ihm nahesteht. Das scheint nur möglich, wenn die strategischen Entscheidungen wieder in Hannover getroffen werden. Als Aufsichtsratschef von TUI Travel fehlt Frenzel bisher die operative Entscheidungsmacht.

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