Hartmut Mehdorn: Blutsbruder für Air-Berlin-Chef Hunold

Hartmut Mehdorn: Blutsbruder für Air-Berlin-Chef Hunold

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Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn

Auf den Sitzungen seines Board genannten Verwaltungsrats muss sich Air-Berlin-Chef Joachim Hunold bisher immer etwas einsam gefühlt haben. Eine Glosse von Rüdiger Kiani-Kress.

Außer ihm dem leicht aufbrausenden Vollblutunternehmer, der seine Firma am liebstem vom Laptop steuert, gehörten dem Aufsichtsgremium bisher fast ausschließlich eher zurückhaltende Manager vor allem Banker, Reeder oder Händler an. Doch jetzt hat Hunold mit Hartmut Mehrdorn endlich einen Seelenverwandten in seinem Unternehmen.

Das kann Hunold gefallen. Zwar hat er sich mit dem Ex-Bahn-Chef erbitterte Duelle geliefert, ob nun dessen Züge oder doch Hunolds Flüge in Sachen Umweltbelastung und staatlichen Subventionen vorne liegen, und zwar so heftig, dass man gelegentlich fliegende Fäuste erwartete. Doch im Grunde sind beide doch Blutsbrüder und dank der offenen Art des Powerdutzers Hunold sicher bald beim "Achim" und "Hartmut".  Das beginnt äußerlich in ihrer gedrungenen Art, leicht untersetzt, den Hals tief ins Sakko gezogen. Noch ähnlicher sind ihre Überzeugungen und die missionarische Art, mit der sie dafür kämpfen in ihren Kundenzeitschriften oder auf Diskussionsrunden.

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Beide sind dagegen, wenn sich der Staat in ihren Unternehmen bemerkbar macht und sei er wie bei der Bahn auch Eigentümer –Auftritte von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Festakten mal ausgenommen.

Abneigung gegen wichtige Angestellte

Beide haben zu Arbeitnehmerrechten und besonders Interessenvertretungen ihrer wichtigsten Angestellten den Piloten oder Lokführern die gleiche Abneigung, die man ihn Hunolds rheinischer Heimat mit „wulle mer nit, bruche mer nit, fott damit (wollen wir nicht, brauchen wir nicht, weg damit)“ umschreibt. Hier war Hunold bisher zwar nicht ganz so zupackend wie Mehdorn.

Air-Berlin-Chef Joachim Hunold Quelle: AP

Air-Berlin-Chef Joachim Hunold

Bild: AP

Freilich verspricht der Zugang Mehdorn auch ein paar Nebenwirkungen, wie mehr Leben im Air-Berlin zu bringen. Bislang erlebten Kenner die Sitzungen als eher ruhig und diszipliniert. Die eine Hälfte der Mitglieder ist nun mal als Vorstände der Fluglinie von Hunolds Wohl abhängig und hätte sich wahrscheinlich nach Ende der Sitzung eine Standpauke eingefangen; die andere Hälfte waren bisher vor allem Vielflfieger, aber eben nicht vom Fach und damit der enormen Detailkenntnis des Mr. Air Berlin nicht wirklich gewachsen. 

Das wird jetzt wohl anders. Mehdorn hatte in seinem alten Job Chef wenig Geduld mit Dingen wie Widerworte, detaillierte Rückfragen oder gar Kritik, es sei denn sie kamen von ihm selbst. Das wird Mehdorn kaum aufgeben und nun diszipliniert Ja und Amen sagen. Beobachtern zufolge glaubt er ja nicht nur, in wichtigen Fragen mehr zu wissen als sein Umfeld. Als Ex-Manager des Flugzeugbauers Airbus und ehemaliger größter Beweger der Deutschen wäre er der erste im Air-Berlin-Board mit einem wirklich tieferen Verständnis vom Fluggeschäft. Und was er nicht weiß, wird er sich sicher gerne aneignen. Mangels bedeutender Nebenjobs hat der Workaholic ja nun auch die Zeit.

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