Hauptversammlung: Aktionäre wollen Siemens-Aufsichtsräte stürzen

Hauptversammlung: Aktionäre wollen Siemens-Aufsichtsräte stürzen

Die Siemens-Hauptversammlung in zwei Wochen verspricht spannend zu werden. Die Kleinanleger-Vereinigung DSW kündigte an, sie werde führende Aufsichtsratsmitglieder nicht wiederwählen. Darunter sind namhafte Manager wie Deutsche-Bank-Chef Ackermann und Siemens-Chefaufseher Cromme.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kündigte an, „gegen eine Wiederwahl der Herren Dr. Josef Ackermann, Dr. Gerhard Cromme und Lord Iain Vallance of Tummel“ zu stimmen, wie aus einem Gegenantrag hervorgeht.

Die drei Aufsichtsräte sind die einzigen Vertreter der Kapitalseite, die sich Ende Januar zur Wiederwahl stellen. Der Großteil der Kapitalvertreter hatte seinen Rückzug zur Aktionärsversammlung angekündigt, darunter Ex-HVB-Chef Albrecht Schmidt und der ehemalige Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle.

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Cromme, Ackermann und Lord Vallance seien nach bisherigen Untersuchungen zwar nicht in die Schmiergeldaffären verstrickt. „Unabhängig davon bietet die Korruptionsaffäre für die Siemens AG eine Chance für einen umfassenden Neuanfang“, schrieben die Aktionärsvertreter. Im Vorstand und den Unternehmensbereichen sei dieser vollzogen worden. „Die DSW hätte sich auch für den Aufsichtsrat einen derartigen Neuanfang gewünscht. Die hier vorgeschlagene Lösung erscheint uns halbherzig.“

Ackermann und der einstige ThyssenKrupp-Mann Cromme gelten als Drahtzieher der Entmachtung von Siemens-Vorstandschef Klaus Kleinfeld im Zuge der Korruptionsskandale. Der Wechsel an der Konzernspitze hatte Siemens mehr als 14 Millionen Euro gekostet.

Konzern will Manager entlasten

Die DSW will zudem die Entlastung der Vorstände - mit Ausnahme von Konzernchef Peter Löscher - und Aufsichtsräte bis zur endgültigen Aufklärung der Affäre vertagen.

Siemens will auf der Hauptversammlung allerdings einzeln über alle Mitglieder der Unternehmensspitze abstimmen lassen.

Siemens hat in der Tagesordnung der Hauptversammlung, die bereits vor Wochen an die Aktionäre verschickt wurde, vorgeschlagen, den Vorstand für das Geschäftsjahr 2006/2007 zu entlasten. Einzige Ausnahme ist der frühere Vorstand Johannes Feldmayer, der im Zusammenhang mit der Affäre kurzzeitig in Haft saß.

Über Feldmayers Entlastung soll erst später entschieden werden. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg ermittelt gegen den früheren Europa-Chef, der die Arbeitnehmervertretung AUB mit Millionenbeträgen geschmiert haben soll.

Laut „Süddeutsche Zeitung“ verschärft sich im Aufsichtsrat die Kritik an früheren Vorständen. Aus dem Kontrollgremium verlaute, es könne durchaus dazu kommen, dass man den Aktionären empfehle, langjährigen Top-Managern einschließlich des früheren Siemens-Chefs Klaus Kleinfeld die Entlastung zu verweigern. Es gehe wohl auch darum, sich die Möglichkeit offenzuhalten.

Ein Siemens-Sprecher nannte den Bericht Spekulation und wollte sich nicht dazu äußern.

Sollte das Kontrollgremium tatsächlich dazu raten, den Vorständen um Kleinfeld die Entlastung zunächst zu verweigern, würden sie vor allem den amtierenden Finanzvorstand Joe Kaeser beschädigen, der bereits vor dem Bekanntwerden der Korruptionsskandale dem Führungszirkel angehört hatte. Die Entlastung von Spitzenmanagern durch die Eigentümer ist vor allem von symbolischer Bedeutung. Unmittelbare rechtliche Folgen hat sie nicht.

Dennoch seien die Auswirkungen wegen des Imageverlusts immens. Normalerweise wird der Vorstand der Konzerne auf einer Hauptversammlung mit großer Mehrheit von mehr als 90 Prozent entlastet. Ein deutlich niedrigerer Anteil bedeutet meist eine Blamage für das Management.

Die Mehrheit der Aktionäre folgt in aller Regel den Vorschlägen des Unternehmens.

Die Siemens-Hauptversammlung findet am 24. Januar in der Olympiahalle in München statt und gehört regelmäßig zu den größten Aktionärstreffen in Deutschland. Im vergangenen Jahr hatten sich rund 30.000 Aktionäre angemeldet.

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