Hauptversammlung der IKB: "Fast" alles getan?

Hauptversammlung der IKB: "Fast" alles getan?

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Der Aufsichtsratsvorsitzend der IKB, Ulrich Hartmann, vor Beginn der Hauptversammlung heute in Düsseldorf

Lila Krawatte, lila Einstecktuch und sichtlich nervös: Der IKB-Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Hartmann, vor allem bekannt als Chefkontrolleur von E.On und Kuratoriumsvorsitzender der RAG Stiftung, in deren Besitz sich auch die Evonik AG befindet, verhaspelt sich an diesem Vormittag in der Düsseldorfer Stadthalle gleich mehrfach.

Auf der turbulenten Hauptversammlung soll seine Kernbotschaft heute Vormittag jedoch glasklar sein: Der Aufsichtsrat der Industriekreditbank ist von der Subprime-Krise, die das Bankhaus an den Rand der Pleite brachte, völlig überrascht worden. Ergo: Ulrich Hartmann, der im früheren Leben einmal Wirtschaftsprüfer war bevor er in die Energiewirtschaft wechselte, konnte die Milliardenrisiken der Bank nicht erkennen. An ihm hat es nicht gelegen. So die Message. Wörtlich klingt diese juristisch wohl kalkulierte Formulierung so: Vor dem 27. Juli 2007, als allen die Schieflage der Bank bekannt wurde, habe der Aufsichtsrat keine Signale und keine Hinweise auf Probleme im Subprime-Bereich gehabt. Der Aufsichtsrat habe den Vorstand immer wieder gefragt, ob signifikante Risken bestünden. Der habe das verneint, so Hartmann. Und dann sorgt der frühere E.On-Chef doch noch für Gelächter unter den aufgebrachten Aktionären im Saal: „Mehr konnten wir fast nicht tun“. Das „fast“ war es, das die Aktionäre erheiterte.

Doch es gibt offenbar, zumindest von außen betrachtet, auch Gegenanzeigen der so hoch besungenen Sorgfalt des IKB-Kontrollgremiums: So hatte bereits 2005 ein Analystenbericht auf genau jene Risiken hingewiesen, die später zum IKB-Gau führten. Im Aufsichtsrat wurde über diesen Analystenbericht nicht diskutiert. Das angesehene US-Bankenfachblatt „Risk“, das in Frankfurter und Londoner Großbanken zur Lektüre gehört, hatte bereits im Februar 2004 die „risikoreichen Geschäfte“ der IKB analysiert, so prangerte es ein Aktionär an. Das Fachblatt sprach von „schlau strukturierten Risiken außerhalb der Bilanz“. Warum der Aufsichtsrat nicht durch diesen Bericht alarmiert worden sei? Hartmann provozierte wiederum Gelächter der ansonsten wütenden Aktionäre: „Die Zeitschrift Risk ist nicht weit verbreitet“, sagte er.   

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Dennoch. Der Aufsichtsrat beteuerte, erst durch die Tagespresse über die weltweite Subprime-Krise erfahren zu haben. Immerhin. Vom eigenen, früheren Vorstand fühlen  sich die heutigen Aufsichtsräte getäuscht und drohen mit juristischen Schritten. Die jedoch blühen offenbar auch dem Aufsichtsrat: Im Aktionärsplenum sitzen Kohorten von zum Teil bekannten Anwälten, die jedes Wort genau mitschreiben. „Eine Klage gegen den IKB-Aufsichtsrat hätte soviel Zündstoff wie einst die Klage gegen die Mannesmann-Vorstände oder gegen den früheren WestLB-Chef Jürgen Sengera, der wegen angeblicher Untreue zur Zeit vor Gericht steht“, sagt einer der Anwälte im Foyer.

Mitten unter den Kleinaktionären sitzt auch Alfred Tacke, der frühere Staatssekretär im Bundeswirtschaftsminsterium, heute Vorstandschef des Stromerzeugers Steag. Er beobachtet den Fortgang der Diskussion genau, da er in den Aufsichtsrat der IKB gewählt werden soll. Vielleicht will Tacke auch studieren, wie Hartmann, der Vorsitzender des Kuratoriums der RAG-Stiftung ist, in dieser brenzligen Situation bei der IKB agiert. Das wäre für ihn von Interesse, denn die Steag gehört zur Evonik, Tacke selbst ist Evonik-Vorstandsmitglied. Und der Chemie-Konzern gehört zur RAG-Stiftung, deren Kuratoriumschef Hartmann ist.

Ulrich Hartmann wird nach dieser Hauptversammlung aus dem IKB-Aufsichtsrat ausscheiden. „Turnusgemäß“, wie er betont. Er wird in diesem Jahr 70. Und bei der IKB gab es offenbar keine Verschuldungs- wohl aber eine Altersgrenze. Die Krönung seiner Berufslaufbahn hat sich der früher so kluge und weitsichtige Stratege der westdeutschen Industrie sicherlich anders vorgestellt.

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