
Nach Jahren des schmerzhaften Konzernumbaus will Telekom-Chef René Obermann den Telefonriesen wieder auf Wachstum trimmen. Die Chancen sind derzeit so gut wie lange nicht: Der geplante Verkauf des US-Geschäfts dürfte Milliarden in die Kasse spülen und die Nachfrage nach schneller Internet-Anbindung - ob per Mobilfunk oder im Festnetz - steigt sprunghaft.
Nach dem Verkauf der US-Tochter, der bis Mitte 2012 in trockenen Tüchern sein soll, sieht der Bonner Konzern im Geschäft mit dem Datenverträgen für Handys und Laptops große Wachstumschancen. "Wir stehen beim mobilen Internet erst am Anfang - und können darin auch ohne die USA um mehrere Milliarden Euro wachsen", sagte Obermann am Donnerstag auf der Hauptversammlung. Zusammen mit anderen Wachstumsfeldern - wie etwa internetgestützten Stromzählern - solle der Konzern damit langfristig wieder das Wachstumsniveau der Volkswirtschaft erreichen. "Das ist ein ambitioniertes Ziel", räumte der Vorstandschef ein.
Vor dem Wachstumskurs standen Aufräumarbeiten. "Das vergangene Jahr war wegweisend: Wir haben eine veränderte Strategie verabschiedet und erfolgreich die dringendsten Probleme des Unternehmens bearbeitet", sagte Obermann. Die Mobilfunktochter in Großbritannien wurde in ein Gemeinschaftsunternehmen eingebracht, ein jahrelanger Streit um die Besitzverhältnisse bei einem polnischen Netzbetreiber gelöst. Und vor knapp zwei Monaten kam dann noch der unerwartete Befreiungsschlag: Der Verkauf der schwächelnden Tochter T-Mobile USA an den Branchenriesen AT&T für 28 Milliarden Euro. "Ein Preis, der noch vor kurzer Zeit, als Kapitalmärkte in der Krise steckten, wohl kaum möglich gewesen wäre", freute sich Obermann.
Dafür gab es auch von gewöhnlich sehr kritisch gestimmten Aktionären Applaus. Begrüßt wurde vor allem das dicke Kursplus der einstigen Volksaktie von 15 Prozent nach Verkündung der US-Transaktion. "Das Wunder von Bonn ist eingetreten: Die Aktie der Telekom hat sich bewegt, und zwar nach oben", sagte Jella Benner Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auch Klaus Kaldemorgen, Manager bei der Fondsgesellschaft DWS der Deutschen Bank, sprach dem Telekom-Lenker ein Kompliment aus. Unter Obermanns Führung arbeiteten die Telekom-Manager nicht mehr gegen-, sondern miteinander. "Der Vorstand hat die diversen Probleme des Unternehmens zielstrebig und unaufgeregt abgearbeitet.
Gesättigte Mobilfunkmärkte
Eine Schwäche der Telekom: Wie die Konkurrenz tut sie sich schwer bei der Suche nach neuen Wachstumsmärkten. Das Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche Netzbetreiber im Ausland gekauft - die weitaus teuerste Akquisition war dabei die des amerikanischen Mobilfunkers T-Mobile USA. Die Zukäufe haben zwar insgesamt den Umsatz um mehr als 52,5 Prozent erhöht. Die viel wichtigere Größe, der operative Gewinn vor Abschreibungen (Ebitda) legte dagegen nur 38,7 Prozent zu. Trotz eines beträchtlichen Wachstums sinkt also die Umsatzrendite.
Das Problem ist erkannt. Das margenschwache US-Geschäft verkauft die Telekom gerade. Sollte der Deal genehmigt werden, hinge das Schicksal der Telekom an Deutschland sowie den Töchtern in Süd- und Osteuropa. Dort versucht die Telekom nun, mehr Synergien zu heben und dadurch den Gewinn zu verbessern. Ob die Region allerdings mehr Rendite bringt, ist fraglich. Die Mobilfunkmärkte dort sind gesättigt. Zwar verspricht sich der Konzern Wachstum im mobilen Internet, weil in einigen Ländern kein richtiges Festnetz existiert. Vorerst aber ist das nur eine Hoffnung.
Derzeit nämlich beutelt die Wirtschaftskrise zahlreiche Märkte in der Region. In Ungarn hat die Regierung eine Sondersteuer für Telekomkonzerne erhoben, um ihre Staatskasse aufzubessern; in Griechenland und Rumänien brechen die Gewinne ein. Der Börsenkurs der griechischen Tochter OTE hat sich seit dem Einstieg der Telekom vor drei Jahren mehr als halbiert.













