Hauptversammlung: IKB-Manager spielen die Unschuldslämmer

Hauptversammlung: IKB-Manager spielen die Unschuldslämmer

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Die Zentrale der Deutsche Industrie Bank IKB in Düsseldorf

Aufgeheizte Stimmung bei der heutigen Hauptversammlung der ins Trudeln geratenen Mittelstandsbank IKB: Der IKB-Aufsichtsrat gibt sich ahnungslos und weist eine Mitschuld am Absturz der IKB von sich. Der Vorstand verwies auf Fehler seiner Vorgänger. Aktionärsschützer hatten dafür wenig Verständnis: Es sei unbegreiflich, wie man eine solide Bank derart verzocken könne.

Nach dem Milliarden-Debakel mit zweitklassigen US-Hypothekenkrditen hat der IKB-Aufsichtsrat die Mitschuld am Absturz der Mittelstandsbank zurückgewiesen. „Die Krise hat uns ebenso überrascht wie Sie“, sagte Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann heute vor rund 1.000 Aktionären. Bis zur Bekanntgabe der Fehlspekulationen auf dem US-Hypothekenmarkt im Juli 2007 hätten dem Aufsichtsrat bekannte Prüfungen keinerlei Hinweise auf Risiken ergeben.

Über Probleme mit zweitklassigen US-Krediten sei das Gremium erst zu spät durch den Vorstand informiert worden, sagte Hartmann. Auch der nach Ausbruch der Finanzkrise eingesetzte Vorstandsvorsitzende Günther Brünig, betonte, der frühere Vorstand sei seiner Informationspflicht unzureichend nachgekommen. Die in den vergangenen Monaten eingegangenen Schadensersatzklagen von Aktionären hielt Brünig jedoch für unbegründet.

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Die versammelten Aktionäre zeigten wenig Verständnis für die Berichte von Aufsichtsrat und Vorstand. „Es ist unbegreiflich, wie eine einst grundsolide Bank für den Mittelstand derart verzockt werden konnte“, sagte Franz-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz unter tosendem Applaus. Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung institutioneller Privatanleger forderte das Management gar auf, ihre Bezüge als „Nothilfe“ für die von den Verlusten betroffenen Aktionäre zu spenden.

Unterstützung für Sonderprüfung

Um das Vertrauen der Aktionäre wieder herzustellen, erklärten Aufsichtsrat und Vorstand, die von der Bundesregierung vorgeschlagene Sonderprüfung bei der IKB unterstützen zu wollen. Durchgesetzt werden soll die Prüfung über den staatseigenen Großaktionär, die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat wird damit verschoben.

Seit Sommer vergangenen Jahres braucht die IKB vom Bund immer wieder Kapitalspritzen in Milliardenhöhe, nachdem der Vorstand lange behauptet hatte, die Risiken aus der US-Hypothekenkrise bewegten sich im einstelligen Millionenbereich. Mit mehreren Rettungspaketen von über acht Milliarden Euro haben KfW, Bund und Banken das Düsseldorfer Institut vor dem Zusammenbruch bewahrt. Erst in der vergangenen Woche hatte die IKB ihre Verluste für das laufende Geschäftsjahr um 250 Millionen auf 800 Millionen Euro nach oben korrigiert. 

Nach vorne blicken

Vorstandsvorsitzender Brünig forderte die Aktionäre unterdessen auf, nach der Krise wieder nach vorn zu blicken und den Kurs der Stabilisierung mitzutragen. „Ich bin überzeugt, dass wir potenziellen Bietern eine attraktive Plattform bieten“, sagte Brünig über den laufenden Verkaufsprozess der KfW-Anteile. Die KfW stellt mit 43,4 Prozent den größten Aktionärsanteil. Bis Ende Februar hätten eine Reihe von Angeboten aus dem In- und Ausland vorgelegen. Im Bereich Firmenkunden und Immobilienfinanzierung will die Bank nach eigenen Angaben ihr Akquisitionspotential und Neugeschäftsvolumen steigern.

Im Geschäftsfeld Strukturierte Finanzierung will sie die Internationalisierungsstrategie besonders aufeuropäischenn Märkten fortsetzen. Auch wenn das Geschäftsjahr 2008/2009 noch erheblich durch die Folgewirkungen der Krise beeinträchtigt sein werde, sei die Bank insgesamt auf einem guten Weg, betonte Brünig. Zugleich warb er für die auf der Hauptversammlung zur Entscheidung stehende Kapitalerhöhung von 1,5 Milliarden Euro. Nur so könne die IKB wieder gestärkt am Kapitalmarkt auftreten.

IKB sieht kein Risiko aus Klage von US-Versicherer

Die IKB sieht für sich kein Risiko aus der von dem US-Versicherer FGIC eingereichten Klage. Die IKB halte die in der Klageschrift vorgebrachten Einwände von FGIC für unbegründet, sagte IKB-Vorstandschef Günther Bräunig heute in Düsseldorf. Bisher sei die Klage des amerikanischen Anleiheversicherers der IKB aber nicht wirksam zugestellt worden. Die Financial Guaranty Insurance Company (FGIC) hatte am 10. März in New York eine Klage auf 1,9 Milliarden Dollar Schadenersatz gegen die Mittelstandsbank eingereicht.

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