Hauptversammlung : Siemens macht trotz Schmiergeldaffäre Milliardengewinne

Hauptversammlung : Siemens macht trotz Schmiergeldaffäre Milliardengewinne

Überschattet von der Korruptionsaffäre hat heute in München die Siemens-Hauptversammlung begonnen. Aufsichtsratschef Gerhard Cromme kündigte in der Schmiergeldaffäre baldige Verhandlungen mit der US-Börsenaufsicht SEC über Strafzahlungen an. Der Technologiekonzern Siemens hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres dank des Verkaufs der Automobilzulieferersparte VDO einen Milliardengewinn eingefahren. Der Konzern startet ein milliardenschweres Aktienrückkauf-Programm. Das norwegische Verteidigungsministerium stoppt die Geschäfte mit Siemens.

Aufsichtsratschef Gerhard Cromme kündigte in der Schmiergeldaffäre baldige Verhandlungen mit der US-Börsenaufsicht SEC über Strafzahlungen an. „Heute nun freue ich mich, mitteilen zu können, dass die SEC und das Department of Justice ihr Einverständnis erklärt haben, in Kürze mit uns Gespräche zu führen mit dem Ziel eines umfassenden und fairen Vergleichs“, sagte Cromme vor tausenden Aktionären. Er hoffe, dass die Verhandlungen bereits im Februar beginnen könnten. Wegen dubioser Zahlungen in Milliardenhöhe droht Siemens eine ebenfalls milliardenschwere Strafe der US-Börsenaufsicht. „Peter Löscher, Peter Solmssen und ich werden so viel Zeit wie möglich investieren, um so rasch wie möglich für Siemens ein faires Ergebnis zu erzielen“, kündigte Cromme an. Die Unterredungen würden aber sicherlich mehrere Monate dauern. Erste Gespräche mit der SEC seien aber bereits positiv verlaufen. Die Börsenaufsicht habe Siemens gegenüber erklärt, das Unternehmen sei bei der Aufklärung der Korruptionsaffäre auf dem richtigen Weg, sagte der Aufsichtsratschef. Die internen Ermittlungen bei Siemens würden auf jeden Fall weitergeführt. Durch ein Amnestieprogramm würden sie deutlich beschleunigt.

Nach Steuern verdiente das Unternehmen im ersten Quartal des Geschäftsjahres  6,48 Milliarden Euro, wie es heute in München mitteilte. Darin enthalten sei ein Ertrag von 5,4 Milliarden Euro aus dem VDO-Verkauf an Continental. Bereinigt um diesen Effekt stieg der Gewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal von 788 Millionen Euro auf 1,075 Milliarden Euro.

Anzeige

„Siemens hat ein starkes Wachstumspotenzial“, erklärte Konzernchef Peter Löscher. Der Umsatz legte um zehn Prozent auf 18,4 Milliarden Euro zu. Beim Auftragseingang konnte der von einer Korruptionsaffäre erschütterte Konzern ein Plus von neun Prozent auf 24,24 Milliarden Euro verbuchen.

Löscher erklärte, Siemens wolle bei der Ertragskraft zu den besten Wettbewerbern aufschließen. Für zwei der drei Kernsparten Energie, Industrie und Gesundheit gab der Vorstand neue ehrgeizige Renditeziele aus. Für den Industriesektor wird ein Margenziel zwischen neun und 13 Prozent angestrebt (bisher neun bis 11 Prozent), für den Energiesektor elf bis 15 Prozent (bisher neun bis 13 Prozent). Für die Medizintechniksparte gilt ein Zielband von 14 bis 17 Prozent.

Vor Beginn der heutigen Hauptversammlung erklärte Siemens zudem, noch im Januar den bereits im November angekündigten Aktienrückkauf starten zu wollen. Bis Ende April will der Konzern Aktien im Wert von etwa zwei Milliarden Euro zurückkaufen. Insgesamt will das Unternehmen bis 2010 Anteilspapiere im Wert von zehn Milliarden Euro wiedererwerben. Der Konzern will den Großteil der Aktien einziehen und so die Kapitalstruktur verbessern.

Bei der um 10 Uhr beginnenden Hauptversammlung des Konzerns dürfte die Schmiergeldaffäre im Mittelpunkt stehen. Aus dem Vorstand soll als Konsequenz aus dem Korruptionsskandal nur Siemens-Chef Löscher entlastet werden.

Die Schmiergeldaffäre kommt Siemens indes weiter teuer zu stehen. Im ersten Quartal 2007/08 (30. September) gab der Konzern insgesamt 127 Millionen Euro für Berater und die Verbesserung der Kontrollsysteme aus.

Damit summieren sich die Kosten des Skandals bereits auf mehr als 1,5 Milliarden Euro. Auch künftig seien Strafzahlungen, Geldbußen und andere Ausgaben in erheblichem Umfang zu erwarten.

Nach  Angaben von Siemens hat das norwegische Verteidiungsministerium wegen Korruptionsvorwürfen die Geschäfte mit Siemens gestoppt. Siemens soll norwegischen Ministern in den Jahren 2003 und 2004 Golfreisen bezahlt haben. Im Dezember vergangenen Jahres waren Büros von Siemens in Norwegen durchsucht worden.

In Norwegen hatte  im vergangenen Jahr bereits ein anderer Korruptionsfall mit dem dortigen Verteidigungsministerium  für Empörung gesorgt. Jahrelang soll die Siemens-Tochter Siemens Business Services (SBS) das norwegische Verteidigungsministerium mit überhöhten Rechnungen für den Aufbau eines Computersystems um Millionenbeträge geprellt haben. Mittlerweile hat Siemens sein IT-Geschäft in Norwegen an den skandinavischen IT-Dienstleister WM Data verkauft, der mehrheitlich zum internationalen Branchenschwergewicht Logica CMG gehört. Über den Kaufpreis des Unternehmens, das im vergangenen Jahr mit 250 Mitarbeitern rund 48 Millionen Euro Umsatz in Norwegen erzielte, haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart.   Nach eigenen Angaben hat Siemens bisher rund 4,4 Millionen Euro aus überhöhten Abrechnungen zurückgezahlt. In Norwegen steht Siemens zudem in Verdacht, sich an einem Kartell im Bereich Gebäudetechnik beteiligt zu haben. Dabei geht es um Absprachen im Geschäft mit dem Service und der Wartung von Brandschutzanlagen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%