Hauptversammlung: Siemens-Manager strahlen um die Wette

Hauptversammlung: Siemens-Manager strahlen um die Wette

von Michael Kroker

Dieselbe Veranstaltung wie jedes Jahr? Von wegen: Beim diesjährigen Aktionärstreffen gibt sich der Münchner Industriegigant selbstbewusst und optimistisch wie lange nicht. Das Management um Konzernchef Peter Löscher hat die meisten Probleme der vergangenen Jahre erfolgreich abgearbeitet. Für künftiges Wachstum sollen vor allem grüne Technologien sorgen.

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Peter Löscher

Alles Harmonie, so lautet offenbar das Motto der diesjährigen Hauptversammlung von Siemens. Aufsichtsratsboss Gerhard Cromme, Konzernchef Peter Löscher und Finanzchef Joe Kaeser strahlen jedenfalls geradezu um die Wette, als sie sich kurz vor Beginn um 10 Uhr zum lockeren Plausch unter die Siemens-Aktionäre in der Münchner Olympiahalle mischen. Kein Wunder, schließlich steht das Triumvirat des Industrie- und Elektronikkonzerns vor einem der ruhigsten Treffen mit seinen Anteilseigner der vergangenen Jahre.

Wie sehr sich die Zeiten gewandelt haben, beweist auch ein Werbefilmchen, der die Hauptversammlung einläutet: „I’m proud to be Siemens“, verkünden darin dutzende Siemens-Mitarbeiter rund um den Erdball – auf gut Deutsch: „Ich bin stolz, bei Siemens zu arbeiten“. Eine derartige Selbstbeweihräucherung war noch vor ein oder zwei Jahren undenkbar – zum einen wegen der seinerzeit noch schwebenden Aufarbeitung des Ende 2006 aufgedeckten Schmiergeldskandals, zum anderen wegen des anhalten Konzernumbaus mit diversen Restrukturierungsprogrammen.

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„Mir geht es genauso“, knüpft Siemens-Chef Löscher in seiner Rede an die Aktionäre an das Video an. „Siemens ist zurück an der Weltspitze. Wir sind wieder da, wo Siemens hingehört.“ Zum Klopfen auf die eigene Schulter hat Löscher aktuell freilich auch allen Anlass, wie sich erst am frühen Morgen wieder einmal erwiesen hat: So können die Münchner im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2011 erneut ein Rekordergebnis einfahren; Auftragseingang, Umsatz und Nettogewinn stiegen zwischen Oktober und Dezember des vergangenen Jahres jeweils im zweistelligen Prozentbereich. Der Auftragsbestand steht inzwischen bei 92 Milliarden Euro. „Siemens ist voll auf Wachstumskurs“, so Löscher.

Wichtigster Schwerpunkt seiner Rede ist freilich das Thema Umwelttechnologie. „Heute ist Siemens der grüne Infrastrukturpionier. Dass mancher diese Positionierung als ,Löscher-Doktrin’ bezeichnet, nehme ich mit einem Schmunzeln wahr“, sagt der Siemens-Chef in ungewohnter Selbstironie. Vor allem das Wort „Nachhaltigkeit“ scheint Löscher besonders zu gefallen – jedenfalls fällt jenes Attribut gefühlt in jedem zweiten Satz. „Das Siemens-Umweltportfolio spart Energie, Ressourcen und Kosten, es hilft der Umwelt und steigert die Lebensqualität. Es sind nachhaltige Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit“, beschwört Löscher seine Anteilseigner geradezu.

Bloßes Green-Washing betreibt der Siemens-Chef damit freilich nicht. Denn Löscher ist es tatsächlich gelungen, bei grüner Technik weltweit den Spitzenplatz zu erobern. Das zeigt eine exklusive Vergleichsstudie der Unternehmensberatung PA Consulting im Auftrag der WirtschaftsWoche von Siemens mit den wichtigsten industriellen Rivalen General Electric, ABB und Alstom. Wie wichtig Löscher das Thema Umwelt ist, unterstreicht er erneut am Ende seiner Rede. „Die grüne Revolution lohnt sich“,  sagt der Siemens-Chef zu den rund 8000 anwesenden Aktionären. „Sie lohnt sich auch ganz konkret für uns: für grüne Jobs und für Profitabilität, für Wachstum, den Aktienkurs und Rendite.“ Bis 2014 will Siemens den Umsatz des Umweltportfolios von 28 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf 40 Milliarden Euro ausbauen – das entspricht einem jährlichen Wachstum von mehr als zehn Prozent.

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