Hauptversammlung: Siemens steht vor Stellenstreichungen

KommentarHauptversammlung: Siemens steht vor Stellenstreichungen

von Michael Kroker

Noch einmal kann der Industrie- und Elektrokonzern ein vergleichsweise erfolgreiches Quartal verzeichnen. Doch dass Unternehmenschef Peter Löscher jetzt Personal abbauen muss, gibt er selber erstmals zu – nur welche Standorte wie stark betroffen sind, sagt er immer noch nicht.

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Siemens-Gebäude in München

„Das operative Ergebnis im ersten Quartal ist eine erfreuliche Momentaufnahme“, sagte Konzernchef Peter Löscher am frühen Dienstagmorgen in der Münchner Olympiahalle, wo er später am Vormittag auf der Hauptversammlung vor seine Aktionäre treten muss.

Damit hatte er sich freilich auch gezielt einen der wenigen Lichtblicke rausgepickt: Denn operativ erzielte der Münchner Konzern zwischen Oktober und Dezember 2009 einen Gewinn in Höhe von 2,3 Milliarden Euro – ein Plus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr, obwohl gleichzeitig der Umsatz um acht Prozent sank.

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Siemens erwartet Stellenabbau

Der für das künftige Geschäft aussagekräftige Auftragseingang sackte dagegen gleich um 15 Prozent ab – ein wichtiges Indiz dafür, dass sich Siemens, zumindest in manchen seiner Sparten, auch dauerhaft auf ein geringeres Geschäftsniveau einstellen muss. Das sieht inzwischen offenbar auch das Siemens-Management so, denn am Ende seiner kurzen Rede kündigt Löscher dann schnörkellos an, was bereits seit längerem erwartet wurde: „Kapazitätsanpassungen sind unumgänglich.“

Welche Siemens-Divisionen und Standorten genau betroffen sind, wollte Löscher weiterhin nicht sagen. „Das werden wir uns am Donnerstag dieser Woche erst mit dem Betriebsrat besprechen.“ Womit er natürlich auch weiteren Spekulationen Tür und Tor öffnet.

Klar ist nämlich, dass vor allem der Industriesektor von Siemens besonders stark von rückläufigen Aufträgen seiner Großkunden betroffen ist. So sackten die Aufträge der schon im vierten Quartal 2009 besonders stark eingebrochenen Division Industrie-Lösungen erneut um 36 Prozent ab, die Bestellungen bei Antriebstechnik fielen um ein Viertel.

In beiden Bereichen, dass konstatierte sogar Löscher, gebe es „einen erheblichen Überhang von Kapazitäten“. Weil er mittelfristig keine Änderung erwarte („die Krise ist noch nicht vorbei“), gehe es jetzt darum, „sich längerfristig auf ein niedrigeres Marktniveau anzupassen.“

Löschers Salamitaktik

Das heißt auf gut Deutsch: Siemens steht vor Einschnitten, die möglicherweise auch deutlich und schmerzhaft sein werden. Dafür ist der Wegbruch von Neuaufträgen in Teilen des Geschäfts schlicht zu drastisch.

Doch Löscher bleibt weiterhin hartnäckig bei seiner Salamitaktik, die er im Prinzip seit seinem Amtsantritt Mitte 2007 anwendet: Immer nur das ankündigen, was sich nicht mehr vermeiden lässt, und ansonsten alles weitere kleinreden. Immer wieder wird Löscher nach seinem Statement gefragt, wo und in welchem Umfang es nun zu Stellenabbau kommen soll. Und der Siemens-Chef antwortete mantrahaft: „Punktuell und standortbezogen.“

Das soll wohl nach kleinklein klingen – und jeglichen Ruch an ein konzernweites Abbauprogramm, welches er stets ausgeschlossen hatte, im Keim ersticken. Dennoch ist nun noch wahrscheinlicher, dass Siemens in der Summe am Ende des Geschäftsjahres 2010 bis zu 20.000 Mitarbeiter weniger an Bord hat.

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