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Heckler & Koch: "Das tödlichste Unternehmen Deutschlands"

von Rüdiger Kiani-Kress

Von der Bundeswehr bis zum Iran sind die Waffen von Heckler & Koch beliebt. In den letzten Jahren erlebte das Traditionsunternehmen einige Besitzerwechsel, doch mit Ausdauer und Qualität überstand es noch alle Änderungen und Skandale.

Schütze mit Heckler und Koch- Quelle: REUTERS
Schütze mit Heckler und Koch- Pistole Quelle: REUTERS

Ob Schwarzwälder Zwerg oder Stierius-Fahrrad: Auf Produkte aus seiner Heimatstadt Oberndorf ist Bürgermeister Hermann Acker stolz. Nur bei dem bekanntesten Unternehmen der baden-württembergischen Kleinstadt wird er einsilbig. „Die Firma Heckler & Koch tritt unauffällig in Erscheinung“, mehr mag der Politiker zum Waffenfabrikanten nicht sagen.

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Kein Wunder. Kaum ein deutsches Unternehmen ist umstrittener als der Schwarzwälder Schusswaffenstar. Einerseits sind das Gewehr G3 oder die Maschinenpistole MP5 bei Waffennarren, Soldaten und Polizisten beliebt und sorgen für rund 150 Millionen Euro Jahresumsatz. „Heckler & Koch ist eine Premiummarke“, sagt selbst Pieter Wezeman vom Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri.

Bei Gegnern ist HK – wie Insider die Waffenschmiede nennen – das Symbol für gewissenlose Geschäfte. „Angesichts von gut 1,5 Millionen Menschen, die durch HK-Waffen ihr Leben verloren haben, kann man durchaus von Deutschlands tödlichstem Unternehmen sprechen“, sagt der Rüstungskritiker Jürgen Grässlin. Denn trotz aller Ausfuhrverbote landen HK-Gewehre immer wieder in den falschen Händen, etwa bei marodierenden Milizen in der sudanesischen Bürgerkriegsprovinz Darfur.

Unternehmen gibt sich bedeckt

Warum Heckler & Koch trotzdem seit 60 Jahren überlebt, ist für Außenstehende nicht leicht zu erkennen. Das Unternehmen gibt sich extrem zugeknöpft, auch bei eigentlich positiven Aspekten wie Auszeichnungen für den hohen Anteil von Schwerbehinderten im Betrieb.

Einfachste Erklärung für den Erfolg sind der Fokus auf Qualität, die hohe Ausdauer bei der Verbesserung der Waffen sowie die im Ländle übliche Tüftlermentalität auch bei einfachen Beschäftigten, glaubt Grässlin, einer der wenigen mit HK-Insiderkontakten. „Viele Mitarbeiter wollen Deutschland und den Westen sicherer machen und zeigen sich immer wieder geschockt, wenn sie erfahren, dass ihre Waffen in den Händen diktatorischer Regime oder Terroristen zum tödlichen Einsatz kommen“, weiß Grässlin.

Missbrauchte Lizenzen schädigen den Ruf von Heckler & Koch

Die Wurzeln liegen schon vor dem Gründungsjahr 1949. „HK ist quasi ein illegitimes Kind der Firma Mauser“, sagt Michael Brzoska, Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. Bei der Gewehrfabrik arbeiten im Zweiten Weltkrieg Edmund Heckler, Theodor Koch und Alex Seidel an einem neuen Gewehrverschluss, der aber noch nicht serienreif ist.

Als die Mauserwerke nach Kriegsende demontiert werden, beginnen die drei als Heckler & Koch mit Feinmechanik wie Fahrrad- und Nähmaschinenteilen. Als Ex-Mauser-Kollegen Spaniens Diktator Francisco Franco für ein neues Gewehr begeistern, nehmen sie Kontakt zu HK auf, die die Waffe als G3 fertig entwickeln und produzieren.

Es wird Standard bei der Bundeswehr und legal in 80 Staaten geliefert. Das ist HK nicht genug: „Sie haben ungewöhnlich viele Produktionslizenzen vergeben“, sagt Rüstungsexperte Brzoska. Dazu zählten auch Diktaturen wie Iran und Myanmar, die jetzt ohne Lizenz weiter bauen und den HK-Ruf schädigen.

25 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.04.2012, 00:58 UhrAnonymer Benutzer: Jogi

    Es ist schlicht und ergreifend eine Unverfrorenheit, alle,die sich gegen Waffengewalt weigern, pauschal als linke Schweine zu bezeichnen.Was wird da für den Frieden getan, wenn ein Verteidigungsminister die Nato auf den Plan ruft, um Tanklastzüge bombardieren zu lassen? Sprüche wie " Deutschland wird am Hindukusch verteidigt" bin ich echt leid.Wenn das stimmt,was bei "You Tube" betreff WTC 9/11 zu sehen ist, dann hätte man besser die Hände aus diesem schauderhaften, langwierigen Krieg gelassen.
    Krieg ist vom Teufel. Es ist garnichts Gutes dran.
    Es ist doch Augenwischerei zu glauben, dass wir durch den Einsatz dort hier im Land vor Terrorismus verschont bleiben.
    Fanatische Extremisten werden immer kämpfen und fühlen sich durch Deutschlands Aktivitäten im Ausland noch bestärkt. Sie lassen sich durch unsere Handlungen in keiner Weise beeindrucken geschweige denn niederzwingen. Wann gehen den Verblendeten die Augen auf? Und außerdem: Zwei Weltkriege sind zwei zuviel. Deutschlands Verstrickung in einen provozierten Weltenbrand wäre sehr fatal. Das darf doch keinem egal sein!
    Auch habe ich genug von dem viel propagierten Gleichgewicht des Schreckens. Und von manchem Geschwätz über den Erstschlag.

    Ernstzunehmende Wissenschaftler wissen, dass eigentlich schon zwei Kernwaffen von einer Detonationskraft von "nur" 5 Megatonnen TNT ausreichen, die Erde in der Folge durch die Kraft der Sonne zu zerstören. Das ist gewiß nicht im Sinn der Menschheit. Oder heißt es nur:"Nach mir die Sintflut."???
    Ich will gerne noch eine Weile leben. Sie doch auch!?
    Es sollten alle Menschen guten Willens und mit Verstand sich überlegen, ob sie das Kriegshandwerk wirklich fortführen wollen.

    Die Konsequenzen muss jeder selbst ertragen. Fühle sich aber bitte keiner als Märtyrer, wenn er beim Mitmischen im Krieg sein Leben lässt.

    Mit freundlichen Grüßen.

    Der, welcher nur das Gute will und deshalb ermahnt. Jogi




  • 23.12.2010, 11:59 UhrAnonymer Benutzer: zwo

    ...„Angesichts von gut 1,5 Millionen Menschen, die durch HK-Waffen ihr Leben verloren haben... dies sind die einzigen Menschen die durch Leute wie euch ihren Frieden, ungewollt, bekommen haben!

    Profitiert die Welt wirklich davon wenn die Rüstungsindustrie wirtschaftlichen Aufschwung hat?

  • 18.02.2010, 09:35 UhrAnonymer Benutzer: thomas gerster

    ich war in der anfangsphase des afganistanseinsatzes dabei. und meine waffe g36 c und meine kameraden waren das einzige auf das ich mich da unten verlassen konnte.zudem wir materiel und personel schlecht ausgestatten waren.aber von waffen know how kann man uns nichts nachsagen. und wir sind kein pfadfinder verein mehr wir müssen uns internationalen sachen stellen und dazu gehört auch das entsprechende equitment. hk ist ein unternehmen wie jedes andere auch und warum sollen wir als land wo die produktion sitzt nicht auch provitieren.

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