Heideldruck-Vorstandschef Bernhard Schreier im Interview: "Extrem zyklisch"

Heideldruck-Vorstandschef Bernhard Schreier im Interview: "Extrem zyklisch"

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Der Vorstandsvorsitzende der Heidelberger Druckmaschinen AG, Bernhard Schreier

von Lothar Schnitzler

Heideldruck-Vorstandschef Bernhard Schreier über den Druckmaschinenbau in Zeiten des Internets, die Konkurrenz des Digitaldrucks und Fusionen in der Branche.

WirtschaftsWoche: Herr Schreier, wird die deutsche Druckmaschinenindustrie in zehn Jahren noch existieren, oder ist das Internet ihr Ende?

Schreier: Aber sicher werden wir noch existieren. Der Normalbürger denkt bei Print in erster Linie an Bücher und Zeitungen. Heidelberg hat keine Produkte für den Zeitungsdruck im Portfolio. Es gibt daneben aber ein sehr weites Spektrum an anderen Druckerzeugnissen, nämlich Werbung und bedruckte Verpackungen. Hier ist Heidelberg aktiv. Gerade in der Werbung hat sich herausgestellt, dass Druckerzeugnisse in der Kombination mit dem Internet eine hohe Wirkung erzielen. Das bedeutet, dass der Werbedruck, der etwa für die Hälfte des Branchenumsatzes steht, noch lange unverzichtbar bleiben wird. Anders ist es mit der sogenannten Pull-Information, die Nutzer heute zum großen Teil aus dem Netz ziehen. Deshalb leidet zum Beispiel das Geschäft mit Lexika so stark. Da wird Print weiter an Boden verlieren.

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Reichen denn die verbleibenden Bereiche, um Druckern und Druckmaschinenbauern ein auskömmliches Geschäft zu sichern?

Das Druckvolumen für unsere Kunden aus der Druckindustrie ist weltweit jährlich rund 400 Milliarden Euro groß. Daran hat sich in den vergangenen zehn Jahren – abgesehen vom konjunkturellen Auf und Ab – nicht so viel geändert. Natürlich machen uns diese Schwankungen zu schaffen, aber im langfristigen weltweiten Trend kann keine Rede von einem Verschwinden der Drucktechnik sein. Allein der Verpackungsdruckmarkt macht 25 Prozent aus und wächst selbst in den Industrieländern, weil die Verpackungen immer aufwendiger werden. Früher hatte man eine große Verpackung, heute gibt es bei Lebensmitteln immer mehr kleinere Verpackungen in Tagesportionen. Hinzu kommt das Wachstum in den Schwellenländern. In China hat es so gut wie keine Krise gegeben, in Indien ebenfalls nicht. Wir machen dort zurzeit knapp 40 Prozent unseres Umsatzes und wollen weiter zulegen.

Wollen Sie damit sagen, es gibt überhaupt keinen strukturellen Rückgang?

Doch, der Markt für Druckmaschinen verkleinert sich mittelfristig um rund 20 Prozent. Das hat auch mit dem technologischen Fortschritt zu tun, weil die Maschinen in den vergangenen fünf Jahren um 30 bis 40 Prozent leistungsfähiger geworden sind. Und die Krise hat dazu geführt, dass die Druckereien ihre Maschinen einfach ein paar Monate oder auch Jahre länger laufen lassen.

Macht Ihnen nicht auch der Vormarsch des Digitaldrucks Sorgen, der sich aus den Bürokopierern entwickelt hat?

Der Digitaldruck hat Vorteile bei sehr kleinen und individualisierten Auflagen, etwa bei Einladungen mit persönlicher Anrede und Inhalt. Aber er ist deutlich teurer. Wenn ein Druckunternehmen eine Mailingaktion mit 10.000 Exemplaren drucken will, stützt es sich lieber auf die herkömmlichen Verfahren wie Offsetdruck, für den es 0,2 Cent pro Seite zahlt. Beim Digitaldruck gibt es je nach Qualität etwa das 20-Fache aus.

Dennoch wächst der Markt für Digitaldruck zweistellig.

Deshalb wollen wir auch wieder in diesen Markt einsteigen. Etwa zwei Drittel unserer Kunden setzen neben herkömmlichen Druckmaschinen Digitaldruckgeräte ein. Sie können damit kombinierte Druckerzeugnisse erstellen, bei denen beispielsweise der Mantel individualisiert ist, der restliche Teil aber kostengünstig und hochwertig mit klassischen Druckverfahren gedruckt wird. Hier werden wir integrierte Lösungen anbieten. Wir wollen diese Digitalmaschinen aber nicht selbst herstellen, sondern verhandeln mit den Digitaldruckanbietern über Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

Wo liegt dabei der Nutzen für Canon, Hewlett-Packard, Xerox oder Toshiba?

Wir können die Digitaldruckmaschinen in den gesamten Produktionsprozess unserer Kunden integrieren. Dabei haben die Partner den Vorteil unseres weltumspannenden Vertriebs- und Servicenetzes. Wir haben unter den Druckern weltweit einen Bekanntheitsgrad von mehr als 99 Prozent, das wissen die Digitalgerätebauer.

Sie hatten nach der Jahrtausendwende mit Kodak eine Digitalanlage entwickelt, sind aber vor sechs Jahren aus dem Geschäft ausgestiegen. Bereuen Sie das?

Nein. Wir hatten damals nur ein Produkt und hätten in den Folgejahren ein Komplettangebot entwickeln müssen. Das Geschäft lief wegen der Krise in der Druckindustrie schleppend an. Die Entwicklung hätte uns Jahr für Jahr mehr als eine halbe Milliarde Euro gekostet.

Heidelberg hat 2009 einen Verlust von 249 Millionen Euro gemacht. Wie wollen Sie aus den roten Zahlen kommen?

Wir sind dabei, uns von etwa einem Viertel unserer Mitarbeiter zu trennen. Rund 4000 Mitarbeiter haben Heidelberg bereits verlassen. Wir haben unsere Kosten deutlich reduziert und unsere Organisation verändert, stärken die weniger konjunkturabhängigen Bereiche Service, Verkauf von Verbrauchsmaterialien wie Farben und Ersatzteilen sowie das Verpackungsdruckgeschäft. In diesem Geschäftsjahr streben wir an, wieder operativ schwarze Zahlen zu schreiben. Die Konjunktur hilft uns im Moment: In den vergangenen drei Quartalen ist unser Umsatz wie der Auftragseingang jedes Mal gestiegen.

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