Heinrich von Pierer: Ex-Chef von Siemens in der Korruptionsfalle

Heinrich von Pierer: Ex-Chef von Siemens in der Korruptionsfalle

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Wieder beschäftigt sich ein Gericht mit der Aufarbeitung der Siemens-Korruptionsaffäre

von Andreas Wildhagen

Der frühere Siemens-Kommunikationschef Thomas Ganswindt steht ab Donnerstag vor Gericht. Ganswindt hat eine einzige Chance, sich heil aus der Affäre zu ziehen: Er muss seine Ex-Vorgesetzten belasten. Für Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer könnte es brenzlig werden.

Er war Mitglied des Zentralvorstandes von Siemens - finanziell so viel wert wie ein Lottogewinn. Und er war Kronprinz des Chefs - bei Siemens so viel wie ein stellvertretender Papst, wenn das Beispiel erlaubt ist. Thomas Ganswindt hatte bei Siemens einen Höllenjob übernommen: Er sollte ausgerechnet von Grund auf sanieren, was im Konzern Fluch und Segen zugleich war.

Die Telekommunikation war das Aushängeschild des Old-Economy-Unternehmens Siemens, das vor allem mit Industrieautomation und Energietechnik für Kohlekraftwerke sein Geld verdient. Doch der Konzern verlor Geld mit seiner Telekommunikationssparte, die Siemens eigentlich zu einem New Economy-Konzern und zu einem Börsenliebling machen sollte. Ganswindt, ein gelernter Maschinenbauer, griff hart durch. Massenentlassungen setzte er durch und empfahl sich als Mann fürs Grobe erst für Altchef Heinrich v. Pierer - und als nicht er Nachfolger im Chefsessel wurde - für den neuen Mann an der Spitze, Klaus Kleinfeld.

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Drei Punkte werden ab Donnerstag das Gericht und die Schlagzeilen der Zeitungen bestimmen:

1. Was wird Thomas Ganswindt von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen?

Er soll das System schwarzer Kassen, das besonders in seinem Bereich grassierte, geduldet und sogar unterstützt haben. Ganswindt bestreitet das massiv. Die Staatsanwaltschaft will wissen, dass Ganswindt spätestens 2003 erfahren habe, dass große Finanzaufwendungen für Berater im Com-Bereich aufgewendet wurden, ohne klare Zweckbestimmung, die sonst üblich war im Siemens-Konzern. Siemens hat sich mit Ganswindt nicht auf einen Vergleich einigen können.

2. Belastet Ganswindt Heinrich v. Pierer?

Insider aus Kreisen der Rechtsanwälte, die über hundert Siemens-Mitarbeiter gegenüber der vom Aufsichtsrat eingesetzten US-Kanzlei Debevoise&Plimpton verteidigt haben, glauben an eine späte Rache von Ganswindt. Er könnte sich vor Gericht damit rechtfertigen, dass nicht er, aber andere Vorstandsmitglieder, möglicherweise auch der ehemalige Vorstandschef in die auffällig hohen - nach außen hin grundlos wirkenden - Beraterhonorare eingeweiht worden waren und diese billigten.

Davon will Heinrich v. Pierer nichts wissen. Er bestreitet vehement eine Mitwisserschaft und zeigt sich selbst von dem Ausmaß der Korruptionssummen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro überrascht. Bisher konnte v. Pierer nichts nachgewiesen werden. Nach Presseberichten sind aber zwei Mitarbeiter der US-Börsenaufsicht SEC in Deutschland, um Anhaltspunkte für eine Belastung von v. Pierer zu suchen. Das muss nichts heißen, denn möglicherweise finden sie nichts und v. Pierer ist abermals entlastet

3. Droht Siemens-Vorständen eine Klage aus den USA?

Die zwei SEC-Beobachter nehmen auch am Prozess gegen Ganswindt teil. Sie sammeln belastendes Material gegen die anderen Siemens-Vorstände. Das sind vor allem der frühere für Argentinien zuständige Uriel Sharef und der Ex-Finanzchef von Siemens, Heinz-Joachim Neubürger. Aber auch Heinrich v. Pierer, der die von Korruptionszahlungen beeinflusste Bilanz unterschrieb, die auch US-Anleger für ihre Kaufentscheidung für eine Siemens-Aktie bewog, könnte noch in den USA vor den Kadi gezogen werden. Wirklich befreit von dem ständig über ihm schwebenden Generalverdacht, er hätte doch als Konzernchef  etwas wissen müssen, ist er erst, wenn der Ganswindt und möglicherweise der darauf folgende Neubürger-Prozess folgenlos für ihn bleibt.

Knackpunkt der Ermittlungen der SEC ist immer noch, dass es sich um einen derart hohen Betrag handelt - der um ein Drittel höher ist als der Gewinn des profitstarken Siemens-Geschäftsbereichs Industrieautomation. Ein Schmiergeldbetrag in diesem Ausmaß müsste doch auffallen, sagen Kenner. Es gäbe Konzerncontrollings, die für ihre eigenen Arbeitgeber völlig ausschließen, dass derartige schwarze Kassen übersehen werden könnten.

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