Hemdenschneider: Van Laack: Um Knopf und Kragen - Seite 2

Hemdenschneider: Van Laack: Um Knopf und Kragen

2

Sein erster Auftritt vor den Mitarbeitern im Herbst 2002 war ungewöhnlich. Keine Ankündigungen von neuen Entlassungswellen, keine Grausamkeiten, aber auch keine Versprechungen. „Ich habe kein Allheilrezept“, sagte der neue Besitzer auf der Betriebsversammlung, „nur ein paar Ideen, manche werden gehen, manche nicht.“ Eine der ersten Ideen war der Rausschmiss des Vorstandschefs und vier weiterer Führungskräfte. „Damit sparten wir auf einen Schlag eine Million Euro jährlich“, sagt von Daniels, „und brachten das Unternehmen in die schwarzen Zahlen.“ Die Mitarbeiter dagegen schonte er. „Wir hatten uns auf das Schlimmste eingestellt, aber dann kam nichts“, sagt Betriebsratschef Wolfgang Darge. Nicht zuletzt, weil dem neuen Unternehmensherrn nach den Schrumpfkuren seiner Vorgänger nichts anderes übrig blieb als durch Wachstum zu sparen. Von Daniels: „Die bestehende Mannschaft konnten wir nicht mehr verkleinern, weil wir dann für etliche Funktionen die Mindestgröße unterschritten hätten.“ Zweiter Streich war die Verbesserung der Stoffe. Das alte Management hatte an den Textilien gespart. Eine Fehlentscheidung. „Das Herz eines guten Hemdes ist der Stoff“, sagt von Daniels, „wenn der nicht stimmt, nützt die beste Verarbeitung nichts.“ Auch heute testet er jeden Stoff, lässt Musterhemden daraus fertigen, wäscht, bügelt und trägt die Hemden, um ein Gefühl für das Gewebe zu bekommen. Im Luxushemdengeschäft gibt es fünf italienische Weber, die den Ton angeben. „Mit denen habe ich verhandelt, bis ich den Exklusivzugriff auf die von mir ausgewählten Stoffe hatte.“ Heute verwendet van Laack für Blusen und Hemden nur noch Garn, bei dem 100 Meter Länge höchstens ein Gramm wiegt, sogenanntes 100er-Garn, im Extremfall sogar 240er-Garn. Bevor von Daniels den Einkauf umkrempelte, wurden van-Laack-Hemden aus den billigeren 50er- oder 70er-Garnen hergestellt. Die Einkäufer waren begeistert. „Ich spürte gleich, dass da jemand mit Leidenschaft für Qualität hinter steht“, sagt Modehändler Sauer. Die Bestellungen zogen an. Die neuen Hemden waren nicht nur edler im Gewebe, sondern auch jünger, bunter, schlanker geschnitten. „Die Marke war zuletzt sehr betulich geworden“, sagt von Daniels, „und hatte sich auf die Bedürfnisse gestandener Damen und Herren verengt.“ Trotz der Verjüngung hat von Daniels den Preis angehoben. Statt 80 bis 150 Euro kosten die Hemden heute 90 bis 200 Euro.

Bildergalerie: Accessoires bei Männern sind ein heikles Thema. Auch hier gilt: Dezent geht vor!

Zudem investierte van Laack in ein neues Ladenkonzept: Klar gegliederte Räume mit transparenten Schubladen, die den Objekten eine Bühne geben. Heute betreibt van Laack neun eigene Läden, etwa 40 Geschäfte mit Franchisenehmern und fast 100 abgetrennte Flächen in Kaufhäusern, sogenannte Shop-in-Shops – eine Strategie, die bei Fachhändlern gelegentlich Unmut erzeugt. Sauer: „Man sollte nicht in Konkurrenz zu den eigenen Kunden treten.“ Zugleich treibt von Daniels die Internationalisierung voran. 2002 kamen über zwei Drittel der Einnahmen aus Deutschland. Heute ist es weniger als die Hälfte. Soeben hat der erste Shop in Singapur aufgemacht – Auftakt für mehr als zehn weitere Läden in Asien in den kommenden zwölf Monaten. Bisher ist van Laack außerhalb Hongkongs in China kaum mit eigenen Boutiquen vertreten. Auch Indien fehlt. Van Laack fertigt fast nur in eigenen Werken in Tunesien, Vietnam und Indonesien. Zu von Daniels’ ersten Entscheidungen gehörte der Ausbau des vietnamesischen Joint Ventures. Heute gehört das Werk in einem Bau im französischen Kolonialstil komplett van Laack. Kleinere Lose sowie Muster produziert der Hemdenschneider auch in Mönchengladbach. Ein Ende der Expansion ist für von Daniels nicht in Sicht: „Daran denke ich erst, wenn die ersten van-Laack-Boutiquen im ewigen Eis eröffnet sind.“

weitere Fotostrecken

Blogs

Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert
Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert

In einer internen Videobotschaft an die HP-Beschäftigten gibt Meg Whitman mehr Details zu dem geplanten Abbau von 27.000...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.