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Hemdenschneider: Van Laack: Um Knopf und Kragen

von lothar.schnitzler@wiwo.de

Christian von Daniels hat den Hemdenschneider van Laack aus der Krise geführt und die Marke verjüngt. Nun will er weltweit expandieren.

Der gebürtige Ostwestfale sitzt in seinem verglasten Büro im Erdgeschoss der van-Laack-Zentrale, einem transparenten Bau ganz im Stil der Neuen Sachlichkeit. Zufrieden sieht der Chef aus. Christian von Daniels trägt ein Hemd aus eigener Produktion, ein extrem feines Garn, dunkelblau, der Kragen weiß abgesetzt. Soeben hat er einen Anruf von seinem Repräsentanten aus New York bekommen. Der Mietvertrag für die Boutique an der Madison Avenue ist in trockenen Tüchern. Im September wird der Laden eröffnet. „Ein weißer Fleck weniger“, sagt Daniels. In den kommenden zwei bis drei Jahren will von Daniels an der Ostküste 15 van-Laack-Boutiquen aufmachen. Die Krise der vergangenen Jahre ist vergessen: Heute strahlt das 1881 gegründete Edellabel wieder wie zu seinen besten Zeiten. Im Moskauer Kaufhaus Gum liegen die Hemden, Blusen und Krawatten des Mönchengladbacher Modeherstellers ebenso wie im Londoner Luxuskaufhaus Harrods. Fast 50 Boutiquen weltweit führen nur van Laack. „Unsere Umsätze steigen zweistellig“, sagt von Daniels. 2002 hat der Kölner Textilunternehmer den angeschlagenen Hemdennäher übernommen. „Eine Entscheidung, die ich nicht bereut habe.“ Die Umsatzmarge (Ebit) lag im Geschäftsjahr 2006/07 (30. April) bei 15 Prozent, die Eigenkapitalrendite vor Steuern über 60 Prozent. In die Krise war das Unternehmen in den Neunzigerjahren gerutscht. Der damalige Investor Stefan Quandt hatte ein großes Rad gedreht. Die 125 Jahre alte Hemdenmarke van Laack zu einer Vollkollektion ausgebaut. Schicke Boutiquen in Top-Lagen eröffnet. Und einen zweistelligen Millionenbetrag für Marketing ausgeben. Doch die Einkäufer der großen Ketten winkten ab. Und in den schicken Läden langweilten sich die Verkäufer. Gut drei Jahre lang durfte der damalige van-Laack-Chef Rolf Schümann im Auftrag von Quandts Beteiligungsgesellschaft Delton klotzen. Zur Jahrtausendwende zog Quandt die Notbremse. Er schickte Schümann in die Wüste, ließ Läden in den teuren Lagen schließen, die Marke zu einem Hemdenschneider zurückstutzen und die Mannschaft verkleinern. 2001 kam van Laack, wenn auch knapp, aus den roten Zahlen heraus – doch Delton hatte Geld verloren und die einstige Luxusmarke ihren Glanz. Der Umsatz war von umgerechnet rund 45 Millionen Euro Mitte der Neunzigerjahre auf 31 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2002/03 gefallen. Die Qualität der Hemden war nicht mehr das, was die Werbung versprach. „Man hatte die Kosten zulasten der Qualität gesenkt“, sagt Hans Sauer, geschäftsführender Gesellschafter des Kölner Nobelfachgeschäfts Sauer, „und zwar spürbar.“ Eine Marke im Niedergang.

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An deren Sanierung wagte sich dann 2002 von Daniels. Freunde und Branchenkenner warnten ihn vor dem Kauf. Der deutsche Modemarkt lag seit fast zehn Jahren im Abwärtstrend. So auch bei van Laack. Im ersten Geschäftsjahr nach der Übernahme sackte der Umsatz um mehr als 20 Prozent nach unten. Von Daniels, dem 51 Prozent des Unternehmens gehören, ließ sich nicht abschrecken. Ebenso wenig sein stiller Gesellschafter, ein Freund aus Internatstagen und Fondsmanager, der in der Schweiz lebt. „Die Delton-Manager hatten mir reichlich Gelegenheit gegeben, die Zahlen zu prüfen“, sagt von Daniels, „ich wusste, worauf ich mich einließ.“ Der Spross einer aristokratischen Agrarfamilie war kein Branchenneuling. Schon als 22-jähriger BWL-Student in Münster importierte er von seiner Studentenbude aus Maßhemden aus Hongkong. „Von dem ersten Geld habe ich mir für 13.600 Mark einen Golf GTI gekauft“, erinnert er sich. Wenige Jahre später gründete er mit Michael von Korff im Kölner Villenviertel Marienburg einen Modeladen. Heute laufen unter dem Namen Daniels & Korff acht Boutiquen zwischen Sylt und München. 1984 stieg von Daniels aus und baute im rheinischen Frechen seine eigenen Modemarke einschließlich Einzelhandel aus. Mitte der Neunzigerjahre übernahm er Lizenzen der englischen Top-Marke Burberry für Damenblusen für die deutschsprachigen Länder. Die liefen vor fünf Jahren aus. Die Arbeit für sein Unternehmen, dessen Tagesgeschäfte heute sein Bruder managt, schien ihn nicht auszulasten. „Ich hatte die Wahl, als Privatier zu leben oder es noch einmal zu versuchen“, sagt von Daniels. Das Angebot van Laack zu übernehmen, kam gerade recht.

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