Hermès-Chef Patrick Thomas im Interview: "Vieles ist Psychologie"

Hermès-Chef Patrick Thomas im Interview: "Vieles ist Psychologie"

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Patrick Thomas (AP Photo/Katsumi Kasahara)

Hermès-Chef Patrick Thomas steht zu seiner langfristigen Strategie und will nicht in Pessimismus verfallen.

WirtschaftsWoche: Monsieur Thomas, 2008 waren die Umsatzzahlen von Hermès gut, aber in diesem Jahr könnten die Gewinne sinken. Seit wann spüren Sie die Krise?

Thomas: Wir spüren die Auswirkungen seit sechs Monaten, aber in unseren Geschäften zeigt sich das erst seit drei Monaten, jedoch in abgeschwächter Form. Unser Umsatz ist im vierten Quartal sogar noch um sechs Prozent gestiegen. Wir haben im Weihnachtsgeschäft gut verkauft.

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Welche Ihrer Aktivitäten leiden besonders unter der Krise?

Das Uhrengeschäft. Es gibt jedoch spezifische Gründe dafür. Wir haben unser Händlernetz in Japan um 50 Prozent reduziert. Das hat aber nichts mit der Krise zu tun, sondern das haben wir bereits vor zwei Jahren beschlossen. Im Schmucksektor gibt es aber psychologische Auswirkungen der Krise, denn diese Produkte sind teuer: Die Leute warten lieber ab. Es ist aber auch eine Frage der Zugänglichkeit. Unsere Geschäfte sind offen für jedermann. Hermès ist kein Luxushaus, sondern ein handwerklicher Betrieb. Wir haben viele Produkte im Sortiment, die weniger als 100 Euro kosten. Jeder findet hier etwas.

Wer sind Ihre Kunden?

Wir sind kein Unternehmen, das auf Show-Effekte setzt. Unsere Kunden legen Wert auf Materialien, die lange halten, Qualität, die Vorzüglichkeit von Produkten, natürliche Materialien.

Aber Sie selbst schließen ja nicht aus, dass Ihre Ertragskraft in diesem Jahr leiden könnte. Wie reagieren Sie darauf?

Wir ändern unsere langfristige Strategie nicht. Und wir reduzieren unsere Investitionen nicht. Wir werden weiterhin neue Geschäfte eröffnen und alte renovieren, ungefähr 20 pro Jahr. Wir wollen unser Verkaufsnetz kontrollieren und unser Savoir-faire beherrschen. Finanziell gesehen sind wir sehr stabil. Unsere Ertragskraft ist sehr hoch, und wir verfügen über eine ausreichende Liquidität. Hermès hat außerdem keine Schulden. Dennoch wird es vorübergehend Einsparungen geben. Wir wollen unsere Kosten vor allem in der Verwaltung senken.

Wann könnte die Branche denn wieder wachsen?

Wir haben keine klare Sicht derzeit, aber die Situation ist nicht so schlecht. In unseren Geschäften wird jedenfalls gekauft, und es gibt auch erste ermutigende Zeichen von den Immobilienmärkten. China setzt seine Entwicklung weiter fort, und in Deutschland verkaufen wir gut. Es ist sicherlich die härteste Krise, die ich erlebt habe, aber es gibt keinen Grund, in einen extremen Pessimismus zu verfallen. Man muss aufpassen, denn vieles ist Psychologie. Ein sehr großer Teil dessen, was wir erleben, ist nichts anderes als selbsterfüllende Prophezeiung.

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