Hewlett-Packard: Wetten gegen den verrückten Deutschen

Hewlett-Packard: Wetten gegen den verrückten Deutschen

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Hewlett Packard Company CEO Leo Apotheker speaks during a news conference in San Francisco, Monday, March 14, 2011. (Foto:AP/dapd)

von Matthias Hohensee

Zu spät, zu radikal, zu rücksichtslos – Konzernchef Léo Apotheker steht mit ‧seinen Totalumbauplänen unverändert im Feuer der Kritik. Wie lange kann er sich halten?

Mitarbeiter und Aktionäre des amerikanischen IT-Riesen Hewlett- Packard (HP) sind Kummer mit ihren Chefs gewohnt. Erst schädigte die schneidige Carly Fiorina Eigentümer und Belegschaft, indem sie den Wettbewerber Compaq übernahm und HP zum größten PC-Hersteller trimmte – 15 000 Jobs fielen weg, und der Unternehmenswert halbierte sich fast. Dann rasierte der kaltschnäuzige Technokrat Mark Hurd, der lieber Verkäufer als Ingenieure einstellte, den Forschungsetat und minderte so die Innovationskraft.

Jetzt hält Léo Apotheker, der seit November 2010 das Zepter führt, den Blutdruck beim umsatzstärksten IT-Konzern oben. Der Ex-Chef des deutschen Softwarekonzerns SAP gilt bei vielen in der Zentrale in Palo Alto nur noch als der „verrückte Deutsche“. Die Wetten in der IT-Hochburg Silicon Valley gehen inzwischen mehrheitlich in Richtung Ende mit Schrecken. Einiges deutet daraufhin, dass Apotheker möglicherweise vor der kürzesten Amtszeit steht, die ein HP-Vorstandschef je hatte.

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Undenkbarer Vorschlag

Vergeblich versuchte der polyglotte Aachener in der vergangenen Woche mit persönlichen Auftritten die Skepsis der Großaktionäre gegenüber seiner Strategie zu zerstreuen, den Konzern total umzubauen:

 Die Idee, eventuell aus der Position des Weltmarktführers aus der umsatzstärksten Konzernsparte auszusteigen, dem Computergeschäft, wirkte wie der undenkbare Vorschlag, General Motors solle am besten keine Autos mehr bauen. Und das ohne einen potenziellen Käufer in der Hinterhand zu haben, so wie 2005 der Wettbewerber IBM beim Verkauf seiner PC-Sparte an das chinesische Unternehmen Lenovo.  Mit dem Vorschlag nur sieben Wochen nach der Markteinführung eines eigenen Tablet-Rechners, aus dem wachstumsstarken Markt wieder auszusteigen, machte Apotheker seinen fähigsten und von der Konkurrenz heiß umworbenen HP-Manager, PC-Chef Todd Bradley, zum Gespött.

Keim für Unmut

Einen ersten Keim für Unmut unter den Aktionären hatte Apotheker schon im Frühjahr gelegt. Er überraschte auf einer Strategiekonferenz mit der Ankündigung, nicht nur Hardware zu verkaufen, sondern künftig auch Cloud-Computing-Dienstleistungen anzubieten, also eigene Infrastruktur für Computerprogramme aus dem Internet zu betreiben. Konkurrenten wie der Chef des US-Speicherherstellers EMC Joe Tucci sehen darin eine Art Tabubruch, dass Hardwarehersteller im Revier ihrer Abnehmer, der Softwareschmieden und Online-Häuser, wildern: „Ich trete doch nicht gegen meine eigenen Kunden an.“

Selten scharf fallen die Urteile von Experten über Apothekers Kurs aus. „Wir sind besorgt, dass HP zu viele Dinge auf einmal versucht“, kritisiert Softwareanalyst Shaw Wu vom Investmentberatungsunternehmen Sterne, Agee & Leach in San Francisco. Toni Sacconaghi, bekannter High-Tech-Analyst des einflussreichen Investmentberaters Sanford Bernstein, warnt bereits unverhohlen: „Wenn sich die HP-Zahlen nicht schnell verbessern, könnte die Führung ausgetauscht werden.“

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