HHLA-Chef Klaus-Dieter Peters im Interview: "Tempo rausnehmen"

HHLA-Chef Klaus-Dieter Peters im Interview: "Tempo rausnehmen"

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Klaus-Dieter Peters leitet den Hamburger Hafenbetreiber HHLA

Klaus-Dieter Peters leitet den Hamburger Hafenbetreiber HHLA. Obwohl der Gewinn des MDax-Konzerns wächst, bremst er bei den Investitionen.

WirtschaftsWoche: Herr Peters, in Asien und selbst in Hamburg bleiben Container im Hafen, weil Kunden keine Handelskredite bekommen, um sie abzuholen. Legt die Finanzkrise den Welthandel lahm?

Klaus-Dieter Peters: Wir sehen derzeit eine Delle im Wachstum des Welthandels – aber auch in Zukunft werden wir in Deutschland unsere Hemden überwiegend nicht selber nähen. Und wenn China mit einem Konjunkturprogramm die Binnennachfrage ankurbelt, wird die Wirtschaft dort irgendwann auch mehr importieren. In unserer Planung bis 2015 gehen wir nach wie vor davon aus, dass unser Containerumschlag pro Jahr um durchschnittlich neun Prozent wächst. In den vergangenen Jahren lagen wir mit einem deutlich zweistelligen Wachstum immer über diesem Durchschnittswert, so- dass uns die aktuell nachlassende Dynamik zurück in den Zielkorridor führt. Um dieses Wachstum zu bewältigen, müssen wir Engpässe beseitigen – nicht nur im Hafen, sondern vor allem auch bei der Infrastruktur, zum Beispiel dem Schienen- und Straßennetz.

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Wie stark trifft der weltweite Wirtschaftsabschwung die HHLA?

Wir mussten uns bereits in der ersten Jahreshälfte mit einigen Sondereffekten auseinandersetzen: Wegen des harten Winters in China kam viel Saisonware gar nicht mehr in die Häfen. Außerdem belasteten die starke Aufwertung der chinesischen Währung und Produktionseinschränkungen bei den Olympischen Spielen die chinesischen Exporte. Dazu kam ab Jahresmitte das Übergreifen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft. Trotzdem haben wir uns in einem schwierigen Umfeld in den ersten neun Monaten gut geschlagen und den Umsatz um über 15 Prozent auf mehr als eine Milliarde Euro gesteigert. Unser Ebit, also der Gewinn vor Zinsen und Steuern, wuchs um 31,6 Prozent auf 288,6 Millionen Euro.

Das Konjunkturprogramm der Bundesregierung bringt zusätzlich eine Milliarde für Infrastruktur pro Jahr. Reicht das vorerst aus?

Ich appelliere an die Verantwortlichen, jetzt mehr in das Schienennetz und die weitere Infrastruktur zu investieren. Die bisherigen Pläne sind nicht ausreichend. Ein zweistelliger Milliardenbetrag ist nötig, um die Häfen in den kommenden Jahren an das Hinterland anzubinden. Jetzt haben wir die Chance, durch ein größeres Konjunkturprogramm die Kluft zwischen Bedarf und Investitionen zu verringern. Jede Milliarde, die hier investiert wird, ist sinnvoll angelegt.

Obwohl die Krise den Welthandel bremst?

Der Internationale Währungsfonds hat die Prognose für das globale Wirtschaftswachstum für das Jahr 2009 auf 2,2 Prozent gesenkt. Der weltweite Containerumschlag ist in den vergangenen Jahren in der Regel um das 2,5- bis Dreifache des Wirtschaftswachstums gestiegen. Unsere entscheidenden Märkte sind Fernost sowie Zentral- und Osteuropa, dort ist das Wachstum noch deutlich stärker.

Was ist Ihre Prognose für das kommende Jahr?

Es ist noch zu früh, um eine belastbare Prognose abzugeben. Ich gehe aber von einer deutlichen Abschwächung des Wachstums beim Containerumschlag aus, jedoch nicht von einem Weltuntergang. Für 2008 halten wir an unserer Prognose fest und sehen bei 1,3 Milliarden Euro Umsatz ein Betriebsergebnis zwischen 320 und 350 Millionen Euro.

Allerdings haben Sie Investitionen verschoben und statt 380 nur 300 Millionen Euro investiert. Bleiben Sie im kommenden Jahr trotz der Krise bei den angekündigten 375 Millionen Euro?

Wir werden im nächsten Jahr zweifellos eine schwierige Phase durchmachen. Ich setze auch nicht auf eine schnelle Erholung, sondern vor allem auf unsere Flexibilität. Unser ehrgeiziges Ausbauprogramm hat eine hohe Skalierbarkeit: Wir können auf niedrigere Wachstumsraten reagieren. Unsere langfristigen Investitionen laufen dabei weiter. Beim kurzfristigen Kapazitätsausbau können wir Tempo herausnehmen. Denn wir bauen nicht auf der grünen Wiese, sondern erweitern bestehende Terminals. Bei uns steht kein halbfertiger Terminal, der nur Kosten verursacht, wenn wir den Ausbau bremsen.

2008 wuchs der Containerumschlag nur um 4,9 Prozent. Dennoch stieg Ihr Umsatz zweistellig. Wie kann das sein?

Beim Containergeschäft lässt die Wachstumsdynamik nach, aber die Qualität steigt: Wir haben zum Beispiel weniger leere Container und transportieren auf immer längeren Strecken in das Hinterland. Das Intermodalgeschäft, also der Transport zwischen den Häfen und den europäischen Märkten, wuchs in den ersten neun Monaten 2008 um rund 15 Prozent. Außerdem haben wir die Produktivität gesteigert – auch weil durch das geringere Wachstum etwas Druck von den Terminals genommen wurde, die zuvor mit einer Auslastung von 110 und 120 Prozent gearbeitet haben, was die Arbeitsabläufe erschwert hat in den vergangenen Jahren, als der Containerumschlag deutlich zweistellig gewachsen ist. Wir konnten dieses Wachstum nur unter größten Schwierigkeiten bewältigen. Weil wir die Kapazität auf unseren Terminals bei vollem Betrieb erhöhen – das ist wie eine Operation am offenen Herzen – haben wir für 2008 mit einstelligen Wachstumsraten geplant.

Die Reeder leiden unter Überkapazitäten. Werden Sie trotzdem 2009 wie im laufenden Jahr Preiserhöhungen durchsetzen können?

Wir rechnen auch im kommenden Jahr mit soliden Erträgen. Ein Großteil unserer Preise ist für das kommende Jahr durch Verträge abgesichert.

Hat die HHLA selbst ausreichend Liquidität?

Ja, unsere Bilanzstruktur ist konservativ und solide. Bei unserem Börsengang vor einem Jahr haben wir uns dafür noch verteidigen müssen. Jetzt ist gerade das ein entscheidender Vorteil. Die benötigten Mittel für die Investitionen 2008 stammen ausschließlich aus dem Kapitalfluss und aus unseren Liquiditätsreserven.

Das hilft der Aktie bislang wenig: Sie lag zuletzt bei 25 Euro. Wann steigt der Kurs wieder über den Emissionspreis von 53 Euro?

Mit dem Geschäft seit dem Börsengang bin ich sehr zufrieden – aber natürlich nicht mit der Kursentwicklung. Den Börsengang haben wir noch in einem guten Umfeld gemacht. Danach wurden wir mit einer tiefgreifenden Krise konfrontiert.

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