High-Tech: Schott leidet unter Versorgungsengpass

High-Tech: Schott leidet unter Versorgungsengpass

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Hans-Joachim Konz, Schott: China will mit seinem Quasi-Monopol bei High-Tech-Metallen möglichst viele Produkte im eigenen Land herstellen

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die Konzentration der Anbieter und hohe Ausfuhrzölle gefährden beim High-Tech-Konzern Schott die Versorgung mit seltenen Erden.

Für Hans-Joachim Konz beginnen Probleme meist am Telefon. „Beim Lanthanoxid könnte es bald wieder eng werden“, sagt der Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung. Also legen Konz und der Einkauf los: Sie suchen neue Lieferanten, neue Quellen, forschen nach Ersatz.

Konz ist Vorstandsmitglied beim Technologiekonzern Schott in Mainz und Lanthan ein Metall der seltenen -Erden, von denen es insgesamt 17 verschiedene gibt. Schott benötigt solche Metalle für seine hochbrechenden Kameralinsen. „Viele denken, in Zeiten der Globalisierung sollte ein Unternehmen doch immer irgendwo seltene Erd-Oxide auftreiben können“, sagt Konz. Doch es kommt immer wieder vor, dass un-verzichtbare Metalloxide knapp werden. „Wenn das länger anhält“, sagt Konz, „ist das für uns als High-Tech-Unternehmen kritisch.“

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Macht der Minen ist bei Lanthan und seltenden Erden hoch

Die Ursache für den drohenden Mangel ist die wachsende Macht der Hersteller. „Bei immer mehr Stoffen gibt es so wenige Produzenten, dass die das Angebot zumindest teilweise kontrollieren können“, sagt Armin Schmiedeberg, Rohstoffspezialist der Unternehmensberatung Bain. So stammen rund 70 Prozent des weltweiten Eisenerzes von den drei Bergbaufirmen Vale aus Brasilien sowie den britisch-australischen Konzernen Rio Tinto und BHP Billiton.

Nirgends aber ist die Macht der Minen so hoch wie bei Lanthan und den seltenen Erden, wo chinesische Staatsunternehmen bis zu 97 Prozent des weltweiten Bedarfs decken. Die Metalle mit Namen wie Praseodym, Ytterbium oder Dysprosium sind nicht nur selten, sondern mit bis zu 8000 Dollar pro Kilogramm auch ziemlich teuer.

Grafik: Lanthanpreise

Grafik: Lanthanpreise

Die Konsequenzen der Machtballung sind dramatisch. Konzerne wie Schott benötigen seltene Erden für High-Tech-Produkte wie MP3-Spieler, und Präzisionslaser. Wie das Edelsalz Fleur de Sel in der Sterneküche, so geben Lanthan und Co. in Minidosen bestimmten Materialien den entscheidenden Kick. Schott fertigt mit einer -Prise Lan-than im Glas Fotolinsen höchster Brechkraft, ohne die es keine flachen Kamerahandys und Fotoapparate gäbe.

Das ist Konkurrenten aus Fernost ein Dorn im Auge, die Handys oder Solarzellen gern selber bauen wollen. Der dortige Staat unterstützt die Unternehmen, indem er Exportzölle auf Metalle wie Lanthan erhebt. Die ständig wechselnden Aufschläge von bis zu 85 Prozent verteuern die Fertigung in Europa, bis die Vorteile der höheren Produktivität weg sind. Wenn das nicht hilft, verknappen die Chinesen immer wieder das Angebot für ausländische Unternehmen.

„Müssen wir Rohstoffe auf Dauer teuerer einkaufen als Wettbewerber aus China oder wird am Ende die Versorgung unsicher, können wir manche Produkte nicht mehr fertigen“, sagt Konz. „Aber noch kommen wir klar.“ Konz hat sich für Notfälle alternative Quellen gesichert. Zudem arbeiten seine Materialwissenschaftler daran, mit Verbesserungen den Kostenvorteil zu sichern und Rohstoffe mit mehr Anbietern zu nutzen. „Aber das wird immer schwerer“, sagt Konz.

Der Schott-Manager wünscht sich -politische Rückendeckung, etwa indem die Regierungen den Missbrauch marktbeherrschender Stellungen bekämpfen. Dazu fordern Unternehmensverbände, dass Kartellbehörden Fusionen genauer prüfen. „Falls sich die Fusionswelle der Jahre 2005 bis 2008 fortsetzt, wird es eng“, sagt Armin Schmiedeberg, Partner der Beratung Bain & Company.

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