"Hindenburg"-Produzent Nico Hofmann: "Es gibt eine eigene RTL-Dramaturgie"

"Hindenburg"-Produzent Nico Hofmann: "Es gibt eine eigene RTL-Dramaturgie"

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Hofmann

von Peter Steinkirchner

Der millionenteure Katastrophenfilm "Hindenburg" soll zu einem Fernsehereignis werden. Der TV-Produzent Nico Hofmann erklärt, wie sich Produktionen für RTL von ARD-Filmen unterscheiden und wie er die Zukunft des Fernsehens sieht.

WirtschaftsWoche: Herr Hofmann, kommende Woche zeigt RTL als einen seiner Programm-Höhepunkte Ihren Film-Zweiteiler "Hindenburg" über die Katastrophenfahrt des deutschen Luftschiffes 1937. Ist das Thema nicht eine olle Kamelle?

Hofmann: "King Kong" ist auch einige Male verfilmt worden und fasziniert Kinogänger bis heute. Der Brand der "Hindenburg" ist wieder etwas ganz anderes, dieses Drama ist für das Fernsehen noch nie in diesem Maßstab inszeniert worden. "Hindenburg" ist mit Kosten von über zehn Millionen Euro die teuerste TV-Produktion, die Teamworx bislang gestemmt hat. Wir haben zusammen mit RTL alles dafür getan, dass der Film ein Erfolg wird – das fängt schon beim Sendetermin an.

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Wie das?

Der Februar ist ideal für unseren Film. Das Wetter ist garantiert schlecht, und der Fernsehkonsum liegt bis zu 50 Prozent über dem im Sommer. Ich liebe die Monate Februar und März – wir haben alle großen Quotenerfolge wie "Dresden" oder "Die Flucht" in dieser Zeit platziert. Außerdem ist "Hindenburg" ganz klar für den deutschen Markt konzeptioniert und sehr stark auf RTL zugeschnitten.

Woran merkt der Zuschauer das?

Es gibt eine eigene RTL-Dramaturgie – der Film hält den Zuschauer in einer Art Dauererregung, indem wir emotionale Kurven sehr präzise über zweimal 90 Minuten verteilt haben. Hätten wir den Film für das öffentlich-rechtliche Fernsehen gemacht, sähe er ganz anders aus – der ARD-Zuschauer ist im Schnitt älter und schaut langsamer. Neben der RTL-Version gibt es von "Hindenburg" eine englischsprachige Fassung, die ganz klar auf den Weltmarkt zielt.

Rechnet sich "Hindenburg" nur, weil Sie die Rechte auch ins Ausland verkaufen?

Nein, wir machen die Basisfinanzierung bei allen Projekten immer in Deutschland, der Film muss sich nach der ersten Ausstrahlung schon hier für uns rechnen. Den größten Beitrag hat RTL mit über fünf Millionen Euro geleistet. Aus dem Weltvertrieb rechnen wir mit mehr als zwei Millionen Euro. Daneben steckt mit über zwei Millionen Euro auch Geld aus der Filmförderung in dem Projekt.

Steuergelder für einen Film über ein verbranntes Luftschiff, muss das sein?

Wir geben im Zuge einer Produktion bis zum Dreifachen der Fördersumme wieder aus und zahlen die Beträge auch wieder zurück – Förderung ist in unserem Fall keine Einbahnstraße. Darauf können sich unsere Partner verlassen, wir haben uns in den vergangenen zehn Jahren zum europäischen Marktführer für diese Art von Event-Fernsehen entwickelt. Wir haben jedes Jahr zwei bis drei große Produktionen auf die Beine gestellt – nehmen Sie "Dresden", "Der Tunnel" oder den RTL-Erfolg "Der Vulkan". Diese Filme verkaufen wir im Schnitt in 70 bis 100 Länder. Das ist ein sehr lukratives Geschäft.

Ein Geschäft, so scheint es, das immer höhere Summen verlangt?

Im Genre der Event-Movies müssen Sie mittlerweile in der Fernsehproduktion auf ein Niveau kommen wie Kinoproduktionen in den USA. "Hindenburg" ist bei den Spezialeffekten absolut auf Hollywood-Niveau. Was heutzutage verlangt wird, kann man bei Roland Emmerich im Kino sehen…

...der deutsche Hollywood-Regisseur, der es bei Straßenfegern wie "Independence Day" gern mal richtig krachen lässt.

Emmerich war so begeistert von den Lavaströmen und herumfliegenden Steinbrocken in "Vulkan", dass er die gleiche Special-Effects-Firma auch für seinen Film "2012" eingespannt hat.

Lohnt sich die Produktion fürs TV überhaupt – warum machen Sie aus "Hindenburg" nicht gleich einen Kinofilm?

Das liegt schlicht daran, woher das Geld kommt – in diesem Fall von RTL. Wir sind eine Manufaktur, wer uns beauftragt, bekommt genau den Film, den er für sein Programm und seine Zuschauer passgenau einsetzen kann.

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