Hintergrund: Eine Pleite der IKB wäre teuer

Hintergrund: Eine Pleite der IKB wäre teuer

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Wolken ziehen über das Gebäude der IKB in Düsseldorf.

Bei der Pleite einer einzelnen Bank sind nur Gelder von Sparern sicher. Aktionäre und Anleihenbesitzer verlieren selbst dann, wenn die IKB nachhaltig gerettet wäre.

Chancen effektiv nutzen, Risiken analysieren und professionell managen – mit diesem Slogan umwirbt die Düsseldorfer IKB Bank ihre Kunden. In ihrem Kerngeschäft, der Mittelstandsfinanzierung, haben Mitarbeiter der Bank das erfolgreich geschafft. Für Ex-Vorstandschef Stefan Ortseifen, der das Geschäft mit riskanten, außerhalb der Bilanz getätigten Investitionen von 15 Milliarden Euro vorantrieb, galten diese Maßstäbe offenbar nicht. Rund acht Milliarden Euro haben die Ausflüge des mittlerweile komfortabel fürs eigene Alter abgesicherten Bankers gekostet – zum Teil den Steuerzahler, zum Teil die privaten Banken.

Diese stützen die IKB nicht ohne Eigennutz. Denn neben den außerbilanziellen Verpflichtungen von ursprünglich 15 Milliarden Euro stehen bei der IKB alles in allem theoretisch noch 53 Milliarden Euro auf der Kippe – so hoch war zuletzt die gesamte Bilanzsumme. 13,8 Milliarden Euro davon schuldet die IKB anderen Banken, weitere 28,5 Milliarden Euro an Anleiheschulden liegen in Bankendepots und Privatportfolios.

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Geht eine Bank pleite, gibt es viele Verlierer. Denn die Anlagen und Einlagen sind meist nicht oder nur wenig geschützt. Sicher sind lediglich Spar-, Giro- und Festgeldeinlagen. Dafür trägt der 1976 nach der Pleite der Kölner Herstatt-Bank gegründete Einlagensicherungsfonds der Banken Sorge. Er sichert je Kunde 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals einer Bank ab. Dieses wird – orientiert am Bilanzkapital – über eine komplizierte Formel berechnet. Beispiel IKB: Per Ende vergangener Woche waren exakt 662,25 Millionen Euro an Einlagen abgesichert – je Kunde!

So viel Geld dürfte niemand bei der IKB geparkt haben, auch wenn die Hauptkunden wie zum Beispiel Versicherungen potent sind. Viel düsterer sieht es bei Inhabern von besicherten Kreditforderungen und Anleihen aus. Die IKB hat 300 Anleihen im Umlauf. Je nach Besicherung und Laufzeit notieren die Kurse zwischen 80 und 100 Prozent – das signalisiert die Hoffnung auf eine geordnete Rückzahlung. Aber wenn nicht?

„Wie viel bei einer Pleite übrig bleibt, hängt immer davon ab, wie viel Vermögen sich noch bei einer Bank nach einer Insolvenz findet“, so Oliver Piquardt, Rentenanalyst bei der DZ Bank. Sobald ein Insolvenzverfahren eröffnet ist, darf eine Bank zunächst einmal „keine Zinsen mehr zahlen“. Am Ende des Verfahrens wird aus der Masse an Vermögen die Gläubigerquote ermittelt.

Nach Rangfolge der Besicherung dürfen sich die Gläubiger aus dem Restvermögen bedienen. Meist bleibt nur bei erstrangig besicherten Forderungen noch etwas hängen. „Dabei gibt es immer viele Unbekannte. Wie hoch eine solche Quote beispielsweise bei einer Pleite der IKB wäre, von der nicht mehr auszugehen ist, kann niemand seriös beziffern“, so Piquardt.

Ob Pleite oder nicht: Anleger, die noch nachrangige Papiere der IKB oder Genussscheine der Bank besitzen, sind so oder so bitter betroffen. Beide Wertpapiere werden dem Eigenkapital zugerechnet. Bei den Genussscheinen verlieren Sparer in Verlustjahren nicht nur die Ausschüttung – sie werden auch im Verhältnis ihrer Einlage zum Eigenkapital der Bank zur Kasse gebeten. Wie hoch, wird sich erst zeigen, wenn die IKB in der Jahresbilanz 2007/08 (Stichtag: 31. März) ihre Verluste ausweist.

Die Inhaber der Nachranganleihen erhalten in Verlustjahren keinen Zins, müssen jedoch kein Geld nachschießen. Sollte die IKB einst wieder in die schwarzen Zahlen kommen, erhalten Genussscheininhaber eine Nachzahlung, allerdings nur während der Laufzeit bis 2012. Ausgefallene Zinsen bei Nachranganleihen sind dagegen in Verlustjahren einer Bank endgültig perdu.

Wenig Hoffnung gibt es auch für IKB-Aktionäre. Um den Kurshöchststand wieder zu erreichen, müsste das Papier um 400 Prozent zulegen. Einen durchschnittlichen jährlichen Kurszuwachs von acht Prozent unterstellt, müssten Anleger darauf lange warten – bis zum Jahr 2026.

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