Hoch- und Tiefbau: Baubranche: Horoskop statt Prognose für 2010

Hoch- und Tiefbau: Baubranche: Horoskop statt Prognose für 2010

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Bauarbeiter auf einer Baustelle des Konzerns Strabag

Gebremster Abschwung 2010, ungebremster 2011? Die Sorgen am Bau werden eher größer als kleiner. Verbandspräsident Herbert Bodner, der dazu heute die Zahlen verkündete, verabschiedet sich mitsamt seines Unternehmen Bilfinger Berger deshalb peu á peu von der eigenen Branche.

Eigentlich ist Herbert Bodner in seiner Rolle als Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie eine kuriose Besetzung. Seit der Vorstandschef des Mannheimer Konzerns Bilfinger Berger das deutsche Bauhauptgewerbe repräsentiert, führt ihn die eigene Unternehmensstrategie immer weiter weg von dieser Branche. Vom unsicheren Baugeschäft unabhängig machen will er Bilfinger Berger und schafft das auch.

Inzwischen steht der Topmanager einem Dienstleistungskonzern vor, dessen Wertschöpfungskette von der Planung über die Finanzierung bis zum Betreiben und Warten von Immobilien und Industrieanlagen immer länger wird. Innerhalb dieser Wertschöpfungskette ist der Bau zwar noch ein Glied, aber kein Selbstzweck mehr. Die Sparte wird deshalb konzernintern immer weiter reduziert.

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Unabhängig vom Baugeschäft machen sich nur die Großen

Wenn die Bau-Verbandsspitze heute also in Berlin die mäßigen Aussichten für 2010 und die saumäßigen für 2011 beschreibt, dann klagt der Präsident Bodner, während der Manager Bodner sich bestätigt fühlen muss: alles richtig gemacht in Mannheim.

Dem großen Rest der Branche hilft das wenig. Die führenden Großkonzerne  - Hochtief, Bilfinger, Strabag, BAM, Vinci - überlassen 90 Prozent des Marktes in Deutschland dem Heer von 75 000 kleinen und mittelgroßen Baufirmen. Nur einige Dutzend von ihnen sind groß und fit genug, um sich auf eine international ertragreiche Nische zu konzentrieren und wie die Topadressen im Facility Management und als Partner bei öffentlichen Bauprojekten agieren zu können.

Größter beim eigentlichen deutschen Baugeschäft sind nicht mehr Hochtief oder Bilfinger Berger, sondern der Kölner Straßenbauspezialist Strabag AG, der mit dem Stuttgarter Hoch- und Ingenieurbauunternehmen Züblin zur österreichischen Strabag-Gruppe gehört. Die Wiener setzen zwar wie Hochtief und Bilfinger Berger auf den Trend zur Dienstleistung, machen aber keine Abstriche beim Baugeschäft. Strabag-Deutschland-Chef Thomas Birtel schaut dabei ohne Illusionen auf den deutschen Markt: "Deutschland ist für uns in den kommenden drei, vier Jahren kein Wachstumsmarkt." Nicht nur dem Straßenbau fehlten ab 2011 die Mittel aus den Konjunkturpaketen, sondern auch dem Hochbau, der zurzeit von Geld für Schulen, Verwaltungsgebäude und Feuerwachen profitiert.

"Wer das überlebt hat, den erschüttert die aktuelle Misere nicht"

Trotz der Umsatzrückgänge - vier Prozent 2008, 1,5 Prozent 2010 und wohl ein oder zwei Prozentpunkte mehr 2011 - präsentiert sich die Branche bisher einigermaßen stabil.  HDB-Sprecher Heiko Stiepelmann erwartet, dass 2009 und 2010 je ein bis zwei Prozent der Stellen verloren gehen. Alles weitere ist mehr Horoskop als Prognose. Doch der Abbau erfolgt, indem in Rente gehende und wechselwillige Mitarbeiter nicht ersetzt werden. Das dürfte den Arbeitsmarkt kaum belasten. Kurzarbeit machen nur rund 30 000 Bauarbeiter.

Das liegt daran, dass die Branche erst vor wenigen Jahren weit Schlimmeres weg gesteckt hat: Nach dem Wiedervereinigungsboom gingen stolze Konzerne wie Philipp Holzmann und Walter Bau in die Knie, von 1,4 Millionen 1995 halbierte sich die Zahl der Beschäftigten bis 2007 auf rund 700 000 und rutscht nun allenfalls etwas unter diese Grenze. Franz Klinger, Partner Real Estate bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte in München und verantwortlich für die Deloitte-Branchenstudien zur europäischen Bauwirtschaft, erwartet deshalb weder Groß-Pleiten noch Entlassungswelle: „Wer das überlebt hat, den erschüttert die aktuelle Misere nicht.“

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