Hochschule: Klamme Privatuniversität Witten/Herdecke: Präsident und Vize treten zurück

Hochschule: Klamme Privatuniversität Witten/Herdecke: Präsident und Vize treten zurück

Bild vergrößern

Eingangsbereich der Privatuniversität Witten/Herdecke in Witten

Erst dreht NRW der Universität den Geldhahn zu, dann tritt der Präsident der finanziell schwer angeschlagenen Privathochschule Witten-Herdecke, Birger Priddat, zurück. Heute legte auch Vize-Präsident Maxim Nohroudi sein Amt nieder.

Der Wirtschaftswissenschaftler war seit August vergangenen Jahres Hochschulpräsident und zugleich Geschäftsführer der gemeinnützigen Hochschulgesellschaft.

Das NRW-Wissenschaftsministerium hatte in der vorigen Woche Zweifel an der ordentlichen Geschäftsführung der Universität geäußert und seine Mittel gestoppt. Diese Zweifel des Landes seien ihm auch nach Bewertung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft der Universität nicht nachvollziehbar, erklärte Priddat.

Anzeige

Dennoch habe er sich zum Rücktritt entschlossen, um die Voraussetzungen für einen Neuanfang in der Beziehung zum Land zu schaffen und Schaden von der Universität abzuwenden. Aus dem gleichen Grund nahm heute auch Priddats Stellvertreter, Maxim Nohroudi, seinen Hut.

Studenten der Privatuni protestierten in der vorigen Woche vor dem NRW-Landtag in Düsseldorf gegen die Streichung der Förderung. Minister Andreas Pinkwart (FDP) hatte zuvor erklärt, dass die Witten/Herdecke die "rechtlichen Voraussetzungen" für Landeszuschüsse nicht erfülle.

Die Uni habe dem Land weder für 2009 noch für die nächsten beiden Jahre einen verlässlichen Wirtschaftsplan vorgelegt. Konsequenz: Eine Auszahlung der für 2008 im NRW-Haushalt eingeplanten 4,5 Millionen Euro sei daher nicht möglich.

Doch nicht nur das. Die Zuwendung für das Jahr 2007 in Höhe von rund drei Millionen Euro wird das Land nun zurückfordern.

Grund: Die Hochschule habe einräumen müssen, dass ihre Einnahmen in 2007 um diesen Betrag höher waren, als sie gegenüber dem Land angekündigt hatte. Insgesamt muss die Uni deshalb  auf 7,5 Millionen Euro verzichten. Für die Uni bedeutet das nichts Gutes: Dadurch wird sich die angespannte finanzielle Situation der Hochschule weiter verschlechtern,“ sagt Pinkwart.

Seit Jahren ist das ehrgeizige Hochschulprojekt in Geldnöten.

Bereits 2003 stand Witten/Herdecke kurz vor dem Aus, nachdem sich mehrere Sponsoren verabschiedet hatten. Damals sprang die Düsseldorfer Unternehmensberatung Droege als letzter Retter in höchster Not ein. Im August musste der Uni-Präsident Birger Priddat weitere Hiobsbotschaften verkraften. Droege kündete der Hochschule die Zusammenarbeit, da die Uni seit Beginn der Kooperation im Jahr 2007 keinen Finanzplan für das Geschäftsjahr 2008/2009 vorgelegt habe.

Kommt die chronisch klamme Universität Witten/Herdecke ohne Unterstützung vom Land über die Runden?

Unklar ist, ob die chronisch klamme Hochschule ohne die Unterstützung vom Land über die Runden kommt.

Die Universität wies die Vorwürfe zurück und kündigte eine juristische Prüfung der Entscheidung an.

In der Vergangenheit hat die Hochschulleitung immer wieder betont hat, wie überlebenswichtig die Landesmittel sind. Gelingt es dem Team um Präsident Priddat nicht, ein Ass aus dem Ärmel zu zaubern, dürfte die renommierte Privat-Uni den schwärzesten Stunden ihrer Geschichte entgegen sehen.

Was eine mögliche Pleite der als gemeinnützige GmbH geführten Hochschule für die 1100 Studenten bedeuten würde, ist noch nicht abzusehen. Üblicherweise müssen private Unis eine Bürgschaft hinterlegen, damit die Studenten im Notfall ihr Studium ordnungsgemäß abschließen können.

Witten/Herdecke habe dieses Geld wegen der angespannten Finanzlage bereits Mitte der 90er Jahre nicht mehr aufbringen können, sagte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministeriums. Sollte die Hochschule tatsächlich zahlungsunfähig werden, wird das Ministerium die Studenten wohl auf andere Hochschulen in Nordrhein-Westfalen verteilen.

Die 1983 gegründete Uni mit anthroposophischer Ausrichtung war früher einmal das Aushängeschild privater Wissenschaftsförderung.

Zu den Sponsoren gehörten unter anderem der damalige Deutsche Bank-Chef Alfred Herrhausen und Bertelsmann-Eigentümer Reinhard Mohn. Die älteste Privatuniversität des Landes  unterrichtet 1100 Studenten in den Fächern Medizin, Zahnmedizin, Wirtschaft und Pflegewissenschaften.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%