Hochtief/ACS: Klage wegen "vorsätzlich falscher Buchführung" gegen Hochtief-Angreifer ACS

Hochtief/ACS: Klage wegen "vorsätzlich falscher Buchführung" gegen Hochtief-Angreifer ACS

von Harald Schumacher

Im April 2011 wird ein Gericht in Madrid darüber entscheiden, ob sich der Hochtief-Angreifer ACS wegen „vorsätzlich falschen Buchführung“ schuldig gemacht hat. Diesen Vorwurf erhebt der spanische Energiekonzern Iberdrola gegen seinen größten Aktionär ACS. Ein Schlichtungsversuch scheiterte heute.

Nicht nur der Hochtief-Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter wehrt sich gegen die Umarmung durch den spanischen Großaktionär ACS. Auch Ignacio Sánchez Galán, Chef des spanischen Energiekonzerns Iberdrola tut alles, um sich ACS - der Baukonzern ist mit 12,6 Prozent auch größter Aktionär von Iberdrola – vom Leib zu halten. Nun greift Galán zu massiven juristischen Mitteln. Iberdrola erhebt gegen ACS den schweren Vorwurf der „vorsätzlich falschen Buchführung“.

Heute scheiterte vor dem Handelsgericht in Madrid bei einer Anhörung der Kontrahenten der Versuch der Schlichtung. Nun muss der beschuldigte Baukonzern ACS bei einem Gerichtstermin am 5. April 2011 Farbe bekennen. ACS hat während der Anhörung am Madrider Handelsgericht die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Buchhaltung werde von der internationalen Wirtschaftsprüfung Deloitte überwacht und sei deswegen den internationalen Standards angepasst.

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Iberdrola wirft ACS vor, hohe Wertverluste seiner Beteiligungen an Iberdrola und Hochtief nicht korrekt in der Jahresbilanz 2009 berücksichtigt zu haben. Dies wäre nach den geltenden internationalen Buchhaltungsstandards IFRS und IAS laut Iberdrola nötig gewesen. Konkret wirft Iberdrola ACS in der Klageschrift vor, das Unternehmen verschleiere seine tatsächliche Finanzsituation, weil es den Wertrückgang der Beteiligungen an Hochtief und der Iberdrola-Anteile in seinem Jahresabschluss nicht als Verlust verbucht hat. Gegenüber dem urspünglichen Kaufpreises von 2006 war der ACS-Anteil an Iberdrola um 34 Prozent gefallen. Der Wert des Anteils an Hochtief war seit dem ACS-Einstieg 2007 um 28 Prozent gesunken. Gemäß der Klageschrift von Iberdrola hätte allein die Aufführung der Wertberichtigung des Anteils an Hochtief den Bruttoertrag von ACS im vergangenen Jahr um 400 Millionen Euro verschlechtert. Ohne diese Wertberichtigung betrug dieser Bruttoertrag (EBITDA) knapp 1,5 Milliarden Euro. Hätte ACS sich an die Vorschriften gehalten, so hätte das Unternehmen nach Angaben von Iberdrola für 2009 einen Verlust von 405 Millionen Euro ausgewiesen und nicht die angegebenen 980 Millionen Euro Nettogewinn.

Die Finanzlage von ACS gilt bei rund zehn Milliarden Euro Schulden als kritisch. Sowohl bei Iberdrola als auch bei Hochtief will ACS-Chef Florentino Perez seine Anteile mit aller Gewalt erhöhen, um mit den Gewinnen beider Unternehmen die eigene Bilanz aufbessern zu können. Der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in Bonn legte ACS deshalb am vergangenen Donnerstag sein Übernahmeangebot vor.

Die Bafin teilt auf Anfrage von wiwo.de mit, der neue Rechtsstreit in Spanien habe „erst einmal keine Auswirkungen auf das Verfahren bei der Bafin“. Allerdings muss ACS im Wertpapierprospekt und in den Angebotsunterlagen über die Klage informieren. Am 11. November haben die Spanier ihr Übernahmeangebot für Hochtief bei der Bafin eingereicht. Spätestens am 29. November muss die Bafin ihre Prüfung abgeschlossen haben. Wenn die Behörde kein Veto gegen das Übernahmeangebot einlegt, haben die Aktionäre von Hochtief dann vier Wochen Zeit, ihre Unternehmesanteile zum vorgeschlagenen Preis an ACS zu verkaufen.

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