Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter : "Glauben ist in der Kirche"

Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter : "Glauben ist in der Kirche"

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Herbert Lütkestratkötter

von Stephanie Heise und Harald Schumacher

Wie der Hochtief-Chef im Hochgebirge vom feindlichen Übernahmeangebot des spanischen Großaktionärs ACS erfuhr und welche Perspektiven er dem Essener Baukonzern auf See erschließen will.

WirtschaftsWoche: Das Übernahmeangebot Ihres spanischen Großaktionärs ACS hat Sie am 16. September kalt erwischt. Wo haben Sie vom ACS-Angriff erfahren?

Lütkestratkötter: Das hat mich im Urlaub in Österreich überrascht. Mittwochs habe ich noch zusammen mit einem Profi-Bergsteiger eine anspruchsvolle Klettertour gemacht, am Salzburger Pfeiler im westlichen Dachsteingebirge. Wir sind zwei sehr schwierige Wände geklettert. Das war die optimale mentale Vorbereitung für das, was jetzt passiert. In der Wand hieß es auch, Zähne zusammenbeißen. Den Berg haben wir übrigens bezwungen.

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Von wem wurden Sie informiert?

Donnerstags morgens habe ich im Hotelzimmer auf dem Blackberry die Nachrichten über die Gerüchte in Spanien gesehen. Ich habe dann mehrfach bei ACS angerufen. Als ich endlich mit einem Manager sprechen konnte, der auch bei uns im Aufsichtsrat sitzt, hat er die Meldungen bestätigt. Den Urlaub habe ich sofort abgebrochen.

ACS bedauert, die spanische Presse habe eine Woche zu früh von dem Übernahmeplan erfahren, sonst hätte man Sie direkt informiert. Wären Sie eine Woche später weniger enttäuscht gewesen vom Strategiewechsel der Spanier?

Das ist keine Frage der Zeit, sondern des Stils und des Vertrauens. Zu einem partnerschaftlichen Umgang gehört für mich: keine Überraschungen. Schließlich wurde uns immer gesagt, dass man nicht aufstocken werde.

Und nun? Kommen Sie im Abwehrkampf überhaupt noch zum Tagesgeschäft?

Klar, das kostet uns eine Menge Zeit. Trotzdem geht das Tagesgeschäft weiter – wir sind ja hervorragend durch die Krise gekommen und haben bei den Neuaufträgen einen unglaublich guten Lauf.

Der wird nun gerade abrupt gebremst. Stört das feindliche ACS-Angebot die Geschäftsbeziehungen von Hochtief?

Es gibt viele Anfragen von Kunden – geprägt von der Sorge, dass Hochtief eines Tages nicht mehr als zuverlässiger Partner zur Verfügung steht.

ACS hat ein Dutzend deutscher Hochtief-Kunden angeschrieben, um sie zu beruhigen. In dem Brief steht unter anderem, unterschrieben von einem Ihrer spanischen Aufsichtsräte: „Ein Beherrschungsvertrag ist nicht vorgesehen.“ Glauben Sie das?

Glauben ist in der Kirche.

Das Vorgehen gegenüber Hochtief erinnert sehr daran, wie ACS den einst zweitgrößten spanischen Baukonzern Dragados übernommen hat. ACS hat von 2002 an größere Anteile erworben, angeblich ohne Übernahmeabsicht, erreichte dann doch die Mehrheit und zerschlug Dragados. Wie damals argumentiert ACS nun mit operativen Kooperationsmöglichkeiten. Sehen Sie die?

Ich sehe keine. Wir sind breit aufgestellt und gut finanziert. Wir haben alles aus eigener Kraft geschafft. Wenn ACS und Hochtief bei Auftragsvergaben hätten kooperieren wollen, wäre das ja leicht möglich gewesen. Es gab aber nur ein einziges gemeinsames Projekt, den Bau einer Mautstraße in Chile. Unser Partner war dort übrigens Dragados. Das Projekt stammt also aus der Zeit vor 2007, als ACS mit rund 25 Prozent bei Hochtief eingestiegen ist. Danach haben wir kein einziges weiteres Projekt mehr gemeinsam gemacht.

Also will ACS mit der Übernahme vor allem seine Bilanz aufpolieren, wie schon bei Dragados? Die Nettoschulden von ACS liegen bei zehn Milliarden Euro...

...und die von Hochtief bei null.

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