Hochtief-Chef Stieler: "Wir haben keine Angst vor der Krise"

Hochtief-Chef Stieler: "Wir haben keine Angst vor der Krise"

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Hochtief-Chef, Frank Stieler

von Stephanie Heise und Harald Schumacher

Frank Stieler, der neue Chef des Essener Baukonzerns Hochtief betont in seinem ersten Interview seine Eigenständigkeit gegenüber dem spanischen Großaktionär ACS und setzt auf neue Aufträge dank der Energiewende.

WirtschaftsWoche: Herr Stieler, vor fünf Monaten hatte Hochtief gerade den verzweifelten Kampf gegen die Übernahme durch den spanischen Großaktionär ACS verloren, drei altgediente Vorstandskollegen nahmen ihren Hut. Sie selbst waren erst im März 2009 ins Unternehmen gekommen, hatten keine Hausmacht und übernahmen – als Ihr Vorgänger Herbert Lütkestratkötter unter Tränen seinen Abschied nahm – dank ACS den Vorstandsvorsitz. Wie fühlt man sich in so einer Rolle und mit einer so schwierigen Ausgangsposition?

Stieler: Ich sehe die Situation anders. Das Schwierigste, was Ihnen in einem neuen Job passieren kann, ist, wenn Sie sofort massive wirtschaftliche Probleme angehen müssen. Hochtief steht solide da, wir haben Aufträge für zwei Jahre in den Büchern. Ich habe also die Chance, auf Basis eines stabilen Geschäfts und gut funktionierender Einheiten die Veränderungen vorzunehmen, die notwendig sind, um das Unternehmen erfolgreicher zu machen. Das ist keine schwierige Ausgangsposition, sondern eine sehr gute.

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Aber egal, was Sie machen – Sie stehen unter dem Vorbehalt, aus Spanien ferngesteuert zu sein.

Ich finde das ärgerlich. Es fällt mir aber nicht schwer, damit umzugehen. Ich vertraue darauf, dass ich durch meine Präsenz Leute überzeugen kann, Mitarbeiter, Kunden. Wenn sie die Präsenz erleben, werden sie merken, dass da nichts ferngesteuert ist. Ich habe in meinem Leben einige Herausforderungen erlebt. Veränderung erfordert, zu schauen, was sich verändert hat, und sich darauf einzustellen. Dann kann ich Orientierung geben. Für die Mitarbeiter ist die Frage, wer Eigentümer ist, nicht die entscheidende.

Welche Orientierung geben Sie denn den Hochtieflern? Nach einer Führungskräftetagung im Sommer klagten die Teilnehmer, die Aussagen der ACS-Manager seien genauso schwammig gewesen wie während der Übernahmephase.

Dort ging es einfach darum, dass sich die ACS-Aufsichtsräte den Führungskräften vorstellen. Das Wichtigste ist, dass das Unternehmen noch profitabler wird als in der Vergangenheit. Das fordert jeder Eigentümer.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit ACS?

Das Verhältnis ist dadurch geprägt, dass Hochtief eine eigene Aktiengesellschaft ist und ACS das auch sehr bewusst ist. Deren Interesse ist, mit ihrer Beteiligung an Hochtief Geld zu verdienen, und nicht, sich in irgendein Geschäft einzumischen, das sie eh aus der Ferne schwer übersehen können. ACS will, dass Hochtief selbstständig und profitabel am Markt agiert. Und das kann Hochtief nur mit einem starken, unabhängigen Management. ACS hält inzwischen 46,7 Prozent der Hochtief-Aktien und 51 Prozent der Stimmrechte, da ihnen die von Hochtief selbst gehaltenen Aktien zugerechnet werden. ACS wird die Schwelle von 50 Prozent der Aktien in den kommenden Monaten überschreiten. Es macht für Hochtief aber keinen Unterschied in der Führung und Selbstständigkeit des Unternehmens, ob ACS unter oder über 50 Prozent liegt.

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