Hochtief: Dr. Lü und die Scheichs

KommentarHochtief: Dr. Lü und die Scheichs

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Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter

von Harald Schumacher

Dass Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter schon lange gute Beziehungen zur Golfregion pflegte, zahlt sich jetzt aus: Das Emirat Katar wird zum Joker im dramatischen Kampf um die Selbständigkeit von Hochtief und baut Hürden auf gegen den Angriff des spanischen ACS-Konzerns.

Als vor exakt einem Jahr die Immobilienblase im Wüstenstaat Dubai platzte und sich alle Welt um die Stabilität der Golf-Region Sorgen machte, da stellte sich Herbert Lütkestratkötter vor die Emirate: Die dürfe man nicht alle über einen Kamm scheren, empörte sich der Manager über den pauschalen Alarm: „Sie können Abu Dhabi, Katar und Bahrain doch nicht mit Dubai vergleichen!“

Nun stellt sich Katar vor Hochtief. Es ist die Meldung des Tages: Das Emirat zeichnet alleine eine zehnprozentige Hochtief-Kapitalerhöhung und erwirbt dadurch einen 9,1prozentigen Anteil am führenden deutschen Baukonzern. Zunächst sinkt dadurch der Anteil des spanischen Angreifers ACS, der Hochtief gegen den Widerstand des Management übernehmen will, auf gut 27 Prozent. Vermutlich kommt ACS dank befreundeter Investoren zwar trotzdem mit seinem aktuellen Pflichtangebot über die 30-Prozent-Hürde. Doch eine Hauptversammlungs-Mehrheit zu erreichen, die den sperrigen Hochtief-Aufsichtsrat und den widerspenstigen Vorstand aus dem Amt jagen und durch ACS-freundliche Vertreter ersetzen könnte, wird erheblich schwieriger. Und die eigentliche Strategie von ACS-Chef Florentino Pérez, peu à peu auf mehr als 50 Prozent der Hochtief-Anteile aufzustocken, geht nicht mehr auf, wenn die Qatar Holding den anderen Aktionären ein bisschen mehr bietet als ACS. Wenn der Hochtief-.Kurs durch das veränderte Umfeld deutlich steigt, kann sich der extrem verschuldete ACS-Konzern die weiteren Aktienkäufe kaum noch leisten.

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Langjährige Golf-Kontakte macht sich bezahlt

Dass Katar zum Joker im Spiel um Hochtief wird, ist nur zum Teil der politischen Vermittlung  durch Bundeskanzlerin Angela Merkel zu verdanken, die Lütkestratkötter jetzt taktisch geschickt würdigt. Dr. Lü selber hat den größeren Anteil an dem Coup.

"Die Araber wollen vertraute Gesichter, die sie schon seit Jahren kennen", sagte Lütkestratkötter dem „Manager Magazin“einmal. Vertraut ist ihnen der Westfale. Beziehungen in die Golfregion pflegt er schon lange. Seine  eigenen Golf-Erfahrungen reichen bis in die 70er Jahre zurück, als er als junger Maschinebauingenieur für das Ingenieurbüro Lahmeyer International Wasserbau- und Infrastrukturbauten weltweit betreute. Hochtief gehört dem Nah- und Mittelostvereins an, der als hervorragende Kontaktbörse in die Golfregion funktioniert und Rechts- und Finanzberatung bietet. Seit 2006 ist Hochtief massiv insbesondere in Katar engagiert – auch über die australische Tochter Leighton. Rund 5000 Mitarbeiter von fünf Hochtief-Tochtergesellschaften arbeiten in dem kleinen Emirat und bauen etwa am Mammut-Projekt Barwa Commercial Avenue, einer acht Kilometer langen Einkaufsmeile in der Hauptstadt Doha – ein 1,3-Milliarden-Euro-Auftrag des halbstaatlichen Auftraggebers Barwa Real Estate.

Hochtief führt auch Regie beim Fernstraßenprojekt Qatar Bahrain Causeway und hat seit diesem Jahr ein gemeinsames Unternehmen mit der Lusail Real Estate Development Company, einer Tochtergesellschaft der Qatari Diar. Das Joint Venture stampft bis 2020 eine komplette neue Stadt aus dem Wüstensand, die Lusail heißen und 200 000 Menschen eine neue Heimat bieten soll. Die Luxus-Kommune soll auch Gastgeberin der Fussball-Weltmeisterschaft 2022 werden, die wiederum Hochtief Aussicht auf attraktive neue Aufträge gibt.

Geschickt betont Lütkestratkötter immer wieder, warum sich auch deutsche Gewerkschafter und Politiker über so viel Auslandsengagement freuen sollten: Aufträge am Golf steigern nicht nur die Hochtief-Gewinne, sondern senken die deutschen Arbeitslosenzahlen, beschrieb der Hochtief-Chef im WirtschaftsWoche-Interview im Oktober die Wechselwirkung: Hochtief habe mit unrentablen Geschäftsfeldern in Deutschland zwar Personal abgebaut, aber nicht entlassen: „Die Leute dort haben wir, wo immer es ging, anderswo eingesetzt. Manche arbeiten heute für uns bei einem Bauauftrag in Katar und morgen an einem Windkraftprojekt.“

Lütkestratkötter hat sicher recht, wenn er die strategische Bedeutung des Katar-Einstiegs bei Hochtief betont. Aber klar ist auch, dass sie nicht zufällig gerade jetzt verkündet wird. Katar musste sich entscheiden, weil ACS den Essener Konzern sonst bald endgültig unter Kontrolle hätte und vermutlich zerschlagen würde, um die eigene Bilanz zu verbessern.

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