Hochtief-Übernahmekampf: Dr. Lüs Feuerwerk verpufft

KommentarHochtief-Übernahmekampf: Dr. Lüs Feuerwerk verpufft

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Der Vorstandsvorsitzende des Baukonzerns Hochtief, Herbert Lütkestratkötter

von Harald Schumacher

Trotz guter Unternehmens-Nachrichten hebt der Kurs von Hochtief nicht ab – was dem spanischen Angreifer ACS nützt. Vorstandschef Lütkestratkötter sieht den größten deutschen Baukonzern für seine Standorttreue bestraft und rüffelt die Politik: „Ein Treppenwitz“.

Gute Umsätze, bessere Renditen, Aussicht auf Sonderdividenden für die Aktionäre beim Verkauf der Immobilientochter Aurelis, ein neuer Anlauf zum Verkauf des Bereichs Hochtief Concessions unter erleichterten Bedingungen – es war ein Feuerwerk von Maßnahmen, die Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter am Donnerstagmorgen in einem Konferenzraum des Düsseldorfer Flughafens mit freiem Blick aufs Rollfeld vorstellte. Doch das einzige, was abhob, waren die Flugzeuge draußen im Novemberdunst. Der Aktienkurs des größten deutschen Baukonzerns machte bloß einen Hüpfer und lag ein paar Stunden nach der Pressekonferenz sogar ein Stückchen unter Vortagesniveau.

Fundamental gezündet hat das Feuerwerk des Dr. Lü jedenfalls nicht. Aber warum?

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Weil Solidität an der Börse kaum belohnt wird, mag die eine richtige Antwort sein. Weil die in Düsseldorf vorgestellten Zahlen für das dritte Quartal ohne die starke Entwicklung des australischen Dollar gar nicht so geglänzt hätten, wäre eine zweite Erklärung für die nüchterne Reaktion. Weil das Management in Essen starke Gegenspieler hat, die den Kurs des Unternehmens eben nicht in die Höhe treiben, sondern niedrig halten, ist die dritte und ebenso richtige Interpretation.

Denn jede deutliche Bewegung nach oben ist nicht im Interesse des spanischen Hochtief-Großaktionärs ACS, der Hochtief zu möglichst günstigen Preisen übernehmen möchte und seine Übernahmeofferte für den größten deutschen Baukonzern heute bei der Finanuaufsichtsbehörde Bafin eingereicht hat. Wie das geht? Die Vermutung liegt nahe, dass die mit ACS in einem Boot sitzenden Banken  - insbesondere Santander und Caja Madrid - dafür sorgen, dass immer dann Hochtief-Anteile auf den Markt kommen, wenn der Hochtief-Kurs zu deutlich nach oben tendiert. Dabei könnten auch befreundete Hedgefonds helfen. Denn die Gläubiger des ACS-Chefs Florentino Perez sind daran interessiert, dass dem schillernden Unternehmer und Real-Madrid-Präsidenten die Übernahme von Hochtief gelingt, damit der sein mit zehn Milliarden Euro verschuldetes Imperium retten und die Bankverbindlichkeiten bedienen kann.

Dr. Lü gab sich cool in Düsseldorf, rieb sich demonstrativ die Augen, weil die Fotografen das offenbar „toll finden“ und dann verstärkt auf die Auslöser drückten und schoss erneut eine Breitseite gegen die in Sachen Hochtief untätige Bundesregierung. Wenn der Essener Bau-Primus vor Jahren ins Ausland abgewandert wäre und heute von den dort schärferen Übernahmegesetzen profitieren könnte, stünde das Unternehmen gegenüber ACS nicht so defensiv und hilflos da, schimpfte der Manager aus dem Münsterland und brachte seinen Ärger wohl vorbereitet auf den Punkt: „Wir fordern gleiche Bedingungen ein. Und die haben wir als deutsches Unternehmen nicht. Ein solches Dankeschön für Standorttreue ist ein Treppenwitz – und das können sie ruhig so schreiben.“

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