Höhere Mehrwertsteuer: Chancen für Aldi & Co. in Großbritannien

Höhere Mehrwertsteuer: Chancen für Aldi & Co. in Großbritannien

von Mario Brück

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer wird das krisengeschüttelte Konsumklima in England zusätzlich belasten, sagen die Experten der Managementberatung Sempora. Jetzt könnten sich für die deutschen Billigheimer auf der britischen Insel neue Wachstumschancen bieten.

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Eine Frau trägt in Köln jeweils eine Plastiktüte der Lebensmittel-Discounter "Lidl" und "Aldi" (Archivfoto vom 17.11.2003

Einkaufen bei Tesco, Harrods oder Marks & Spencer wird wieder teurer. Jeder zweite Einzelhändler plane, die Mehrwertsteuererhöhung vollständig an die Endverbraucher weiterzugeben.

Nur knapp dreißig Prozent der Händler wolle das Preisniveau auf dem jetzigen Preisniveau halten. Sie rechnen dadurch mit Wettbewerbsvorteilen. Dies geht aus einer Befragung von über 100 Entscheidern aus Industrie und Handel im November und Dezember hervor, die von der Unternehmensberatung Sempora in Bad Homburg durchgeführt wurde.

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Um den Konsum anzukurbeln und die schwächelnde Wirtschaft zu stärken, hatte die britische Regierung entschieden die Mehrwertsteuer in 2009 von 17,5 Prozent auf 15 Prozent zu reduzieren. Seit Jahresbeginn 2010 ist die Mehrwertsteuer wieder auf dem ursprünglichen Satz von 17,5 Prozent.

Margen unter Druck

Handelsunternehmen, die der Studie zufolge angegeben haben, ihre Preise auf dem aktuellen Niveau halten zu wollen, müssen dies jedoch finanzieren.

Erfahrungsgemäß ist davon auszugehen, dass Tesco & Co. dies nicht aus der eigenen Tasche tun, sondern die Hersteller zu Kasse bitten. Diese Thematik werden die Beziehungen zwischen Handel und Industrie belasten, und die Margen der Hersteller unter Druck setzen, schreiben die Experten von Sempora.

Vorausschauend haben die Konsumenten schon viele Käufe, insbesondere bei hochpreisigen Artikeln, noch im vergangenen Jahr vorgezogen. Zusätzlich wollen über 50 Prozent der Konsumenten, wie eine parallele Befragung von Endverbrauchern ergab, in 2010 ihre Ausgaben reduzieren. Eine Konsumflaute in den ersten Monaten des Jahres sei damit auf der Insel programmiert, so die Sempora-Experten.

Vorteil für Aldi

Desweiteren planen  54 Prozent der Konsumenten in 2010 genauer auf die Preise zu schauen und Discountmarken bzw. Handelsmarken zu verwenden.

„So werden die englischen Verbraucher in Richtung Discount getrieben – dieses Verhalten ist bisher in der britischen Bevölkerung weniger stark hinterlegt als in Deutschland,“ sagt Francis Prosser Managing Partner von Sempora Consulting  In London.

Dies könnte ein Vorteil für Aldi Süd sein, die derzeit knapp 500 Filialen in Großbritannien und Irland betreiben und auf einen Marktanteil von drei Prozent kommen.

Aldi hatte zu Beginn der Wirtschaftskrise gemeinsam mit anderen Billigmärkten wie Lidl deutlich zugelegt. "Die Leute dachten früher, dass Discounter Billigkram ist, aber in Deutschland gehen dort die schlauen Leute einkaufen. Im Großbritannien fängt das jetzt auch an", sagte Tony Baines, Einkaufs-Chef bei Aldi in Großbritannien, der britschen Zeitung "The Times" im Herbst 2008.

Das Wachstum, angefacht von preisbewussten Kunden, wurde jedoch abrupt gestoppt, als einheimische Einzelhändler wie Tesco den Markt mit eigenen Billigmarken besetzten.

Jetzt könnten sich für die deutschen Billigheimer neue Wachstumschancen bieten.

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