Hoflieferanten: Wappen im Futter

Hoflieferanten: Wappen im Futter

Bild vergrößern

Prinz Charles verknüpft das Prädikat Hoflieferant an Bedingungen

Veraltet? Keine Spur. Nach einer gewissen Zurückhaltung schmücken sich Unternehmen wieder mit dem Titel des Hoflieferanten – auch in Deutschland.

So etwas gehört sich nicht. Nicht für ein Unternehmen dieser Art. Als das britische Traditionsunternehmen Burberry vor zwei Jahren ankündigte, seine Produktion aus dem walisischen Treorchy nach Asien zu verlegen, sann der Labour-Abgeordnete Chris Bryant auf Rache. Er beantragte im britischen Unterhaus, dass der Edelmarke mit dem Karo der Titel des Hoflieferanten entzogen werden möge. „Der königliche Titel ist ein nationales Gütesiegel und sollte an großartige britische Unternehmen vergeben werden, die traditionelle Werte hochhalten“, wetterte Bryant. „Ein Unternehmen, das nicht ausschließen kann, dass es in seinen Fertigungsstätten Kinderarbeit einsetzt, sollte den Titel verlieren.“

Soweit ist es nicht gekommen. Nach wie vor ziert Königin Elizabeths Wappen die Fassade der Burberry-Boutique in der Londoner New Bond Street, umrandet vom Leitspruch: „Übles dem, der übel denkt.“

Anzeige

Im 21. Jahrhundert mag es anachronistisch wirken, wenn Unternehmen sich mit der Aura von Herrscherhäusern schmücken. Doch der kommerzielle Ritterschlag ist hoch begehrt – auch bei Unternehmen aus Ländern ohne blaublütige Repräsentanten. Ob der Teehersteller Twinings in England, Mercedes in Belgien oder Lego in Dänemark – mit dem Titel des Hoflieferanten schmücken sich alle gerne. Selbst in Deutschland, dessen letzter Kaiser vor fast 90 Jahren abdankte, zieht das Etikett noch.

„Der Titel Hoflieferant löst durchweg positive Vorstellungen aus“, sagt der Markenexperte Klaus Brandmeyer. „Der Kunde geht von einer besonders hohen Qualität aus.“ Hoflieferanten betonten ihren „herausgehobenen Status. Der Verbraucher denkt unwillkürlich: Für den Hochadel ist nur das Beste gut genug.“ Eine Zeit lang schien die Reverenz vor den Erlauchten überkommen. Carl Gustaf von Schweden wollte das System der Hoflieferanten gar abschaffen, als er fünf Jahre nach den antiautoritären 68er Rebellionen den Thron bestieg. Als die Unternehmen dagegen protestierten, nahm der Monarch Abstand.

Seither hat die Auszeichnung eine Renaissance erfahren. „Noch vor zehn Jahren interessierte sich nur die Generation meiner Großmutter für Hoflieferanten“, erinnert sich Maria Gunnarson, die gemeinsam mit ihrem Mann Erik die Geschichte der schwedischen Hoflieferanten dokumentiert hat. „Nun beobachten wir, dass immer mehr Hoflieferanten ihren Titel herausstellen.“ In Großbritannien, wo die Tradition bis ins Jahr 1155 zurückgeht, bekommt die Vereinigung der Hoflieferanten „mehrere Anfragen pro Woche“, wie Sekretär Peck erzählt. In der ehemaligen Monarchie Österreich-Ungarn gab es 500 privilegierte Firmen. Allein in Wien bezeichnen sich noch heute etwa zwei Dutzend Häuser als kaiserliche und königliche Hoflieferanten.

Nicht jeder erhält das Siegel Hoflieferant. Nur Unternehmen, die über geraume Zeit Geschäftsbeziehungen zu einem Königshaus pflegen, kommen in die Auswahl: in Großbritannien und Belgien frühestens nach fünf, in Dänemark erst nach 10 bis 15 Jahren. Alle Höfe legen Wert darauf, dass die Unternehmen finanziell solide sind und einen guten Ruf haben. Bei Prinz Charles, der als Kronprinz in Großbritannien sein eigenes Siegel vergibt, müssen Unternehmen auch nachweisen, dass sie eine nachhaltige Umweltpolitik pflegen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%