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Holzkonzern: Wie Pfleiderer wieder auf die Beine kommt

von Rebecca Eisert mit dpa

Holzverarbeiter Pfleiderer ist derzeit der größte Sanierungsfall Deutschlands. Wie das Traditionsunternehmen gerettet werden soll.

Laminatpresse bei Pfleiderer Quelle: dpa/dpaweb
Laminatpresse bei Pfleiderer Quelle: dpa/dpaweb

Beim von der Pleite bedrohten oberpfälzischen Holzverarbeiter Pfleiderer übernehmen Banken und Hedgefonds das Kommando. Pfleiderer ist der weltweit drittgrößten Hersteller von Spanplatten und Laminatböden. Die Aktionäre stimmten am späten Donnerstagabend auf einer außerordentlichen Hauptversammlung dem Sanierungskonzept zu, das praktisch eine Enteignung der Anteilseigner bedeutet. Bereits im März lagen Pläne vor, wie das Traditionsunternehmen mit einer harten Restrukturierung vor der Pleite gerettet werden könnte.

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Mehrere Kleinanleger kündigten Klagen gegen den jetzt ergangenen Beschluss an. Pfleiderer-Vertreter zeigten sich allerdings zuversichtlich, dass diese vor Gericht wenig Chancen hätten. Am Pfleiderer-Firmensitz herrschte am Freitag Erleichterung. „Ich bin heilfroh, dass es gut ausgegangen ist“, sagte Neumarkts Landrat Albert Löhner (CSU) der dpa.

Aktionäre werden nur noch 0,8 Prozent halten

Die Entwicklung des Landkreises, einst einer der ärmsten in Bayern, sei nur durch Unternehmen wie Pfleiderer denkbar. „Wir hoffen jetzt auf eine positive Entwicklung und eine Sanierung auf Dauer“, sagte Löhner. Die Kontrolle durch Hedgefonds sei allerdings die „Schattenseite“. Nach stundenlangen turbulenten Diskussionen hatten die Pfleiderer-Aktionäre am späten Donnerstagabend den Weg für das Sanierungskonzept frei gemacht.

Den Ausschlag für die mit 93,4 Prozent deutliche Zustimmung hatten schließlich der Großaktionär One Equity Partners (OEP) mit rund 23 Prozent Anteil sowie weitere Anleger mit größeren Aktienpaketen gegeben. Damit ist die Gefahr einer Insolvenz für das Unternehmen zunächst gebannt. Nach den Sanierungsplänen werden Banken und Hedgefonds künftig 80 Prozent des Unternehmenskapitals halten. Der Anteil der Aktionäre am Konzern wird dagegen auf 0,8 Prozent sinken.

Thermopal soll verkauft werden

1894 in Heilbronn gegründet, beschäftigt Pfleiderer heute 5400 Mitarbeiter, davon 40 Prozent in Deutschland, und setzte 2010 rund 1,5 Milliarden Euro um. 2006 betrug der Börsenwert noch 1,4 Milliarden Euro, Ende März lag er bei nur noch 86 Millionen. Die finanzielle Schieflage verursachte der Vorstand mit der heftig vorangetriebenen USA-Expansion kurz vor der dortigen Subprime-Krise. Pfleiderer-Chef Hans Overdiek hat sich mit teuren Zukäufen verzockt, hohe Verluste haben fast die Hälfte des Grundkapitals aufgefressen. 

Laut vorliegendem Konzept sollen die US-Sparte sowie die im Allgäu ansässige Tochter Thermopal verkauft werden. Nach Auskunft des für die Restrukturierung engagierten Vorstands Hans-Joachim Ziems gibt es für die US-Werke bereits Interessenten.

Der Verkauf von Thermopal mit rund 450 Mitarbeiter soll laut Ziems einen Betrag im mittleren zweistelligen Millionenbetrag bringen. Die Verschuldung des Unternehmens beträgt derzeit das 20-fache des für 2011 erwarteten Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Banken und Hedgefonds hatten im Vorfeld auf Forderungen in Höhe von 380 Millionen Euro verzichtet und weitere Kredite in Aussicht gestellt.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.07.2011, 23:50 UhrAnonymer Benutzer: Philosoph

    Ach, das wird schon wieder. Erst das Tafelsilber verkaufen, dann die belegschaft durch Lohnverzicht und Produktivitätssteigerung an der Sanierung beteiligen oder besser noch die Fertigung in billiglohnländer verlagern und durch ein ausgeklügeltes Marketingkonzept möglichst billig erzeugte Ware an dumme Kundern teuer verkaufen. Dann klappt's auch wieder mit den Manager-Gehältern.

  • 22.07.2011, 21:43 UhrAnonymer Benutzer: gast001

    trotz Warnungen hat der Vorstand auf ein gefährliches Einbranchenkonzept gesetzt. Die Ergebnisse sind jetzt sichtbar

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