Holzpellets: Wärmende Nische für German Pellets

Holzpellets: Wärmende Nische für German Pellets

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Peter Leibold

von Mario Brück, Thomas Stölzel, Lothar Schnitzler und Peter Steinkirchner

German Pellets aus Wismar dominiert den europäischen Markt für Holzpellets.

Jetzt dreht er völlig durch. Das dachten zumindest die Freunde und Geschäftspartner von Peter Leibold, als der sie vor vier Jahren in seine neuesten Pläne einweihte. Der damals 48-jährige sechsfache Familienvater hatte gerade seinen Job als Geschäftsführer bei der Klausner Gruppe in Wismar, einem der größten privaten Holzindustrieunternehmen in Europa, gekündigt. Dafür hatte er sich in einem wenig aufregenden Geschäftszweig selbstständig gemacht: als Hersteller von Holzpellets, jenen zigarettenstummelgroßen Presslingen aus Säge- und Hobelspänen, die nichts anderes als verheizt werden.

„Ich hatte für Klausner viel Holz in Schweden und Russland gekauft und bin dort auf die Pellets gestoßen. Das wollte ich unbedingt machen“, sagt Leibold. Die ersten Zweifel kamen Leibold jedoch schon nach wenigen Tagen. „Eigentlich wollten wir Büroräume des Technologiezentrums im Wismarer Hafen beziehen. Doch da war alles besetzt“, erinnert er sich. Übergangsweise fand Leibold Asyl in drei Containern – einen für ihn als Chef, einen für zwei Mitarbeiter, der dritte diente als Besprechungsraum.

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Hoher Kümmerfaktor

Das war 2005. Heute, nur vier Jahre später, ist Leibolds Firma German Pellets mit vier Fabriken, insgesamt 260 Mitarbeitern und einem Umsatz, der in diesem Jahr erstmals die 100-Millionen-Euro-Marke übertreffen wird, Europas größter Hersteller von Holzpellets. Das Unternehmen kann jährlich rund 800 000 Tonnen der kleinen Presslinge produzieren, knapp 50 Prozent aller hierzulande hergestellten Holzpellets. Die Jahresproduktion der Wismarer reicht, um so viel Wasser auf 35 Grad aufzuheizen, dass eine Person 25 000 Jahre warm duschen könnte – ganz schön lang

Holzpellets haben sich in den vergangenen Jahren als Nischenprodukt zur Wärme- und Energieerzeugung etabliert. „Pellets sind ein Holzabfallprodukt und energetisch die optimale Lösung“, sagt Ulrich Zink, Geschäftsführer des Bundesarbeitskreises Altbauerneuerung.

Allerdings haben solche Heizanlagen einen hohen Kümmerfaktor – sie bereiten ihren Besitzern im Vergleich zu Öl- oder Gasheizungen viel Arbeit, weil diese die Asche regelmäßig von Hand entfernen müssen. Mit rund 15 000 Euro Einbaukosten für ein Einfamilienhaus sind auch die Investitionen hoch. Dafür kosten die Holzstäbchen nur um die 200 Euro pro Tonne – nach Berechnung der Vereinigung der deutschen Zentralheizungswirtschaft spart dies im Vergleich zum alten Ölkessel etwa 1300 Euro pro Jahr. Die gute Ökobilanz leidet jedoch, wenn die Pellets weite Transportwege zurücklegen müssen. Nur Presslinge aus heimischer, nachhaltiger Forstwirtschaft erlauben ein rundum gutes Umweltgewissen.

Gewaltiges Potenzial

Und daran arbeitet Leibold. Zur Herstellung von Pellets nutzen die Wismarer ausschließlich Material aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern in Deutschland. Das Potenzial ist gewaltig. Von den rund 100 Millionen Kubikmetern Holz, die jährlich in Deutschland nachwachsen, werden derzeit lediglich rund 60 Prozent genutzt, der Rest wuchert vor sich hin. Hinzu kommt, dass immer mehr Papier- und Zellstoffunternehmen ihre Standorte nach Südamerika oder Asien verlagern. Dadurch werden zusätzliche Rohstoffmengen frei, die von der hiesigen Pelletindustrie genutzt werden können.

So soll denn auch bei den Mecklenburgern im Frühjahr 2010 die Produktion in der fünften Fabrik in Erndtebrück im Siegerland anlaufen, ein Joint Venture mit dem Energieriesen RWE. „Damit können wir gewährleisten, dass die Transportwege nicht länger als 250 Kilometer sind“, sagt Leibold. Die Produktion geht je zur Hälfte an Kraftwerke, die aus den Pelletts Energie erzeugen, und an Endverbraucher – vom Hausbesitzer bis zu Großabnehmern wie Gärtnereien, Krankenhäusern oder Molkereien.

Leibolds neuester Großkunde ist die Messe Berlin. Deren Hallen sollen demnächst mit einer Pelletanlage auf Temperatur gehalten werden. Die Testphase läuft. „Viele Großkunden interessieren sich für Pellets, weil das Produkt bekannter wird und weil wir nun auch bundesweit zügig liefern können.“ Von der aktuellen Krise hat Leibold ohnehin wenig gespürt, „geheizt wird immer“, sagt er.

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