Horst Wildemann: "Suche nach Alternativen anheizen"

Horst Wildemann: "Suche nach Alternativen anheizen"

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Horst Wildemann

Die Katastrophe in Japan eröffnet deutschen Zulieferern ungeahnte Chancen. Da viele japanische Unternehmen nicht mehr pünktlich liefern können, sehen sich Hersteller nach Alternativen um. Der Münchner Logistikexperte über potenzielle Gewinner.

Herr Wildemann, bedeuten die Lieferprobleme japanischer Unternehmen langfristig das Ende der lagerlosen Fertigung in Deutschland?

Wildemann: Nein, aus Japan kommen sowieso wenige Teile just in time, das heißt pünktlich direkt zum Einbau. Die lagerlose Fertigung wird prinzipiell sogar zunehmen, weil die Produkte immer differenzierter werden. Für jede Variante Teilevorräte anzulegen wäre viel zu teuer, deshalb wird es sogar mehr Just- in-time-Lieferungen geben.

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Sie glauben wirklich, dass niemand künftig etwas mehr Teile auf Lager nehmen wird, um sich gegen ausbleibende Lieferungen besser abzusichern?

Wildemann: Kaum, allenfalls wird die Zahl der Teile, die in der Lieferpipeline sind, erhöht, zum Beispiel durch etwas größere Zwischenlager.

Was können Unternehmen tun, wenn weltweit nur eine Firma in Japan ein bestimmtes Teil liefern kann?

Wildemann: Die Bindung an nur einen Lieferanten ist sehr selten und für jeden Einkäufer der Graus. Monopolisten verlangen bekanntlich hohe Preise. Das Unglück in Japan wird die Suche nach Alternativen noch weiter anheizen.

Unternehmen bedienen sich doch aber auch absichtlich nur eines Lieferanten, um hohe Stückzahlen und niedrige Kosten zu erreichen.

Wildemann: Dieses sogenannte Single Sourcing wird meist falsch verstanden. In der Regel erhält etwa in der Autoindustrie ein einziger Lieferant allein lediglich den Auftrag für eine Modellreihe. Bei der anderen kommt ein zweiter Lieferant zum Zuge. Das gilt auch für viele Zulieferer und ihre Sublieferanten.

Was heißt das für Unternehmen, deren Zulieferung aus Japan ausfällt?

Wildemann: Ich prophezeie, dass die Autohersteller in kürzester Zeit ihren Zulieferern erlauben werden,Teile eines anderen Sublieferanten einzubauen. Was üblicherweise viele Wochen oder Monate dauert, ist jetzt nur noch eine Frage von 14 Tagen.

Alle werden profitieren

Welche Konsequenzen hat das?

Der zweite Sublieferant steigt auf. Er macht nicht nur kurzfristig mehr Geschäft. Er verbessert auch seine Aussichten bei der nächsten Ausschreibung – wie immer, wenn jemand einem anderen in der Not geholfen hat.

Das heißt, deutsche Zulieferer verbessern ihre Wettbewerbsposition durch die Engpässe und Ausfälle in Japan?

Wildemann: Davon gehe ich aus. Sie können die 20 größten deutschen Autozulieferer herunterdeklinieren: Auch wenn es erst einmal Mehraufwand für sie ist, werden sie alle profitieren – und wenn es nur durch größere Chancen bei der nächsten Ausschreibung ist.

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