Houston hatte kein Problem: Himmlisch: Merkel telefoniert mit Raumstation

Houston hatte kein Problem: Himmlisch: Merkel telefoniert mit Raumstation

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Bundeskanzlerin Angela Merkel während einer Live-Schaltung zur Internationalen Raumstation (ISS). Im Hintergrund ist der deutsche Astronaut Hans Schlegel (l) zu sehen, neben ihm sitzt der Franzose Leopold Eyharts

Es war ein Ferngespräch der besonderen Art: Zur Feierstunde der Inbetriebnahme des europäischen Weltraumlabors „Columbus“ hat Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern Abend mit den Astronauten der Raumstation ISS telefoniert.

Und sie stellte die Frage, die sie selbst wohl schon sehr oft beantworten sollte: „Wie ist Ihr Leben als Frau unter all den Männern?“ wollte die Kanzlerin in der Liveschaltung aus dem Bundeswirtschaftsministerium vom einzig weiblichen Mitglied der Besatzung wissen. „Wir haben hier eine großartige Zeit“, antwortete die Amerikanerin Peggy Whitson. Zur Feierstunde lobte Merkel besonders die Zusammenarbeit der Nationen im All und erkundigte sich auch nach dem Befinden des deutschen Astronauten Hans Schlegel. „Wir als Deutsche und Europäer sind stolz, einen Beitrag zur ISS geleistet zu haben“, sagte Merkel.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos würdigte die Inbetriebnahme des in Bremen gefertigten Labors als „besonderen Tag für die europäische Luft- und Raumfahrt“. Nur rund 300 Kilometer entfernt schwebt die Raumstation ISS derzeit mit seiner sechsköpfigen Besatzung im All. „Etwa so weit entfernt wie Berlin von meinem Wahlkreis Stralsund - naja, nicht ganz“, scherzte die Kanzlerin.

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Eine Telefonleitung ins All aufzubauen ist keine einfache Sache. „Are you ready for the event? - Seid ihr bereit für das Event?“ tönt es aus Houston über den großen Bildschirm nach Berlin. Diesmal hatte Houston also kein Problem.

Als die Leitung in den Weltraum steht, begrüßt die Kanzlerin zusammen mit dem ehemaligen Astronauten Thomas Reiter und dem ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain die sechsköpfige internationale Crew auf Englisch, Russisch und Deutsch. Das erstes Wort aus dem All hat das einzige weibliche Besatzungsmitglied. „Wir sind glücklich hier zu sein“, sagt Astronautin Whitson ins Mikrofon.

„Das ist ja, als wären sie in der Nachbarschaft“, staunt Merkel über die einwandfreie Tonübertragung. Hans Schlegel, der vor wenigen Tagen einen Außeneinsatz hinter sich brachte, fragte Merkel: „Wie sieht die Erde von oben aus?“. „Fantastisch“, antwortete dieser. „Wir tun alles, was wir hier machen für die Menschen auf der Erde - um unsere Zukunft besser zu gestalten“.

Gemeinsam mit seinem US-Kollegen Rex Walheim hat er einen neuen Stickstofftank für das äußere Kühlsystem des ISS installiert. Schlegel ist nach Thomas Reiter der zweite Deutsche, der einen Weltraumaußeneinsatz unternimmt. Einen zuvor geplanten Außeneinsatz musste der 56-jährige wegen Unwohlsein absagen. Die US-Raumfähre Atlantis hatte das europäische Weltraumlabor Columbus nach einigen Startverzögerungen am 7. Februar auf den Weg zur internationalen Raumstation ISS gebracht. Das rund 880 Millionen Euro teure Labor wird vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im bayerischen Oberpfaffenhofen kontrolliert.

Auf die Frage des Moderators der Veranstaltung, ob die Kanzlerin denn als gelernte Physikerin selbst auch gerne mal ins All fliegen würde, antwortet sie: „Nein. Mir fehlt es da an den sportlichen Fähigkeiten.“

Den Vorschlag, politische Kontrahenten ins All zu schicken, kontert die Kanzlerin mit den Worten: „Das wär schade drum. Mit denen werden wir auch auf der Erde fertig“. Nach dem Telefonat - die Astronauten hatten sich Purzelbäume schlagend verabschiedet - mahnt Merkel in ihrer Rede, den „Glaube an Visionen“ zu erhalten. Man müsse neugierig bleiben, ansonsten werde Europa bald nur noch „ein schönes Museum“ sein. Sie betont auch, nach dem Kalten Krieg sei in der Raumfahrt „aus dem Wettlauf eine Kooperation“ geworden.

„Es wird vergessen, was uns die Raumfahrt alles gebracht hat - vom CD-Spieler bis zur Teflonpfanne“, sagte Merkel. Alle die, die mal ein Spiegelei braten, könnten der Raumfahrt ja mal einen guten Gedanken gönnen. Die Feierstunde zur Inbetriebnahme des großen europäischen Projekts fiel auf einen besonderen Tag - den Valentinstag. Grund genug für Wirtschaftsminister Glos, der Kanzlerin einen Blumenstrauß zu überreichen. „Es ist im Himmel wie auf der Erde - das Sagen hat eine Frau gehabt“, schließt der Minister.

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