HP-Entwicklungschef Phil McKinney: "Frauen sind konsequenter"

HP-Entwicklungschef Phil McKinney: "Frauen sind konsequenter"

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Phil McKinney ist Technologie- und Innovationschef der Computersparte von Hewlett Packard, dem größten PC-Hersteller der Welt.

HP-Entwicklungschef Phil McKinney über die Zukunft von Touchscreens, neue Ideen und weshalb Frauen für die Computerentwicklung besonders wichtig sind.

Mr. McKinney, wieviel Geräte tragen Sie mit sich herum?

Heute habe ich drei Laptops dabei – meinen HP Tablet PC für Präsentationen, meinen HP Mini für E-Mails und den sechs Kilo schweren Firebird Prototyp-Laptop, den wir für Computerspielenthusiasten entwickelt haben. Außerdem habe ich noch fünf Mobiltelefone dabei, drei davon sind geheime Prototypen.

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Welches Gerät hätten sie dabei, wenn Sie nur eins mitnehmen dürften?

Ganz klar: den Voice Messenger, ein Handy, das wir gemeinsam mit der Mobiltelefongesellschaft Vodafone entwickelt haben. Man kann mit dem Gerät E-Mails abrufen und im Internet surfen.

Sie sind bei HP für Innovationen zuständig. Wie kommen Sie auf neue Ideen?

Durch das Beobachten von Käufern. Ich bin oft samstags in den Elektronikmärkten im Silicon Valley unterwegs und schaue mir an, wie die Menschen einkaufen. Damit ich nicht wie ein Verrückter aussehe, der anderen hinterherspioniert, nehme ich oft meine Frau mit. Wir tun dann so, als ob wir einen neuen Fernseher suchen würden.

"Wir merken, wie wichtig Design ist."

Welche Beobachtungen haben Sie überrascht?

Ich bin immer wieder verblüfft, wie wichtig es ist, dass sich ein Gerät gut anfühlt. Frauen etwa mögen die Kälte von Aluminiumgehäusen nicht. Es geht also nicht nur um das Display, die Größe des Arbeitsspeichers oder der Festplatte – als Computerhersteller vergisst man so etwas schnell. Kürzlich beobachteten wir ein älteres Ehepaar, das einen Flachbildschirm kaufen wollte. Der Mann hakte die ganzen technischen Details ab, 50 Zoll Displaygröße, maximale HD-Auflösung. Seine Frau machte nur eine Bemerkung: Schatz, der passt aber nicht zu unseren Möbeln. Raten Sie mal, wer sich durchgesetzt hat.

Welchen Schluss ziehen Sie aus den Beobachtungen?

Wir merken, wie wichtig Design ist. Früher war das nur ein Lippenbekenntnis. Die Ingenieure entwickelten ein Produkt und gaben das einem Designer weiter. Heute ist der Designer von Beginn an dabei. Er beeinflusst das Produkt und recherchiert über das Leben potentieller Kunden. Entscheidend sind Fragen, wie es im Wohn- und Arbeitszimmer aussieht.

Wie stark beeinflussen Frauen die Gestaltung von Personalcomputern?

Sehr stark. Bei HP sind sie der Gradmesser, ob wir ein Produkt auf den Markt bringen oder nicht. Frauen gehen mit Technik anders um. Männer nehmen es regelrecht persönlich, wenn Technik mal nicht funktioniert. Sie probieren alles aus, laden Software herunter, stöben in Foren im Internet, verbringen den ganzen Samstagnachmittag damit.

Frauen sind konsequent: Wenn es beim ersten Mal nicht funktioniert, sind sie überrascht. Beim zweiten Mal genervt und danach wandert das Produkt entweder in den Müll, in den Keller oder zurück ins Geschäft. Frauen sind mehr an dem Nutzen interessiert, den das Produkt bringt, nicht daran, sie zum Laufen zu bringen.

Meine Frau testet regelmäßig Prototypen. Beispielsweise den Touchsmart-Computer, ein neuer Laptop, der mit Fingerberührung auf dem Bildschirm bedient werden kann. Den wollte sie nicht mehr hergeben, deshalb steht in unserer Küche immer noch der Prototyp. Aber sie hat auch schon ein Produkt regelrecht nach mir geworfen.

Was ist damit passiert?

Das Produkt – ich will nicht sagen, was es war – ist nicht auf den Markt gekommen.

Und das haben ihre Entwickler so akzeptiert?

Das ist natürlich verkürzt dargestellt. Selbstverständlich testen wir unsere Produkte ausgiebig mit Kunden, die zu ähnlichen Ergebnissen kamen. Aber in dem Fall war klar, das Produkt können wir nicht herausbringen.

Berührungsempfindliche Bildschirme setzen sich bei Smartphones durch. Bleiben sie bei Computern eine Nische?

Nein, ich denke, dass mit ihnen eine vollkommen neue Kategorie von Geräten entsteht, so wie bereits mit den Netbooks. Menschen werden die Berührungsängste mit Computern verlieren, wenn sie das Gerät mit den Fingern auf dem Bildschirm steuern können.

Wie erklären Sie sich das?

Wahrscheinlich liegt es daran, dass die neuen Geräte so einfach zu bedienen sind, wie ein Geldautomat.

Probleme bereiten allen Notebook-Herstellern die Akkus.

Ich bin sicher, dass wir in den nächsten Jahren einen Durchbruch erleben werden. Entweder, wir finden ein gänzlich neues Material, das Energie besser speichert. Oder wir entwickeln eine neue Speichertechnik – in Art der Brennstoffzelle etwa oder durch kinetische Energie, bei der der Akku durch Bewegung aufgeladen wird.

Momentan ist noch nicht erkennbar, aus welcher Richtung der Durchbruch kommt. Wir haben schon ein Notebook mit einem erweiterten Akku, das 24 Stunden durchhält. Aber das reicht nicht.

Wie lange muss das ideale Gerät durchhalten?

Unsere Studien haben ergeben, dass sich Kunden erst bei Laufzeiten von mehr als 48 Stunden nicht mehr ständig um den Akku sorgen.

Wie weit sind wir davon entfernt?

Das kann heute noch niemand sagen. Die 48-Stunden-Batterie gibt es übrigens heute schon. Man kann sie nur nicht anheben.

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