HSH Nordbank: Der überfällige Abgang

HSH Nordbank: Der überfällige Abgang

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WirtschaftsWoche-Redakteur Cornelius Welp

von Cornelius Welp

Die Eigentümer haben HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher das Vertrauen entzogen. Sein Abschied ist überfällig, ein Neuanfang wird schwer. Ein Kommentar von Cornelius Welp.

Es hat sich lange abgezeichnet, nun ist es soweit: Einstimmig haben die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein den Aufsichtsrat der ihnen mehrheitlich gehörenden HSH Nordbank aufgefordert, deren Chef Dirk Jens Nonnenmacher vor die Tür zu setzen. Aufsichtsratschef Hilmar Kopper wird sich dem klaren Votum kaum widersetzen können. Fraglich bleibt nur, ob der alte Mann des deutschen Bankwesens, der sein Schicksal lange mit dem des von ihm gestützten Bankchefs verknüpft hatte, auch selbst seinen Posten räumen wird.

Damit endet vorerst die merkwürdige Karriere eines der umstrittensten deutschen Bankmanager überhaupt. Nahezu von Beginn an hat Nonnenmacher polarisiert wie kaum ein anderer. Dass er zum öffentlichen Feindbild wurde, hatte - man muss es leider sagen - auch optische Gründe. Den Zopf, den er viele Jahre trug, hatte er zwar abgeschnitten. Doch die langen, schwarzen, gegelten Haaren und die häufig schwarze Kleidung trugen ihren Teil bei zum Image von „Dr.No“, dem Fürst der Finsternis. Ihm traute die Öffentlichkeit leicht alle Schandtaten zu.

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Anlass dazu gab es reichlich. Nonnenmacher erhielt einen Bonus in Millionenhöhe, obwohl die Gehälter in der Bank eigentlich auf 500.000 Euro beschränkt sein sollten. Nonnenmacher spielte eine immer noch ungeklärte Rolle bei der umstrittenen „Omega“-Transaktion, mit der die Bank Verluste aus der Krise verschleiern wollte, die letztlich aber alles nur schlimmer machte. Und Nonnenmacher geriet in Verdacht, einen Vorstandskollegen und einen Topmanager in den USA gemeinsam mit der Sicherheitsfirma Prevent unter höchst dubiosen, wenn nicht gar kriminellen Umständen aus der Bank befördert zu haben. Zudem berichteten Mitarbeiter gerne über das Sozialverhalten des Matheprofessors, das an Autismus gegrenzt haben soll. Kollegen in anderen Banken beklagten sich über Termine, zu denen Nonnenmacher ohne Entschuldigung einfach nicht erschien. All das hat den Blick aufs Wesentliche, die wirtschaftliche Entwicklung der HSH, verstellt. Die Bank hat auch in diesem Jahr Verluste gemacht, wenn auch weniger als erwartet. Wie viel davon Nonnenmachers Verdienst ist, ist umstritten.

Schwieriger Neuanfang

Es spielt nun auch keine Rolle mehr. Dass Nonnenmacher bisher kein strafrechtlich relevantes Verhalten nachgewiesen werden konnte, dass alle Verdächtigungen unbewiesen blieben, dass er selbst bis zuletzt entschlossen um seinen Posten kämpfte, ändert nichts daran, dass die heutige Entscheidung richtig ist. Die Eigner haben in erster Linie die Pflicht, Schaden von ihrem Eigentum abzuwenden. Eine bis auf weiteres fortgesetzte Diskussion darüber, wer wann wo wie und gegen wen intrigiert hat, gefährdet die Sanierung der Bank aufs äußerste. Wäre Nonnenmacher geblieben, hätten diese Fragen einen großen Teil seiner Arbeitszeit beansprucht. Dabei darf nicht vergessen werden, dass auch die Politik eine große Schuld am fortgesetzten Debakel der Nordbank trägt. Kopper hat schon Recht, wenn er die überzogenen Renditeerwartungen der Eigner in den Jahren vor der Krise anprangert, die die Bank erst in riskante Geschäfte getrieben hat. Damals wollte die HSH an die Börse. Davon ist schon lange keine Rede mehr.

Ein personeller Neuanfang wird schwierig. Kaum ein erfahrener Bankmanager wird sich für eine vergleichsweise moderate Bezahlung ins Wespennnest HSH setzen wollen. Zumal die Zukunft der HSH weiter unsicher ist. Als weltgrößter Schiffsfinanzierer hat die Bank zwar anders als andere Landesbanken ein klar fokussiertes Geschäftsmodell. Sie ist damit aber auch wie kaum ein anderes Institut von den Schwankungen der Konjunktur abhängig. Die Risiken sind weiter hoch, eine dauerhafte Gesundung der HSH ist keineswegs gesichert. Auf einen neuen Chef wartet jede Menge Arbeit. Er sollte von außen kommen, damit er von den Querelen der Vergangenheit definitiv unbelastet ist. Nur so kann er retten, was noch zu retten ist.

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