Hublot-Chef Jean-Claude Biver: "Die wirkliche Krise kommt nach der Krise"

Hublot-Chef Jean-Claude Biver: "Die wirkliche Krise kommt nach der Krise"

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Swiss watchmaker Hublot CEO Jean-Claude Biver attends an interview with Reuters at the eve of the opening of the Baselworld in Basel March 25, 2009. The world's leading watch and jewellery show Baselworld is to be held in Basel from March 26 to April 2. REUTERS/Christian Hartmann (SWITZERLAND BUSINESS SOCIETY HEADSHOT)

Mit Kreativität durch die Krise: Jean-Claude Biver, Chef von Hublot und charismatisches Enfant terrible der Luxusuhren-Industrie, über die wirtschaftlichen Gebote der Stunde.

WirtschaftsWoche: Der Absatz von Luxusuhren geht weltweit zurück. Wie sehen Sie die Zukunftsaussichten?

Biver: Es ist wie beim Bergsteigen. Da schaut man nicht in den Abgrund, sondern nach oben. Der Gipfel ist das Ziel! Die wirkliche Krise kommt nach der Krise. Dann sind nämlich neue Trends gefragt, weil die Menschen neue Einstellungen und Bedürfnisse haben. Wenn man diesen Trend nicht erwischt, kommt man nie wieder aus dem Schlamassel raus. Darum beschäftige ich mich vor allem mit der Zeit nach der jetzigen Krise, wobei ich meine Hoffnung auf das Jahr 2010 setze.

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Was raten Sie jetzt der Branche?

Erstens, du sollst nie die Kreativität, Innovation und Forschung bremsen. Jetzt muss man sie erst recht vorantreiben und darin investieren. Zweitens, du sollst die Kosten aufmerksam behandeln. Genau und sehr selektiv überprüfen, was rentabel ist. Drittens, du sollst unbedingt das richtige Produkt entwickeln, idealerweise damit sogar einen neuen Trend setzen.

Wie sieht denn die "After-Crisis"-Uhr aus?

Das Lebensgefühl nach der Krise wird Fröhlichkeit sein. Bloß weg von der Depression! Wir beschäftigen uns bei Hublot momentan mit der Farbigkeit, etwa mit farbigem Saphirglas. Außerdem spielen Damenuhren für uns eine größere Rolle, der Umsatz in diesem Segment steigt konstant. In diesem Frühjahr lancieren wir zudem eine neue Uhrenkollektion, die King Power, die ist schon ein bisschen Macho! Und 2010 kommt ein neues Hublot-Uhrwerk: Unicum, in ihm stecken gleich drei technische Weltneuheiten, aber mehr verrate ich nicht.

Lifestyle- oder Traditionsmarken, welche werden mehr Federn lassen?

Alle bekommen die Krise zu spüren. In den nächsten drei Jahren werden sogar einige sterben. Leider. Bedroht sind aber eher die kleinen, unabhängigen Marken. Firmen innerhalb einer großen Gruppe wird das nicht passieren. Dabei macht es kaum einen Unterschied, ob Lifestyle- oder Traditionsmarke. Allerdings laufen die Traditionellen schneller Gefahr, neue Trends zu verschlafen.

Weil die Kunden eher konservativ waren und nicht jeden Bling-Bling-Irrsinn mitmachten, wurde der deutsche Markt oft belächelt...

...und jetzt in der Krise ist Deutschland einer der besten Absatzmärkte. Gut behaupten sich auch die Schweiz und Frankreich. Ebenso London, wegen des günstigen Pfund-Wechselkurses. Die Deutschen sind sehr anspruchsvolle Kunden, weil sie wie bei Autos auch bei Uhren in technische Perfektion vernarrt sind. Ihnen habe ich meinen Erfolg mit Blancpain zu verdanken. Als ich Anfang der Achtzigerjahre die Marke mit mechanischen Uhren wiederbelebte, während überall Quarzuhren gefragt waren, waren sie die Ersten, die sich dafür begeisterten. In Deutschland begann der Mechanik-Boom, der den ganzen Globus eroberte – und bis heute anhält. Daher liebe ich dieses Land ...und wegen meiner Frau. Sie ist Deutsche.

Mit welchen Mitteln reagieren andere Marken auf den Abschwung?

Das interessiert mich nicht. Niemals den Konkurrenten beobachten! Wenn Sie das tun, sind Sie schon einen Schritt zu spät! Schauen Sie unbedingt auf die junge Generation. Ja, sogar auf Kinder-Spielzeug. Es sind immerhin die Kunden von morgen. Beachten Sie zudem die Autos, Kunst, Mode und Architektur. All das sind Quellen der Innovation, Kreativität und Inspiration.

Finanziell gesehen sind Sie ein gemachter Mann. Was treibt Sie an?

Im Grunde sind es Leidenschaft und Verantwortung. Sehen Sie, mit 18 Jahren ging in von zu Hause weg. Ich habe vier Jahre lang von 20 Uhr abends bis fünf Uhr morgens bei der Post Pakete geschleppt, ging anschließend zum Studieren. Meine Eltern wollten mich zwar finanzieren, aber ich wollte selber etwas erreichen. Geld interessiert mich nicht. Heute möchte ich meinen Kindern ein Vorbild sein. Mein ältester Sohn arbeitet für Hublot in Hongkong, eine Tochter arbeitet bei mir im Büro, wo ich sie täglich sehe, und was ich herrlich finde. Vor allem aber revolutionierte der Jüngste mein Leben. Heute ist Pierre neun Jahre alt; als er geboren wurde, war ich 51 und stand vor der Entscheidung: Willst du ihm ein Vater oder Opa sein? Der Unterschied besteht in der Dynamik.

Wie zeigt sich die Dynamik im Alltag? Zumindest Ihre E-Mails, regelmäßig abgeschickt morgens um vier Uhr, lassen Schlimmes ahnen.

Ich stehe meistens um drei Uhr auf und arbeite bis sieben. Dank Internet kann ich die 150 bis 180 E-Mails, die ich täglich erhalte, abarbeiten und Anweisungen geben. Dann mache ich oft das Frühstück für die Familie, wir essen zusammen. Um acht Uhr geht es ins Büro, und um 18.30 Uhr komme ich nach Hause zum gemeinsamen Abendessen. Zwischen 21 und 22 Uhr gehe ich ins Bett und schlafe vor dem Fernseher ein. Deshalb verpasse ich beim Fußball immer die zweite Halbzeit. Leider. Privat führe ich also eher ein Familien- als ein Eheleben. Meiner Frau gefällt das nicht immer...

Ihr Humor, Charisma, Enthusiasmus und Temperament sind legendär. Sind Sie auch mal weniger selbstbewusst?

Ich werde oft von Zweifeln geplagt. Schließlich bin ich der Boss und bei Hublot für alles verantwortlich. Viele meiner Mitarbeiter haben Familien zu ernähren. Solche Gedanken machen einen nicht immer selbstbewusst. Mir hilft dann der Schlaf – am nächsten Morgen sieht alles ganz anders aus. Zudem hatte ich stets Glück und eine Lebensphilosophie, die mir privat und beruflich hilft. Erstens: Teilen. Zweitens: Respektiere alle Menschen. Drittens: Verzeihen ist ein Liebesakt. Diese drei Regeln habe ich auch meinen Kindern auf die Badezimmerspiegel geschrieben – mit einem Lippenstift meiner Frau.

Im September feiern Sie Ihren 60. Geburtstag. Was steht auf der Wunschliste?

Keine Ahnung. Vielleicht feiere ich beim Almabtrieb. Ich habe 80 Kühe, die ich jeden September von der Alm über zehn Kilometer zu meinem Bauernhaus im Tal hinuntertreibe. Ich ahne jedoch, dass mich meine Familie und Freunde zum Geburtstag überraschen wollen. Wünsche habe ich zwei: Liebe und Leidenschaft. Beides habe ich schon, nur möchte ich sie weiter behalten. So bleibt man jung.

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