Hugo Boss: Das Wunder von Metzingen

Hugo Boss: Das Wunder von Metzingen

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Joachim Reinhardt, Finanzvorstand der Hugo Boss AG, heute auf der Bilanzpressekonferenz des Modekonzerns in Metzingen

Rätselhafte Finanzwelt: Da rühmen allenthalben gestandene Mittelständler, aber auch internationale Konzerne ihre hohe Eigenkapitalquote, preisen die dadurch gewonnene Unabhängigkeit von den Launen der Banken und Anleger und betonen, dass der Unternehmenswert auch deshalb so hoch sei, weil sie solide finanziert seien. Jetzt soll das alles mit einem Mal nicht mehr stimmen.

"Wir steigern durch die geplante Sonderausschüttung den Unternehmenswert", erklärte der Hugo-Boss-Finanzchef Joachim Reinhardt bei der heutigen Vorstellung der Geschäftszahlen des schwäbischen Modekonzerns. Anders ausgedrückt: Man entziehe einem Unternehmen über 400 Millionen Euro durch eine Dividendenzahlung, die fast das Dreifache des Jahresüberschusses beträgt, senke damit die Eigenkapitalquote von 52 auf 20 Prozent und mache damit das Unternehmen wertvoller. Diese neue Mathematik war sowohl für den Ende Februar ausgeschiedenen Vorstandschef Bruno Sälzer zu hoch wie für Logistik-Vorstand Werner Lackass, der Anfang des Monats ging und offenbar auch für den Aufsichtsratsvorsitzenden Guiseppe Vita, der nach der Hauptversammlung im Mai ausscheiden wird. Wobei der Rückzug von Vita - so teile Reinhardt heute mit - nur zufällig zur gleichen Zeit bekannt wurde wie die Pläne zur Sonderausschüttung. Vita sei über 70 und habe schon seit einiger Zeit daran gedacht, sein Amt niederzulegen. Eine Bemerkung, die unter den Journalisten Kopfschütteln hervorrief.

Zurück zur neuen Arithmetik: Weniger Eigenkapital bringt bessere Kennzahlen für die Rendite - das erscheint nach einigem Nachdenken durchaus noch logisch. BWL-Studenten lernen auch, dass Eigenkapital in der Regel teurer ist als Fremdkapital. Aber muss der Schluck aus der Pulle gleich so groß sein? Haben die Eigentümer das nötig? Seit knapp einem einem Jahr kontrolliert die britische Beteiligungsgesellschaft Permira Boss. Mit 3,4 Milliarden Euro haben die Briten für Boss und dessen Muttergesellschaft Valentino allerdings einen deutlich überhöhten Preis gezahlt. Zwei Drittel der Summe soll Permira mit Krediten finanziert haben. 

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Jetzt setzt die Finanzkrise die Beteiligungsgesellschaften unter Druck. Eine Finanzierung wie im Falle Boss-Valentino wäre heute nicht mehr möglich. Auffallend ist, dass die zu erwartenden Gerüchte über ihre  finanzielle Situation die Permira-Manager nicht vor der Selbstbedienung zurückschrecken ließ. Ebenso wenig wie der Abgang der Manager schreckte wohl die Tatsache, dass die Entscheidung über die Dividendenhöhe gegen die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat durchgesetzt werden mußte - ein fast beispielloser Vorgang in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. "Einmal kann man das viellleicht machen, ohne dass ein kerngesundes Unternehmen wie Boss zusammenbricht", sagt ein Arbeitnehmervertreter, "aber wissen wir, ob Permira sich damit begnügt?" 

Fest steht: Nachdem sich die Heuschreckendebatte in den vergangenen Monaten sich versachlicht hatte, kommt nun wieder Emotionalität in die Diskussion. Ihrer eigenen Branche, der Private-Equity-Industrie, haben die britischen Boss-Investoren mit ihrer Maßlosigkeit einen Bärendienst erwiesen. 

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