
Mit der schwäbischen Sparsamkeit nimmt Hugo Boss es bei seinen Shoperöffnungen nicht so genau - da darf es auch mal ein Champagner sein. Teuer wird die Expansionsfreude des Metzinger Modehauses aber nicht nur bei der Getränkebestellung. Mit 41 Flagship-Stores in exklusiven Lagen wie an der New Bond Street in London dürfte Hugo Boss unter den europäischen Luxusmarken bereits die höchsten Mietkosten haben - und immer neue Vorzeigeläden kommen hinzu
Im Wettlauf um repräsentative Ladenflächen riskiert nicht nur das deutsche Unternehmen weiter steigende Mieten, mit denen der Umsatz in den Flagship-Stores kaum mithalten kann. Auch Konkurrenten wie Prada, Chanel und Louis Vuitton nutzen Luxusläden, um ihr Image zu festigen. "Die Nachfrage aus der Luxusbranche war in den letzten Monaten extrem hoch", erklärt Doris von Muschwitz vom Immobilienberater Jones Lang LaSalle.In einer aktuellen Studie hat JLL festgestellt: Nie zuvor kostete ein Quadratmeter auf den luxuriösen Einkaufsstraßen in Rom, Paris oder London so viel wie heute. Und von Muschwitz schätzt: "Die Mieten in den besten Lagen werden kontinuierlich ansteigen."
Am teuersten ist laut der Studie derzeit die New Bond Street in London, auf der auch Hugo Boss seit Anfang des Jahres seinen eigenen Laden betreibt. Pro Jahr und Quadratmeter werden dort knapp 8000 Euro fällig. Im Vergleich dazu: Ein Quadratmeter auf der Kölner Schildergasse, der am stärksten frequentierten Einkaufsstraße Europas, kostet rund 2500 Euro.
"Wir sind überzeugt, dass wir ein lohnendes Investment getätigt haben", heißt es aus dem Unternehmen. Mit Umsatzzahlen aus den Läden will Hugo Boss das aber nicht belegen. Von durchschnittlich 6000 Euro pro Quadratmeter war indes noch vor einem Jahr im Umfeld des Unternehmens die Rede.
Vom Verlustbringer Flagship-Store spricht daher auch der Bonner Handelsprofessor Thomas Roeb. Doch gerade aufstrebende Luxusunternehmen können nicht auf die teuren Standorte verzichten: "Die Marken brauchen repräsentative Läden als Prestigeobjekt, um sich im Premiumsegment zu positionieren." Die Kaufkraft der Kunden sei jedoch an anderer Stelle zu finden, glaubt Roeb: "Um Gewinne zu machen, müssten die Marken eigentlich in Städte wie Hannover oder Bielefeld expandieren."
Konkurrenz im Netz
Oft ist es daher das Ladennetz, das wegen seiner hohen Kosten in der Krise zuerst ausgedünnt wird. Noch vor seiner Insolvenz schloss zum Beispiel Escada in der Rezession 2003 viele seiner Läden. 2009, im Jahr der Pleite, musste sogar der New Yorker Flagship-Store weichen.
Momentan können sich viele Unternehmen ihre Expansion in die Luxusmeilen leisten. "Der Luxusgütermarkt hat seit der Wirtschaftskrise eine hohe Dynamik entwickelt", so Lars Lusebrink, bei Independent Research als Analyst für die Branche zuständig. Er warnt jedoch: "Den europäischen Markt würde die nächste Krise ebenso hart treffen wie die Rezession 2009."Wie Krisenzeiten selbst den Großen zusetzen, zeigt sich am Mischkonzern Richemont, zu dem etwa Cartier und Jaeger-LeCoultre gehören. Nach der Finanzkrise mussten die Schweizer nicht nur Umsatzrückgänge hinnehmen. Die hohen Fixkosten trugen auch zu einer Gewinneinbuße von rund 30 Prozent bei.
Hinzu kommt: Die luxuriösen Einkaufsmeilen bekommen im Netz virtuelle Konkurrenz. Die muss keine teuren Mieten zahlen, bringt aber verlässliche Erlöse. Das Online-Shoppingportal Net-a-Porter etwa, auf Luxusmode spezialisiert, soll seine Verkäufe in der Finanzkrise um fast 50 Prozent gesteigert haben. Unter den Luxusmarken mit Flagship-Stores verzeichneten im selben Zeitraum allenfalls Luxusriesen wie LVMH einen - geringen - Umsatzanstieg.













