Hypo Real Estate: Zornige Aktionäre machen sich Luft

Hypo Real Estate: Zornige Aktionäre machen sich Luft

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Eine Demonstrantin gegen die Hypo Real Estate vor der außerordentlichen Hauptversammlung des Konzerns mit einem Schild mit der Aufschrift "Hypo Fake Estate"

Heute soll auf der Hauptversammlung die Hypo Real Estate verstaatlicht werden. Die Altaktionäre sehen sich ausgebootet - und machen ihrem Ärger Luft. Ein Vor-Ort-Bericht von WirtschaftsWoche-Redakteurin Anke Henrich.

"Aufhängen" brüllt ein erboster Aktionär durch den düsteren, zugigen Versammlungssaal, als der Vorsitzende des Aufsichtrats der Hypo Real Estate in seiner Begrüßungsrede erklärt, der alte Vorstand sei komplett zurückgetreten. Ein ungewöhnlicher Beginn für eine Hauptversammlung. Allerdings ist es eine außerordentliche, nicht nur, was das Aktienrecht angeht.

Die Hypo Real Estate (HRE) hat eingeladen, um eine Kapitalerhöhung von maximal 5,6 Milliarden Euro zu Gunsten des Staates durchzuboxen. Einziger Abnehmer der Aktien aus der Kapitalerhöhung soll der Bund sein, der danach 90 Prozent der Anteile halten würde. Dann können die übrigen Alt-Aktionäre im Rahmen eines Squeeze Out ausgezahlt und ausgebootet werden. Nach dem Übernahmeangebot für die Hypo Real Estate hält  der Bund bereits rund 47 Prozent der Anteile. Dass der Antrag auf Kapitalerhöhung gegen die Stimmen des Bundes abgelehnt wird, gilt als sehr unwahrscheinlich.

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Die Atmosphäre ist angespannt im Auditorium mit rund mehreren hundert Aktionären. Auffällig viele ältere Leute sind darunter und auffällig viele zornige. Als Michael Endres, der vom Amtsrichter eingesetzte Aufsichtsratsvorsitzende, die Aktionäre eindringlich aber wie fern aus dem wahren Leben bittet, sie mögen ihrem Ärger zu allen Problemen und Personalien der Bank doch bitte erst auf der ordentlichen Hauptversammlung im August diesen Jahres Luft machen, - schließlich stehe jetzt nur die Frage der Kapitalerhöhung auf der Tagesordnung - erntet er Buhrufe. Kein Wunder bei einem Aktienkurs, der von mehr als 55 Euro Anfang 2006 auf heute rund 1,50 Euro gerauscht ist.

Dann übernimmt der neue Vorstandschef Axel Wieandt das Mikrofon. 20 Din-A4-Seiten lang ist seine Brandrede, seine Verteidigungsschrift. Wie Heinz Rühmanns Jüngster mit seinem akkuratem Scheitel und runder Hornbrille arbeitet er sich allen berechtigten Einwürfen und dummen Pöbeleien zum Trotz pedantisch durch sein Redeskript. Ein Heer von HRE-Anwälten dürfte zuvor jedes Wort des 42-Jährigen auf die Goldwaage gelegt haben. Jeder Satz, jede Ankündigung dürfte von den vielen Feinden des HRE-Vorstands gedreht und gewendet werden. In den 27 vorliegenden Gegenanträgen ist allein der offizielle Ärger festgehalten, durch den sich die Hauptversammlung im Anschluss an Wieandts Redefluss arbeiten muss. Viel Neues finden sie dort nicht.

Konzepte für die Zeit in Staatshand

Auszüge aus Wieandts Rede: Die HRE sei für die Hilfe des Bundes außerordentlich dankbar, denn die Alternative wäre das Ende der Bank gewesen. Auch zur Kapitalerhöhung zu Gunsten des Bundes gebe es keine  Alternative: Kein anderer Aktionär sei in der Lage, die Zukunft des Immobilienfinanzierers zu sichern. Die Barabfindung an die rauszukaufenden Aktionäre werde angemessen ausfallen. Insgesamt habe die Bank 102 Milliarden Euro Liquiditätshilfe des Staates in Anspruch genommen, für die entsprechend hohe Kosten zu tragen seien.

Die strategische Neuausrichtung werde Jahre in Anspruch nehmen und unter Kontrolle der Soffin (Sonderfonds Finanzmarktfinanzierung) und der Europäischen Kommission in Brüssel stehen. In Zukunft werde sich die Bank auf kundenfokussierte Immobilien- und Staatsfinanzierung konzentrieren, man werde mit professionellen Immobilieninvestoren zusammenarbeiten, finanziert vor allem über Pfandbriefe. Die HRE werde sich aus Schwellenländern zurückziehen, Infrastrukturprojekte beenden und sich "aus nicht kundenbezogenen Kapitalmarktaktivitäten zurückziehen". Ach ja, und man habe begonnen "funktionsfähige Prozesse für das Risikomanagement und das Liquiditätsmanagement zu etablieren" - der Satz "besser spät, als nie" bleibt dabei den HRE-Aktionären im Halse stecken.

15 weitere Standorte werden geschlossen; bis zum Jahresende werden mehr als die bisher 300 bekannten Arbeitsstellen abgebaut. Tochtergesellschaften, die nicht zum Kerngeschäft gehören, verkauft.

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