Rolf Schellmann könnte ein zufriedener Mittelständler sein. Als Event-Manager ist der 39-Jährige aus dem mittelfränkischen Bechhofen gut im Geschäft, das frühere Bauträgergeschäft seiner Familie hat er weitgehend abgewickelt. Tatsächlich hängt er mit rund 15 Millionen Euro Schulden in der Luft und muss fürchten, von einer ihm unbekannten Gesellschaft namens Trafalgar Land Second B.V. in Amsterdam finanziell hingerichtet zu werden. Kommt es hart auf hart, verlieren sogar die Stadt Mainz und der Freistaat Bayern Geld. Die düstere Perspektive verdankt das Trio einem Deal der teilstaatlichen Düsseldorfer IKB-Mittelstandsbank. Denn die hat den Hypothekarkredit, den sie Schellmann für eine Immobilie in Mainz gewährt hatte, im Stillen verkauft. Der Betrag, heißt es in Londoner Finanzkreisen, sei Teil eines 200 Millionen Euro schweren Forderungspakets gewesen, das die IKB im Frühjahr anderen Finanzhäusern angeboten habe – zum Schleuderpreis von 70 Cent pro Euro Grundschuld. Die IKB bestätigte gegenüber der WirtschaftsWoche nur den Verkauf von rund 15 Millionen Euro und die Größenordnung des Preises. Mit den Details des Falls konfrontiert, gab die Bank ansonsten keine weitere Stellungnahme ab. Womöglich brauchten die Düsseldorfer damals schnell Geld, weil ihnen die US-Subprime-Hypotheken-Geschäfte zu heiß wurden. Der mittelfränkische Unternehmer zählt möglicherweise zu den ersten Opfern der riskanten Geschäfte mit minderwertigen US-Hypotheken, deretwegen die IKB Ende Juli in eine Existenzkrise zu schlittern drohte. Nur durch eine milliardenteure Rettungsaktion der staatseigenen KfW-Bank, die 38 Prozent an der IKB hält, sowie anderer Kreditinstitute konnte die Bank damals vor dem Aus bewahrt werden. So viel Glück hat Schellmann nicht. Dabei hätte er es aus eigener Kraft geschafft, seine Schulden bei der IBK zu begleichen. Es geht um 12,1 Millionen Euro für 600 möblierten Appartements in Mainz, in der Studenten und Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes aus dem benachbarten Wiesbaden wohnen. Als die Schellmann-Familie 2001 als Bauträger von Pflegeheimen und Gebäuden für behindertengerechtes Wohnen Schiffbruch erlitten hatte, konnte sie die Kredite immer weniger bedienen. Daraufhin beantragte die IKB im April 2006 im Grundbuch die Zwangsverwaltung und -versteigerung der Wohnanlage in Mainz. Schellmann aber gab nicht auf, sondern versprach, Käufer zu suchen. Für den Erfolgsfall sicherte ihm die IKB zu, gegen Zahlung von 12,1 Millionen Euro ihre Ansprüche im Grundbuch zu löschen. Am 30. März 2007 war er soweit, ein Düsseldorfer Notar beurkundete den Kaufvertrag, schrieb die im Grundbuch vermerkten Gläubiger an und bat um Freistellung von den Belastungen. Fast alle Gläubiger willigten ein, nur die IKB rührte sich nicht. Erst am 29. Mai teilte die IKB Schellmann mit, dass sie die Grundforderungen an die Trafalgar Land Second in Amsterdam verkauft hatte. Schellmann fühlte sich wie vom Blitz getroffen. Er hatte auf die Zusage der IKB (Slogan: „Die richtige Bank für Unternehmen, die einen langfristigen Finanzierungspartner suchen“) vertraut, von der die Banker plötzlich nichts mehr wissen wollten. „Ich bin jetzt weiter zurückgeworfen als zuvor“, klagt Schellmann. Denn die neuen Eigentümer seiner Schulden wollen von der Vereinbarung mit der IKB nichts wissen. Gekauft hat Trafalgar Schellmanns Grundschulden bei der IKB für weniger als zehn Millionen Euro – „billig geschossen“, meint ein Berater der Amsterdamer Gesellschaft. Die 12,1 Millionen Euro, die Schellmann noch immer anbietet, sind Trafalgar zu wenig, lässt deren Anwalt verlauten.
Trafalgar ist inzwischen nicht mehr der einzige Gegner. Die Amsterdamer haben einen Großteil der ursprünglichen IKB-Hypothek weitergereicht – an die australischen Macquarie Bank. Beide wollen nun die Zwangsversteigerung betreiben, Schellmann könne ja zu „garantierten“ 14,7 Millionen Euro zugreifen. „Eine ganz harte Nummer“ nennt das der Anwalt des Mittelständlers. Denn auf diese Weise würden Trafalgar und Macquarie die übrigen Gläubiger ausbooten, die im Grundbuch nachrangig vertreten sind. Dazu gehören die Stadt Mainz mit gut 43.000 Euro und der Freistaat Bayern mit 10 508 Euro Forderungen. Schellmann fühlt sich von der IKB getäuscht. „Milliarden haben die in den USA für Subprimes ausgegeben, und hier werden Mittelständler für wenig Geld an die Wand genagelt“, schimpft er. Die IKB dagegen sieht sich rechtlich nicht mehr zuständig, schreiben ihm die IKB-Juristen, „da wir nicht mehr Gläubigerin sind“. Bleibt die Frage, wie das der IKB-Hauptaktionär sieht, die KfW-Bank , deren Vorstandsvorsitzende Ingrid Mattäus-Meier sowie KfW-Verwaltungsratchef Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Schon an diesem Montag können sie im KfW-Verwaltungsrat in Berlin über den Fall sprechen. „Sie sollten zumindest wissen“, sagt Schellmann, „wie mit ihren Kunden umgesprungen wird.“













