IDS Scheer-Übernahme geplant: Großfusion auf dem deutschen Softwaremarkt

IDS Scheer-Übernahme geplant: Großfusion auf dem deutschen Softwaremarkt

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Karl-Heinz Streibich, Vorstandsvorsitzender der Software-AG

Die Software AG will für fast eine halbe Milliarde Euro den Wettbewerber IDS Scheer übernehmen. Das zweitgrößte deutsche Softwarehaus würde damit zum Umsatzmilliardär. Trotzdem sind Experten skeptisch.

Spekuliert wurde immer wieder, nun ist es soweit: IDS Scheer wird übernommen. Die Software AG will den kleineren Konkurrenten für 482 Millionen Euro schlucken. Das zweitgrößte deutsche Softwarehaus bietet 15 Euro pro Aktie – das ist ein Aufschlag von fast 40 Prozent auf den gestrigen Kurs der IDS Scheer Papiere. Durch die Übernahme würde ein Hersteller für Infrastruktur-Software und Geschäftsprozess-Management mit mehr als 6.000 Mitarbeitern und mehr als einer Milliarde Euro Umsatz entstehen.

Ein Analyst zeigte sich ein wenig überrascht von der Übernahme. „Eigentlich war immer SAP als Käufer von IDS am Markt gehandelt worden, da beide ohnehin schon eng zusammenarbeiten“, sagte der Experte. Nicht überraschend sei allerdings, dass Software AG eine größere Übernahme tätigt – dies sei oft genug angekündigt worden. Auch der Preis liege in einer Größenordnung, die zu stemmen sei.

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Analysten sehen Plan der Software AG skeptisch

Dem Zusammenschluss steht wenig im Wege, denn die Software AG hat sich bereits die Unterstützung der IDS Scheer Gründer gesichert, die zusammen fast die Hälfte der Anteile besitzen.

Auch eine Zustimmung des Großteils der übrigen Aktionäre ist zu erwarten, IDS-Scheer-Aktien stiegen um 38,4 Prozent auf 14,95 Euro und notierten damit fast auf dem Übernahmeangebot von 15 Euro je Aktie. Einspruch könnte es allerdings von anderer Stelle kommen: „Die Kartellbehörden noch ein Wörtchen mitzureden haben, sagte ein Experte.“ 

Denn im Produktportfolio gibt es einige Überschneidungen. Beide Unternehmen bieten Software und Dienstleistungen zur Optimierung von Geschäftsprozessen an. So sind einige Analysten und Branchenexperten bei der Bewertung auch skeptisch. Aktien der Software AG fielen um 4,4 Prozent auf 48 Euro.

„Auf den ersten Blick gefällt uns die Übernahme nicht wirklich“, erklärte Commerzbank-Analyst Thomas Becker. Die Commerzbank senkte ihre Anlageempfehlung auf „hold“ von „add“ und reduzierte ihr Kursziel deutlich auf 48 von 55 Euro. 70 Prozent des EBIT mache IDS mit der Business Process Management Software ARIS, diese ergänze sich stark mit webMethods von Software AG.

Seit langem Probleme bei IDS Scheer

„Ich finde die Prämie etwas hoch“, kritisierte ein Analyst. „Wobei wahrscheinlich die Gründer, die knapp die Hälfte der Anteile halten, zu weniger nicht verkauft hätten“. Auch die LBBW stufte das Geschäft als „leicht negativ“ ein. Mehrere Analysten kritisierten, dass der Kauf die Margen der Software AG verwässere.

IDS Scheer leidet seit langem unter seiner geringen Profitabilität. So erzielte das Unternehmen im vorigen Jahr eine EBITDA-Marge von knapp neun Prozent, die Software AG kam dagegen auf eine Gewinnmarge fast 29 Prozent.

Im vergangenen Jahr waren die Schwierigkeiten von IDS Scheer immer gravierender geworden. Das Auslandsgeschäft zeigte wenig Erfolge, zwei Vorstände scheiterten an der Aufgabe gescheitert, IDS Scheer zum internationalen Durchbruch zu verhelfen. Zudem liefen Softwareverkauf und Beratung teils wenig kontrolliert nebeneinander her, das Beratungsgeschäft warf kaum Gewinn ab.

So stiegen die Ausgaben schneller als die Umsätze – die Gewinnmarge schrumpfte von rund 14 Prozent im Jahr 2003 auf sechs Prozent. „Das Management hat das Unternehmen nicht mehr richtig im Griff“, schimpfte Unternehmensgründer August-Wilhelm Scheer und zog die Notbremse.

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