Image-Probleme: Airlines müssen sich mit Flugzeugherstellern verbünden

KommentarImage-Probleme: Airlines müssen sich mit Flugzeugherstellern verbünden

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Luftaufnahme des Flughafens in Frankfurt am Main: Die Flugbranche bräuchte dringend einen schlagkräftigen, gemeinsamen Verband

von Rüdiger Kiani-Kreß

Gegen ihr schlechtes Image kämpft die Flugbranche mit einem neuen Gutachten. Doch viel dringender als wissenschaftliche Werke braucht sie endlich einen gemeinsamen Dachverband aus Fluglinien, Airports, Luftüberwachung und Flugzeugherstellern. Ein Kommentar von Rüdiger Kiani-Kress.

Es gibt sie also doch noch, die Initiative Luftverkehr für Deutschland als Dachverband der heimischen Flugbranche. Der in den vergangenen Monaten kaum wahrnehmbare Club der Branchenriesen Lufthansa, Deutsche Flugsicherung sowie der Flughäfen in Frankfurt und München meldet sich mit einem Gutachten zurück. Endlich, möchte man sagen, endlich geht die Branche mal in die Offensive und tut was gegen ihr schlechtes Image und den politischen Gegenwind, der es zunehmend populär macht ihr in die Kasse zu greifen.

Im April schlossen die Behörden wegen der Wolken isländischer Vulkanasche den europäischen Luftraum und überließen es den Fluglinien, gestrandeten Passagieren Hotels und Verpflegung zu zahlen, als ob Naturkatastrophen allein Sache der Airlines und Airports wären. Und seit dem 1. September müssen die Fluglinien für jeden Passagier Extrasteuern zahlen – und das ohne eine gesetzliche Grundlage.

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Doch auch mit ihrem jüngsten Projekt vermittelt die Initiative keine Aufbruchstimmung. Bereits das erste Wort „Verkehrsträgeranalyse“ verschreckt alle außer den Enthusiasten. Und auch die sind nicht gerade überrascht, wenn sich die Branche wieder mal die beste Ökobilanz aller Verkehrsträger bescheinigt. Das wird die geplante Steuer nicht aufhalten und auch künftige Belastungen nicht verhindern.

Interessensvertretung so schwach wie die Bilanzen

Denn die Branche ein großes Imageproblem. Selbst bei den Bürgern des Reiseweltmeisters Deutschland steht sie nicht für Urlaub, Fernweh und Exporte, sondern gilt als Buhmann, kaum besser als die Waffenindustrie. Fliegen gilt als hochsubventioniert – obwohl jeder Passagier beim Blick auf seine Flugrechnung sieht, dass der Airline vor lauter Abgaben oft nur ein Bruchteil des Ticketpreises bleibt. Dazu kommt der Ruf als Umweltschädling Nummer eins, obwohl Flugreisen weltweit nur etwa drei Prozent aller Treibhausgabe ausstoßen - und die Landwirtschaft 18. Hätten die Bauern die Lobbyisten der Flugbranche, gäbe es wahrscheinlich längst eine happige Sondersteuer auf den Fleisch. Doch obwohl die Viehzucht die Umwelt besonders stark belastet, fordern das fordern nicht mal militantesten Gegner des Luftverkehrs.

Doch Mitleid mit den Fliegern wäre fehl am Platz. Ihr Image haben sie sich zu einem großen Teil selbst zuzuschreiben. Denn im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen ist ihre Interessenvertretung ist so schwach wie ihre Bilanzen. Trotz relativ ähnlicher Probleme leisten sich die Flieger gleich drei Verbände, einen für die Fluglinien, einen für die Airports und einen der Flugzeughersteller. Und die arbeiten oft mehr gegen als miteinander und sie sind gelegentlich auch intern uneins. So empörten sich die Flughäfen zwar gegen die neue Steuer. Doch der Chef von Fraport, Betreiber des größten Flughafens Frankfurt, hielt sie dann zuerst für doch nicht so schlimm und korrigierte sich dann ein paar Tage später.

Dagegen helfen der Branche nicht mehr Gutachten, sondern ein Dachverband. Ein Zusammenschluss aller Fluglinien, Flughäfen, der Flugsicherung und am besten auch der Flugzeughersteller der im Stil des Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau trotz aller Gegensätze in Details als einheitliche starke Interessenvertretung fungiert.

Das würde auch das zweite Problem der drei Miniverbände lösen: die Fachkenntnis. Abseits des politischen Felds habe ich als Journalist nur bei den Flughäfen richtige Sachkunde erlebt. Beispiel Folgen der Passagiersteuer: Hier verkünden Manager und Funktionäre laut, die Abgabe werde sieben Millionen Passagiere aus Deutschland verjagen und rund 20.000 Jobs kosten. Doch wer mal genauer fragt, wie das denn errechnet wurde und an welchem Flughafen wie viel Kunden fehlen, erntet kaum mehr als ein Schulterzucken. 

Viele in der Branche – und außerhalb – diskutieren die Idee eines Dachverbands bereits seit längerem. Vielleicht sorgt das Desaster bei der Passgiersteuer endlich dafür, dass er nun auch kommt.

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