Imageverlust der Wirtschaft: Unternehmensführer äußern erstmals deutliche Selbstkritik

Imageverlust der Wirtschaft: Unternehmensführer äußern erstmals deutliche Selbstkritik

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Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) plant eine Kampagne gegen den Mindestlohn

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) plant eine Kampagne gegen den Mindestlohn. Das habe das Präsidium der BDA auf seiner Sitzung am vergangenen Montag beschlossenen, wie das Magazin WirtschaftsWoche berichtet.

Diese Kampagne soll zwei Phasen umfassen. Bevor das Bundeskabinett eine Entscheidung zum Mindestlohn trifft, wollen die Arbeitgeber in einer ersten Phase verstärkt Einfluss auf Politik und Meinungsbildner nehmen. Abgeordnete sollen etwa Betriebe besuchen, um dort die Schädlichkeit von Mindestlöhnen zu erkennen. In einer zweiten Phase wollen die Arbeitgeber verstärkt an die Öffentlichkeit gehen.  

In der Wirtschaft herrschen angesichts des politischen Linksrucks und der Debatte um die Schließung des Bochumer Nokia-Werks derzeit Zweifel an der eigenen Außendarstellung. Prominente Wirtschaftsvertreter fordern in der WirtschaftsWoche, dass sich Manager und Verbände künftig stärker öffentlich engagieren und ihre Standort-Entscheidungen besser kommunizieren müssten.

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Air-Berlin-Chef Joachim Hunold sagte der Wirtschaftswoche, es käme oft genug vor, dass Unternehmensführer „unglücklich“ kommunizierten – „wie beispielsweise die Großbank, die zeitgleich mit ihrem Rekordgewinn den Abbau von mehreren Tausend Arbeitsplätzen verkündet, oder der Handy-Hersteller, der bei sieben Milliarden Euro Gewinn einen Standort schließen will.“ Zudem gebe es Unternehmer und Manager, die nicht über den eigenen Tellerrand hinausschauten: „Getrieben vom Druck der Börsen nach immer höheren Gewinnen, entlassen sie Leute oder verlegen Betriebe in Billiglohnländer, ohne darüber nachzudenken, dass sie damit das heimische Konsumklima verschlechtern“, sagte Hunold.

Henkel-Chef Ulrich Lehner forderte ein „aktives Einbringen“ der Wirtschaft: „Wir Unternehmer und Manager müssen über unser Tun Rechenschaft ablegen – nicht nur gegenüber Aktionären, Kunden und Mitarbeitern, sondern auch gegenüber der breiten Öffentlichkeit.“ Die fehlende Präsenz von Unternehmern und Managern in gesellschaftspolitischen Debatten werde häufig bemängelt – „diese Präsenz ist aber dringend nötig“, so Lehner.

Daimler-Aufsichtsratschef Manfred Bischoff sagte der WirtschaftsWoche: „Ein Unternehmen, das langfristig erfolgreich ist, benötigt nicht nur Akzeptanz am Markt, sondern auch in der Gesellschaft.“ Allerdings kritisierte Bischoff Vorwürfe aus Politik und Gesellschaft gegen angeblich „vaterlandslose Gesellen“ in den Wirtschaftsführungsetagen: „Ich sehe mit großer Sorge, wie die Leistungseliten in unserer Gesellschaft sich gegenseitig der Unfähigkeit, Gier, Unmoral und Faulheit bezichtigen.“

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser mahnte die Unternehmer in Deutschland, an ihre gesellschaftliche Vorbildfunktion zu denken. „Etliche von uns Unternehmern haben nicht immer beispielhaft gewirkt.“ Die große Masse der Unternehmen allerdings habe „Glänzendes geleistet“ und werde „von ihren Belegschaften getragen“, sagte Kannegiesser.  „Ohne Frage müssen wir uns jedoch wieder noch mehr den Anliegen und Fragen unserer Mitarbeiter zuwenden.“ Nicola Leibinger-Kammermüller, Chefin der Trumpf-Unternehmensgruppe, Siemens-Aufsichtsrätin und Mitglied im Rat für Innovation der Bundesregierung, sagte, zwar habe die Wirtschaft ihre Positionen nicht immer deutlich genug vermittelt, es sei aber auch „Fakt, dass die Wirtschaft darin zu wenig von der Politik unterstützt wird“. Mit Blick auf Standortschließungen sagte sie: „Es gibt nun einmal Branchen, da lassen sich hierzulande keine ausreichenden Gewinne mehr erzielen. Das muss man sagen, auch wenn es weh tut.“

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte der WirtschaftsWoche, Nokia sei „ein Beispiel für Staatsversagen, nicht für Marktversagen“. Wenn ein Land ein Unternehmen mit großzügigen Subventionen locke, dürfe es sich nicht wundern, „dass das Unternehmen weiterzieht, wenn es andernorts mehr Subventionen geboten bekommt“.

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