Immobilien: Die Courtage zahlt der Verkäufer

Immobilien: Die Courtage zahlt der Verkäufer

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Makler Harald Blumenauer

Vom Top-Funktionär zum Nestbeschmutzer: Wer ist der Mann, der Deutschlands Immobilienmakler mit einem frechen Geschäftsmodell zur Weißglut treibt?

Harald Blumenauer genießt die Aufmerksamkeit, die ihm neuerdings zuteil wird. Die Halbbrille hoch ins Haar geschoben, den Krawattenknoten gelockert – so wartet der 55-Jährige gut gelaunt am Bahnhof von Bad Soden. Es geht darum, den Schauplatz von Blumenauers dritter Karriere kennenzulernen, die derzeit Top-Thema und Top-Ärgernis der schätzungsweise 40.000 deutschen Immobilienmakler ist.

Karriere Nummer eins absolvierte er im Familienunternehmen Blumenauer Immobilien Holding, das sein Vater 1949 gründete und das bald in der oberen Branchenliga spielte. 1968 stieg Sohn Harald da ein – da war er gerade 16. Als das Unternehmen 1998 von der Aachener und Münchener Beteiligungsgesellschaft, die zur AMB Generali gehört, übernommen wurde, war es mit 300 Maklern in 19 deutschen Niederlassungen einer der größten Haus- und Wohnungsvermittler im Lande.

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Fast 1000 Euro zu zahlen mit dem Risiko, trotzdem auf der Wohnung oder dem Haus sitzen zu bleiben, dazu ist sicherlich nicht jeder bereit. Trotzdem reagiert die Maklerszene alarmiert und allergisch auf den Tabubruch. „Verbandsschädigendes Verhalten“ und „wettbewerbsrechtliche Verstöße“ will der IVD Blumenauer nachweisen.

Gibt Blumenauers Geschäftsmodell das her? Den Marktwert einer Immobilie ermittelt iMakler zweigleisig: mithilfe eines standardisierten Computerprogramms und durch einen Sachverständigen vor Ort, der das Objekt besichtigt und Fotos oder auch kurze Videos macht. Gemeinsam mit dem Verkäufer wird der Angebotspreis festgesetzt. iMakler präsentiert die Immobilie dann im Internet und in Zeitungen, beantwortet gegenüber Interessenten weitergehende Fragen und vermittelt bei Bedarf im eigentlichen Verhandlungsprozess.

Die Adressen der angebotenen Häuser und Wohnungen gibt iMakler schon in den Inseraten bekannt. Denn Blumenauer will, dass Interessenten alle Möglichkeiten nutzen können, die das Internet bietet, um sich selbstständig Informationen zu beschaffen, angefangen von Recherchen über Umgebung und Wohnort bis hin zu Luftbildern vom Objekt via Google Earth.

IVD-Vize Schick bemängelt, dass bei den Besichtigungen kein iMakler-Vertreter dabei sei. Deshalb stehe infrage, ob es „überhaupt eine Maklerleistung ist, die iMakler erbringt“ oder ob es sich vielmehr nur um einen Dienstvertrag handele. Konsequenz: Der frühere Branchenfürst Blumenauer dürfe sein neues Unternehmen dann nicht mehr Makler nennen.

Der Unruhestifter parkt seinen bulligen VW Touareg – zwei Kilometer vom Bahnhof entfernt – an der viel befahrenen Königsteiner Straße vor einem Elektrofachmarkt, über dem er sich eingemietet hat. Nur ein dezentes Firmenschild am Eingang weist auf iMakler hin. Innen: sachliche Einrichtung, kein Pomp.

Im Entreé allerdings künden gerahmte Verbands-Urkunden – Blumenauer ist Träger der goldenen Ehrennadel des IVD – von den Verdiensten des Unternehmers. Ein Dutzend Arbeitsplätze sind besetzt. Zwei iMakler-Mitarbeiterinnen beantworten Fragen von Interessenten zu den gerade rund 100 Häusern und Wohnungen, die iMakler bis jetzt im Angebot hat. Vier Objekte wurden seit dem Start verkauft. Seit Tagesanbruch betreiben Blumenauer und sein Geschäftspartner Robert Koning telefonische Klinkenputzerei: Sie versuchen, private Immobilienanbieter, die gerade auf eigene Faust ihre Häuser und Wohnungen anbieten, zu iMakler-Kunden zu machen.

So weit unten fängt Blumenauer nicht an, weil er es muss – der Mann dürfte finanziell ausgesorgt haben –, sondern weil der durch und durch leidenschaftliche Mensch es noch einmal wissen will. Er ist ein verbissener Squash-Spieler, der anderen gerne die Gummibälle um die Ohren klatscht. Er ist Hubschrauber-Pilot. Er tafelt gerne thailändisch scharf und legt Wert darauf, immer schon als „Enfant terrible“ gegolten zu haben. Zuletzt vor einem Jahr: Da setzte er noch als Immobilienscout-Manager eine drastische Erhöhung der Gebühren durch – zum Teil sogar eine Verdopplung –, gegen die die Maklerkollegen vergebens Sturm liefen.

Nun fühlt Blumenauer sich berufen, der Branche den Spiegel vorzuhalten. Die Makler ignorierten, dass das Internet den Immobilienkäufern heute viel bessere Möglichkeiten der Informationsbeschaffung böte – „aber aus der Weitergabe einer Adresse und eines Exposés leiten sie nach wie vor ihre Honoraransprüche ab“. Ein Unding sei es, dass Makler manchmal für Käufer- und Verkäuferseite gleichzeitig arbeiten oder vom Vermieter beauftragt, aber vom Mieter bezahlt werden – eine „Interessenkollision, die international unüblich ist“ und die iMakler vermeidet.

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