Immobilienfinanzierer: Bankenexperte wirft Hypo Real Estate Anleger-Schädigung vor

Immobilienfinanzierer: Bankenexperte wirft Hypo Real Estate Anleger-Schädigung vor

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Eine Frau am Weg zur Bilanz-Pressekonferenz der Hypo Real Estate Bank in München: Ein Bankenexperte wirft dem Immobilienversicherer Anlegerschädigung vor.

Heftige Kritik an Hypo Real Estate: Bankenexperte Wolfgang Gerke wirft dem Immobilienfinanzierer nach dem Kurssturz aufgrund der Bekanntgabe millionenschwerer Belastungen aus der Finanzkrise eine Schädigung der Anleger vor.

 „Ich halte die Art der Kommunikationspolitik, die hier betrieben wurde, für inakzeptabel“, sagte Gerke heute. Gerade zum Beginn der Bilanzsaison handele es sich um ein „sehr fatales Signal“. Die Vertrauenskrise in der Finanzwelt verschärfe sich dadurch weiter. „Die Banken trauen sich nicht mehr gegenseitig in letzter Zeit, hier sieht man, warum.“

Am Vortag hatte die Hypo Real Estate entgegen früherer Äußerungen bekanntgegeben, dass sie nun doch durch die internationale Kreditkrise getroffen ist. Der Wert eines US-Wertpapierportfolios sei im vierten Quartal um 390 Millionen Euro nach unten korrigiert worden, was auch das Vorsteuerergebnis der Bank im vergangenen Jahr kräftig drückte.

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Als Folge erlebten die Aktien des Immobilienfinanzierers einen für ein Dax-Unternehmen spektakulären Kurssturz um zeitweise mehr als ein Drittel auf 21 Euro. Auch heute erholten sich die Papiere nur leicht.

Noch im November hatte sich die Hypo Real Estate als Gewinner der Kreditkrise gesehen. Man sei von den Turbulenzen an den Kapitalmärkten kaum betroffen, habe früh die Risiken erkannt und sich kaum in den kritischen Märkten engagiert, erklärte das Management damals. Dies habe sich nun im Nachhinein als „Fehlinformation“ herausgestellt, sagte Gerke, der auch Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums ist. „Ich kann nicht dem Markt sagen „wir sind die Profiteure“ und dann das geballte Gegenteil bekanntgeben.“

Beim geringsten Anzeichen, dass sich doch Belastungen ergeben könnten, hätten die Anleger unmittelbar informiert werden müssen. In diesem Fall aber sei der Eindruck entstanden, es seien „kursrelevante Informationen zurückgehalten worden“, sagte Gerke. „Das spricht gegen den Geist des Wertpapierhandelsgesetzes“. Erschreckend sei dabei nicht das Ausmaß der Abschreibungen, „sondern das geringe Vertrauen, dass man den Mitteilungen des Vorstandes entgegenbringen muss“, sagte Gerke. Insgesamt bestätige sich damit die Erwartung, dass erst mit den Jahresabschlüssen der Banken das tatsächliche Ausmaß der Krise bekannt werde.

Wer zunächst geglaubt habe, dass nur die Finanzbranche betroffen sei, dürfte dabei eines besseren belehrt werden, fürchtet Gerke. „Das wird natürlich Auswirkungen für die Gesamtwirtschaft haben.“ Nicht nur die Unternehmen dürften erschwerte Kreditbedingungen zu spüren bekommen, „auch auf den Konsum schlägt sich das nieder“, erwartet Gerke. „Da sind wir das nächste halbe Jahr damit beschäftigt.“

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