
Die Enttäuschung der Inder war groß: Gerade einmal auf Platz 133 von 183 untersuchten Staaten hat es die aufsteigende asiatische Nation im aktuellen „Doing Business“-Report der Weltbank geschafft. Damit fällt das Land im globalen Vergleich weiter zurück und verharrt im hinteren Drittel der Rangliste – trotz des atemberaubenden Wirtschaftswachstums der vergangenen Jahre. Selbst Indiens Lieblingsfeinde Pakistan (Platz 85) und China (Platz 89) schneiden besser ab. „Indien hat sich nur in einem Segment verbessert: beim Schließen von Unternehmen“, empörte sich daher die „Times of India“.
Das macht das Leben so schwer für ausländische Investoren, allen voran für Mittelständler. Gelockt von einem wachsenden Markt mit fast 1,2 Milliarden Menschen, sehen sich gerade Unternehmer einer unheilvollen Mischung unterschiedlicher Widrigkeiten ausgesetzt: Versorgungslücken, Bürokratie, Überregulierung, Korruption, Bildungsmangel. Alles zusammen macht den Subkontinent für Entrepreneure zur Marterstrecke und fesselt das Land in weltweiten Rankings auf Platz 169 bei Unternehmensgründungen. „Wie ist eine effiziente Produktion möglich, wenn Sie Waren nicht abtransportieren können oder Sie regelmäßig stundenlang keinen Strom mehr haben?“, klagt Lars Thunell, Chef des kommerziellen Arms der Weltbank, der International Finance Corporation.
Hartnäckigkeit zahlt sich aus
Viele deutsche Mittelständler hat das in den vergangenen Jahren dennoch nicht abgeschreckt – ihre Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt.
Bodo Rasler steht an seinem Bürofenster und schaut auf die staubige, löchrige Seitenstraße in Noida. Sein Arm ruht auf der Schulter eines Finanzbeamten, der wieder einmal Steuerangelegenheiten seines deutschen Arbeitgebers, des Arzneimittelherstellers Schwabe aus Karlsruhe, auf Indisch regeln möchte. „Schauen Sie sich diese Straße an“, sagt Rasler, der die Geschäfte von Schwabe in Indien führt, „schauen Sie sich die Kanalisation und das Stromnetz da draußen an. Alles verrottet, alles in desolatem Zustand. Es ist Ihre Aufgabe, Geld für den Staat einzutreiben, dass er das Land aufbauen kann, nicht aber sich die eigenen Taschen vollzustopfen.“ Das war vor neun Jahren – und Raslers hartnäckige Haltung hat ihn seither vor ähnlichen Besuchen bewahrt.
Schwabe produziert homöopathische Arzneimittel in Noida, einer Stadt vom Reißbrett im Speckgürtel Delhis. Nicht immer liefen die Geschäfte so gut wie heute. Die „größte Bürde“ war, „ einen indischen Partner zu haben, der ständig querschießt“, erinnert sich Rasler an die Anfangszeit. Die Firma habe kurz vor dem Kollaps gestanden.
Korruoption bis in die Verwaltungsspitze
1996 errichteten die Deutschen ihre Fabrik in Noida, eine Anlage auf allerneustem technischem Stand. Das war teuer, machte Schwabe jedoch zum unbestrittenen Qualitätsführer im Land. Doch der Vertrieb lief schleppend, die Margen, die Schwabe den Händlern bot, waren zu gering. Sie verkauften ihren Kunden lieber minderwertige, aber gewinnträchtigere Produkte. Nach drei Jahren war das Startkapital aufgezehrt, der Betrieb de facto zahlungsunfähig.
„Wir brauchten händeringend eine Kapitalerhöhung. Doch der indische Partner legte uns alle erdenklichen Steine in den Weg“, erzählt Rasler. Erst per Gerichte gelang es dem Deutschen, sie durchzusetzen – und den Grundstein für den Erfolg zu legen. Das Indien-Geschäft wächst heute mit jährlich 30 Prozent. Ein Ende des Trends ist nicht absehbar, sagt Rasler.
Nie wieder würde er einen einheimischen Partner ins Boot holen. „Wer als Investor Marktkenntnisse, Steuerexpertise oder qualifizierte Mitarbeiter sucht, wird auch ohne Partner rasch fündig“, sagt Rasler. Dem eigenen Partner, immerhin noch mit sechs Prozent an Schwabe in Indien beteiligt, hat er inzwischen Hausverbot erteilt.
Korruption ist das große Problem in Indien, von der obersten Verwaltungsspitze bis hinunter in die Ämter. So bedurfte es Geschenke für die politische Führung des Bundesstaats, um überhaupt einen Stromanschluss zu bekommen. Die örtlichen Bediensteten weigerten sich standhaft, ohne „Speed-Money“, wie das in Indien heißt, etwas zu tun.













