
„Ich rate Investoren sehr, nicht den vielen Hochglanzbroschüren über Indien zu glauben, auch nicht nur der Handelskammer“, sagt Rasler. Unternehmer müssten „Klinken putzen“ und sehr genau hinhören, wo die strukturellen und administrativen Probleme am geringsten sind. Denn wenn die Anfangsschwierigkeiten überwunden seien, lockten durchaus Margen von 20 oder mehr Prozent. Von Uttar Pradesh aber könne er nach mehr als zehn Jahren nur abraten. Die südlichen Bundesstaaten böten deutlich bessere Bedingungen.
Dort, in Chennai, der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Tamil Nadu, hat sich vor zehn Jahren der deutsche Maschinenbauer Schwing niedergelassen. Der Hersteller von Betonmischern und Pumpen aus dem nordrhein-westfälischen Herne hatte in den Achtzigerjahren eine Lizenz an ein indisches Unternehmen vergeben. Doch die Kunden auf dem Subkontinent drängten Firmenchef Gerhard Schwing, doch selbst vor Ort zu produzieren. Denn nicht immer hielt die Qualität, was der Lizenznehmer versprach.
Mit deutschen Tugenden Erfolg in Indien
Unternehmer Schwing hat den Schritt noch keine Sekunde bereut. „Wir sind im Hinterhof zur Miete gestartet“, erinnert er sich. Daraus sind drei ausgewachsene Fabriken geworden, aus anfänglich zwei Millionen Euro Umsatz zuletzt 120 Millionen. Indien ist mittlerweile der zweitgrößte Auslandsmarkt für Schwing nach den USA. „Und das Land robbt sich weiter vor. Wahrscheinlich wird die Weltwirtschaftskrise Indien in diesem Jahr auf Platz eins bringen“, sagt der Firmengründer.
Schwing setzt in Indien voll auf deutsche Tugenden. „Hier zählt einfach Qualität. Eine Maschine, die dagegen schon nach kurzer Zeit stillsteht, verdirbt Baufirmen das Geschäft“, sagt Schwing. Es möge Wettbewerber in Indien geben, deren Produkte anfänglich billiger seien. Letztendlich seien aber geringe Ausfallzeiten und ein reaktionsschneller Außendienst wichtiger.
Der Westfale ging nach Indien mit hehren Zielen. „Wir haben einen Systemansatz verfolgt, wollten Problemlösungen verkaufen und den gesamten Markt mitentwickeln“, sagt Schwing. Dass es sein Unternehmen als Mittelständler in Familienbesitz geschafft hat, erfüllt ihn mit Stolz. „Einfache Produkte billig produzieren – das können die Inder besser. Chancen ergeben sich mit anspruchsvolleren Produkten, die effizienter und leistungsfähiger sind.“
Der Deutsche hat sich ganz auf die Inder eingelassen. Nur wenige Bauteile stammten heute noch aus Deutschland, die meisten Zulieferer säßen in Indien. Nicht einmal im Management finde sich noch ein Deutscher. Zu groß seien die kulturellen Unterschiede. Inzwischen verkauft Schwing 3000 bis 4000 Fahrbetonmischer im Land – und kommt damit nach eigenen Schätzungen auf einen Marktanteil von 70 Prozent.
Trotzdem ärgert sich Schwing noch immer über dies und jenes. So sei das Gestrüpp an Steuervorschriften weiterhin schier undurchschaubar. Auch verlange die Auslieferung neuer Maschinen an Kunden in anderen Bundesländern umfassende Umsatzsteuererklärungen – sonst fielen Zölle an.













