Industrie: Comeback des französischen Maschinenbaus

Industrie: Comeback des französischen Maschinenbaus

von Lothar Schnitzler

Frankreichs Maschinenbau meldet sich nach der Krise zurück und wappnet sich für den Sprung ins Ausland.

Es geht wieder nach oben. „Frankreichs Maschinenbau ist 2010 aus dem Tal gekommen“, stellt Martine Clément, Ehrenpräsidentin des französischen Branchenverbandes FIM fest. Immerhin konnte die Branche im vergangenen Jahr ihren Umsatz um rund vier Prozent steigern. Eigentlich ein Grund zur Freude. Doch Clément mäkelt: „Das Branchenwachstum war in Deutschland doppelt so hoch.“ Und setzt hinzu: „Die Deutschen ziehen uns jetzt nach oben.“ Denn Deutschland ist der größte Kunde des Maschinenbaus im Nachbarland.

Die französischen Maschinenbauer haben ein Problem: Sie messen sich ständig am deutschen Nachbarn. Dabei braucht die Industrie sich nicht zu verstecken. Frankreich, 2011 Partnerland der Hannover Messe, ist weltweit mit einem Branchenumsatz von rund 40 Milliarden Euro die Nummer sechs weltweit in der Branche, in Europa nach Deutschland und Italien die Nummer drei.

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Die Branche leidet allerdings darunter, dass sie, abgesehen von wenigen Konzernen, fast unsichtbar wirkt. Mit durchschnittlich 15 Beschäftigten sind die Unternehmen etwa halb so klein wie Maschinenbaubetriebe in Deutschland hierzulande. Während sich hierzulande Kunden und Lieferer, Forschungseinrichtungen und Ausbildungsstätten oft in regionalen Netzwerken organisieren, sind solche Branchencluster in Frankreich selten.

Mit der Meute jagen

Doch jetzt wollen die französischen Maschinenbauer stärker zusammenarbeiten. Programme mit kryptischen Namen wie Acamas oder Oseo sollen die Mittelständler aus ihrer Vereinzelung reißen und dafür sorgen, dass sie den Sprung ins Ausland wagen oder mehr in die Forschung investieren. „Als Mittelständler müssen wir lernen, mit der Meute zu jagen“, fordert Jérôme Frantz, der Präsident des Branchenverbandes FIM.

Erste Erfolge zeigen sich bereits. Immerhin haben 20 Prozent der Teilnehmer des Programms Acamas vor, in neue Märkte vorzustoßen; jeder Zehnte plant eine Niederlassung im Ausland. Auffallend oft schließen sich die Maschinenbauer zusammen, um bei der Forschung oder beim Einkauf zu sparen – im Land der Individualisten ist dies ein Novum. Anders als das Netzwerk Oseo, das den Unternehmen mit finanzieller Hilfe unter die Arme greift, beschränkt sich Acamas auf Hilfe bei der Neuausrichtung von Unternehmen mit Beratung und Kontakten.

Jean-Jacques Laurent, Chef des Befestigungssysteme-Fabrikanten André Laurent, ließ sich vom Acamas-Team bei der Einrichtung einer Niederlassung in China und beim Kauf eines Betriebes in Marokko helfen. Bereut hat Laurent, der in der Nähe von Saint-Étienne 120 Menschen beschäftigt, die Entscheidung nie. „Dank Acamas haben wir umfassende Studien über den Wettbewerb erhalten und hatten die Hilfe eines kompetenten Consulters“, sagt er. „Und das zu einem bezahlbaren Preis.“

Laurent ist nicht der einzige französische Maschinenbauer, den es in die Ferne zieht. „Frankreich wird 2030 nur noch etwa ein Prozent der gesamten Weltbevölkerung stellen“, sagt Frantz. „Wir müssen jetzt in den wachsenden Märkten aktiv werden und die Negativdebatte über Betriebsverlagerungen stoppen.“

Verstärkte Expansion ins Ausland

Als Vorbild in der französischen Industrie gilt Henri Marchetta, Chef des Baumaschinenherstellers Mecalac-Ahlmann aus Annecy. Vor neun Jahren kaufte der Mittelständler mit heute über 400 Beschäftigten den schleswig-holsteinischen Wettbewerber Ahlmann, einen Hersteller von Rad- und Schwenkladern. „Wenn ich wieder vor der Wahl stünde, ich würde keine Sekunde zögern“, sagt Marchetta. „Wir sind jetzt international sichtbarer, konnten unser Portfolio erweitern und das Verkaufsnetz verdichten.“

Auch Realmeca, einen Produzenten von Bearbeitungsmaschinen aus Lothringen, zog es über die Grenze. Er bildete mit dem Werkzeugmaschinenhersteller Spinner aus München eine Allianz. Und Magafor, Hersteller von Bohrsystemen aus Fontenay-sous-Bois, verbündete sich mit dem hessischen Werkzeugspezialisten SPPW.

Allerdings sind Macher wie Marchetta oder Laurent immer noch selten. Und auch wagemutige Mittelständler wie Realmeca oder Magafor sind immer noch die Ausnahme. Aber der französische Maschinenbau, der sich lange auf den Heimatmarkt konzentrierte, denkt langsam um. Die Forderung von Verbandschef Frantz, im Ausland zu investieren, hätte vor Jahren noch für einen Aufschrei gesorgt. Heute stößt sie auf offene Ohren.

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